Moto2-Thriller in Silverstone mit Sieg von Salac und Drama für Gonzalez
Lange stritten sechs Moto2-Piloten um den Sieg in Silverstone. Nach Stürzen und einem Fehler von WM-Leader Manuel Gonzalez jubelte Filip Salac über seinen ersten Moto2-Sieg. Erstes Podium für Escrig.
In England ist bekanntermaßen vieles anders – so auch der Zeitplan zum «Grand Prix of Great Britain». Den Auftakt zum GP-Sonntag machten auf der Insel die Akteure der Moto2. In die Besichtigungsrunde ging es bei idealen Bedingungen – ein Wetterpoker lag unter strahlend blauem Himmel in weiter Ferne.
Ganz vorne in Position brachte sich der WM-Zweite der mittleren Kategorie, Pramac-Pilot Izan Guevara. Mit Alonso Lopez und Ivan Ortola, Siegern des letzten Rennens in Deutschland, sowie WM-Leader Manuel Gonzalez und Dani Munoz deutete Runde 12 auf eine rein spanische Angelegenheit hin. Eine größere Aufgabe hatte Senna Agius vor sich. Der junge Australier, Sieger des ultraspannenden Moto2-Rennens im Vorjahr und potenziell zukünftiger MotoGP-Pilot, war im Q2 nicht über Platz 11 herausgekommen.
Das Q2 sogar verpasst hatte ein Pilot, der bereits als MotoGP-Pilot für 2027 bestätigt ist – David Alonso. Der Kolumbianer, der in Silverstone bereits einen Sieg einfahren konnte, startete nur von Platz 19. Sicher war vor dem Start, dass Manuel Gonzalez die Insel in jedem Fall als Spitzenreiter verlassen wird. Der Vorsprung des Madrilenen auf Guevara nach der Sommerpause betrug 51,5 Punkte. Ebenfalls klar: Der Niederländer Zonta Van den Goorbergh musste während des Rennens über 17 Runden eine Long-Lap-Schleife einlegen. Der Kalex-Pilot hatte im Q2 einen Crash inklusive Abbruch verursacht.
Nach dem Start ging es ganz an der Spitze zunächst sehr geordnet zu. Die Top 3 des Qualifyings fädelten mit Guevara an der Spitze durch die erste Passage. Dahinter ein Hauen und Stechen zu Ungunsten von Manuel Gonzalez, der sich mit Munoz, Arbolino und Holgado stritt und im Laufe der ersten Runde bis auf Platz 7 zurückfiel. Teamkollege Agius war dagegen bereits auf Platz 9 nach vorne gekommen. Nur eine Position gutmachen konnte dagegen CF-Moto-Held David Alonso, P18.
In Runde 3 ging es an der Spitze weiter zur Sache. Während Gonzalez die schnellste Rennrunde ablieferte und an Munoz vorbeizog, presste sich Holgado auf 2, um die Verfolgung des um 0,5 Sekunden enteilten Guevara aufzunehmen. In Runde 4 legte Holgado mit einer 2:02,717 min und einer neuen Bestmarke nach.
Während Senna Agius nach einem Fehler weit zurückfiel und aus Runde 4 nur auf P18 zurückkam, griff der Spitzenreiter der Klasse an. Gonzalez überholte in zwei Kurven zwei Gegner, Arbolino und Lopez, und war nun Vierter. Hinter den Top 6 kämpften Filip Salac, Alex Escrig, Dani Munoz und Deniz Öncü um Platz 10. Alonso dagegen steckte auf Platz 21 fest – und hatte zudem noch eine Long-Lap verordnet bekommen.
Lange bestimmten sechs Piloten das Rennen
Zur Halbzeit hatten sich die Top-6 in zwei Dreiergruppen aufgeteilt. Holgado führte 0,3 Sekunden vor Holgado und Ortola. Mit knapp einer Sekunde Rückstand folgten Gonzalez, Arbolino und Salac, der Alonso Lopez hinter sich gelassen hatte. Runde 10 war ereignisreich. Aron Canet flog von seiner Boscoscuro, Holgado schnappte sich Guevara und Arbolino zwängte sich wieder an Intact-GP-Held Gonzalez vorbei. Der Vorsprung auf Platz 7 mit Lopez war derweil auf zwei Sekunden angewachsen.
In den nächsten zwei Runden geriet Izan Guevara unter Druck. Erst zog Ortola, dann Arbolino und in Runde 12 auch Gonzalez vorbei. Super aggressiv zeigte sich Tony Arbolino. Der Fantic-Pilot attackierte sich an Ortola vorbei und war nun Zweiter. Ende Runde 12 war die Überraschung perfekt: «Tiger Tony» hatte Dani Holgado von der Spitze verdrängt. Manu Gonzalez schnappte sich P3 von Ortola – die Schlacht um den Sieg war bereits in vollem Gang.
Arbolino und Escrig überraschten
Fünf Runden vor Schluss war das Comeback des Italieners vorbei. Arbolino stürzte in Vail, sein enger Freund Fabio Quartararo raufte sich an der Boxenmauer die Haare. Nun wurde aus dem Sixpack ein Quartett, denn Guevara konnte das Tempo der Spitze nicht mehr mitgehen. Alles lief auf ein Finale mit Holgado, Gonzalez, Salac und Ortola hinaus. Erstaunlich stark die Leistung von Escrig, der Forward-Pilot schloss zügig zu Guevara auf und ging auf Platz 5.
In der vorletzten Runde wurde es wild. Gonzalez und Holgado wechselten mehrfach die Spitze. Dann die entscheidende Szene. Gonzalez dachte bei der Überfahrt der Linie, er habe gewonnen, doch es stand noch eine Runde auf der Anzeige. Gonzalez drehte das Gas zu – Holgado fuhr ins Heck und verbog den Auspuff der Intact-Kalex. Während Holgado weiterfahren konnte und guter Vierter wurde, fiel der Tabellenführer bis auf Platz 14 zurück.
An der Spitze attackierte derweil Filip Salac. Der Tscheche fuhr eine perfekte Schlussrunde und gewann 0,3 Sekunden vor Ivan Ortola, der damit in Sachen WM-Tabelle der Sieger des Tages war. Vom Chaos des Finales profitierte auch Alex Escrig. Platz 3 bedeutet das überraschende erste GP-Podium für den Kumpel von Pedro Acosta.
In der WM-Tabelle blieb alles beim Alten. Doch der Vorsprung Gonzalez von Guevara schmolz auf 42,5 Punkte. Senna Agius, der ohne Punkte blieb, ist weiter Dritter, aber nur noch 2,5 Punkte vor Ivan Ortola. Ein kleiner Trost für das deutsche Intact-Team: In der Team-WM liegt die Einheit aus Memmingen weiter unangefochten in Front.
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