Doppel-Totalschaden: Albtraum-Crash löste Diskussion um Strafe aus
Riesenglück hatten die Moto2-Piloten Mario Ajo und Zonta van den Goorbergh. Ein Fehler des Holländers löste einen wüsten Doppel-Crash aus. Während die Fahrer untersucht wurden, begann die Diskussion.
Die womöglich kritischste Situation des vergangenen britischen GP ereignete sich während des zweiten Qualifyings der Moto2. Für die wichtige Session zur Ermittlung der besten Startplätze hatten sich auch Zonta van den Goorbergh und Honda-Asia-Pilot Mario Aji qualifiziert. Der Holländer war übers Q1 nachgerückt, Aji hatte sich mit einer starken Leistung bereits am Freitag ins Match der besten Piloten gebracht. Zur Mitte des Q2 ereignete sich dann ein folgenschwerer Unfall, der auch zur sofortigen Unterbrechung führte.
Was war passiert? Van den Goorbergh befand sich bereits auf einer gezeiteten Runde und gab alles, um sich von Position 17 zu verbessern. Mario Aji war erst in seiner Out-Lap und hatte noch keine Zeit notieren lassen. Ausgerechnet in der für Zwischenfälle prädestinierten Passage «Maggots und Beckets» lief die Kalex mit Van den Goorbergh auf den Indonesier auf. Im Eifer der Zeitenjagd schätzte der Sohn von Ex-500er-Ass Jürgen van den Goorbergh die Lage falsch ein und zog voll durch.
Der Fehler ist nachvollziehbar, aber doch nicht verzeihlich. In der Passage wechseln die Fahrer von rechts- in linksschräglage – die genaue Position des Kontrahenten musste intuitiv ermittelt werden, da Aji beim Umlegen im toten Winkel fuhr. Van den Goorbergh wähnte sich vorbei, falsch. Bei über 200 km/h wurde Aji ausradiert. Die Kollision war so kräftig, dass auch der Verursacher vom Gefährt gerüttelt wurde. Doch die orangefarbene Kalex fuhr ohne Van den Goorbergh weiter und schlug erst hunderte Meter später in die Mauer ein. Aji hingegen flog erst durch die Auslaufzone und dann zurück auf die Rennstrecke. Der Schützling von Hiroshi Aoyama hatte gewaltiges Glück, nicht von der zerfledderten Kalex in Honda-Asia-Farben getroffen zu werden.
Während Zonta van den Goorbergh schnell wieder auf den Beinen war, dauerte es eine Weile, bis Aji stand. Dann trafen sich beide Piloten zur Versorgung am Krankenwagen. Van den Goorbergh entschuldigte sich sofort – der Asiate zeigte sich sportlich und nahm an. Eine Geste, die auch mitentscheidend in der im Anschluss stattfindenden Debatte im Büro der Rennkommissare war.
Die Faktenlage: Die Piloten kamen mit Schrammen davon, beide Motorräder Schrott, Fehler bei Van den Goorbergh. Ein doppelter Long-Lap schien angebracht als Bestrafung. Doch wie SPEEDWEEK.com in Erfahrung bringen konnten, wurden die Fakten dennoch zugunsten des Piloten der holländischen Mannschaft ausgelegt. Da sich Van den Goorbergh sofort einsichtig zeigte, er ebenfalls bei hohem Speed gestürzt war und einen kapitalen Schaden zu verzeichnen hatte, wurde die Strafe auf eine Extraschleife beim Großen Preis gemildert.
Offiziell war der Fall mit dem Absitzen der Strafrunde am Sonntag erledigt. Der Rennverlauf, auch mit Blick auf die beiden Crash-Piloten, war dennoch bemerkenswert. Nach dem Vorfall am Samstag standen die beiden nebeneinander. Aus Runde 1 kamen die Piloten Rad an Rad mit Aji in Front. Zonta van den Goorbergh entschloss sich zu einer frühen Strafrunde, kehrte in Runde 3 als 27. und Letzter zurück auf die Ideallinie. Für WM-Punkte reichte auf der Insel weder für den 2026 von Verletzungen geplagten Aji (22.) noch für Van den Goorbergh, der seinen Timing-Fehler im Q2 damit büßte, zwei Plätze hinter seinem Opfer über die Linie zu fahren.
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