Celestino Vietti: Verdrängt er sein großes VR46-Vorbild aus der MotoGP?
Mit konstant starken Leistungen bringt sich Celestino Vietti in Stellung für den MotoGP-Aufstieg. Sollte er bei VR46 andocken, würde er damit ausgerechnet die GP-Karriere seines Vorbilds beenden.
Die freien Plätze für die MotoGP-Saison 2027 werden zunehmend rar. In den vergangenen Wochen wurden einige wichtige Personalfragen geklärt. Besonders begehrt ist nun das zweite Cockpit bei VR46-Ducati, nachdem Fabio Di Giannantonio seinen Wechsel zu KTM fixiert hat. Aktuell gelten drei Italiener als Kandidaten: Superbike-Dominator Nicolo Bulega, Noch-Honda-Werkspilot Luca Marini sowie Moto2-Pilot Celestino Vietti.
Für Vietti läuft es in diesem Jahr besser denn je. Der 24-Jährige absolviert bereits seine sechste Saison in der Moto2, doch erstmals zeigt er konstant starke Leistungen. In den vergangenen Jahren blitzte sein Potenzial meist nur an einzelnen Wochenenden auf – 2026 präsentiert sich der Italiener deutlich reifer und stabiler. Fünf der ersten sechs Rennen beendete er in den Top-6, zweimal stand er als Zweiter auf dem Podium. In der WM liegt Vietti aktuell auf Rang 3 und damit sogar vor anderen möglichen MotoGP-Aufsteigern wie David Alonso, Senna Agius oder Daniel Holgado.
Voller Fokus auf gute Leistungen in der Moto2-WM
Mit weiteren starken Auftritten könnte Vietti seinen Marktwert in den kommenden Wochen nochmals steigern. «Ich konzentriere mich im Moment einzig und allein darauf, so stark wie möglich zu sein. Schlussendlich bin nicht ich derjenige, der die Entscheidung trifft. Meine Aufgabe ist es, gute Ergebnisse einzufahren, wie wir es zuletzt getan haben. Danach sehen wir weiter. Der Beste wird den Platz erhalten», erklärte der Italiener gegenüber GPOne.
Vietti gehört seit vielen Jahren zur VR46 Academy und trainiert regelmäßig mit Francesco Bagnaia und den anderen Akademie-Fahrern. Vor allem mental habe ihm das Umfeld geholfen. «Wir unterhalten uns immer sehr intensiv. Doch es sind weniger spezifische Hinweise. Stattdessen haben sie mir dabei geholfen, an den Rennwochenenden gelassener und unbekümmerter zu sein. Das haben sie mir schon lange gesagt, doch jetzt konnte ich ein paar Dinge in den Griff bekommen – und das hilft mir sehr», verriet Vietti. Genau darin sieht er einen der Hauptgründe für seine deutlich konstanteren Leistungen.
Zuletzt verpasste Vietti in Barcelona den Sieg nur um 0,2 Sekunden. «Das letzte Rennwochenende lief gut, doch ich verlor den Sieg in letzter Minute. Umso größer ist jetzt mein Hunger auf Mugello!», betonte der Boscoscuro-Pilot mit Blick auf sein Heimrennen in der Toskana.
Das Zusammenspiel mit den VR46-Piloten
Vor Mugello wird Vietti erneut mit den Academy-Fahrern trainieren. Besonders spannend: Wie beschreibt er seine prominenten Kollegen? «Sie sind unterschiedliche Fahrer mit unterschiedlichen Charakteristiken: Pecco ist beim Bremsen sehr stark, Franco ist sehr sanft, Bez ist in den Kurven sehr stark. Und dann gibt es noch Marini, der sehr analytisch vorgeht. Ihn beim Fahren zu beobachten, erinnert an Perfektion», schilderte Vietti.
Besonders eng scheint seine Verbindung jedoch zu Franco Morbidelli zu sein. «Ich versuche, mir von jedem Fahrer etwas abzuschauen. Doch wenn ich einen auswählen müsste, dann Franco Morbidelli. Bei einigen Dingen erkenne ich mich wieder. Ich mag ihn als Person und wie er schwierige Momente angeht. Ich habe ihn immer genau beobachtet und versucht, mich von ihm inspirieren zu lassen», erklärte Vietti. «Er verbreitet Freude und hat immer ein Lachen im Gesicht. Das ist etwas, das ich sehr an ihm schätze.»
Gerade deshalb steckt eine gewisse Ironie in der aktuellen Situation: Sollte Vietti tatsächlich das begehrte MotoGP-Ticket bei VR46 erhalten, dann würde ausgerechnet er den Platz seines großen Vorbilds übernehmen. Für Morbidelli könnte die MotoGP-Karriere damit nach der Saison 2026 enden.
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