Miller-Nachfolger Guevara bei Pramac: Warum Talent allein nicht reichte
Izan Guevara galt früh als Ausnahmetalent, doch in der Moto2 geriet seine Karriere ins Stocken. Pramac-Teammanager Gino Borsoi erklärt, was sich beim künftigen MotoGP-Piloten geändert hat.
Als Izan Guevara 2022 die Moto3-Weltmeisterschaft gewann, schien der Spanier auf direktem Weg in die MotoGP zu sein. Sieben Siege, zwölf Podestplätze und der vorzeitige Titelgewinn unterstrichen sein enormes Talent. Guevara ließ die Konkurrenz zeitweise beinahe spielerisch hinter sich und galt als eines der größten Versprechen für die Zukunft.
Doch mit dem Aufstieg in die Moto2 geriet seine Karriere ins Stocken. Statt nahtlos an seine Moto3-Erfolge anzuknüpfen, benötigte Guevara mehrere Jahre, um sich in der mittleren WM-Kategorie zu etablieren. Sein unbestrittenes Talent allein genügte nicht mehr.
Seine Moto2-Debütsaison beendete er als 22. der Fahrerwertung. Auch im zweiten Jahr gelang nur eine sanfte Steigerung: Er wurde WM-17. und beendete die Zusammenarbeit mit Aspar.
Als Guevaras Karriere vom Kurs abkam
Kritiker warfen dem Spanier in dieser Phase vor, sich zu sehr auf seine natürlichen Fähigkeiten zu verlassen und nicht konsequent genug für den Erfolg zu arbeiten. Erst in jüngerer Vergangenheit gelang Guevara die Wende. Seit er für das Pramac-Projekt antritt, beobachtet Teammanager Gino Borsoi eine grundlegende Veränderung.
«Er hat einen riesigen Schritt gemacht, vor allem vom letzten Jahr zu diesem Jahr. Er hat seine Einstellung komplett verändert und sein Training komplett umgestellt. Er ist jetzt eine komplett andere Person», stellte Borsoi gegenüber MotoGP.com fest.
Für den Italiener liegt genau darin der Schlüssel für Guevaras Aufschwung. Am natürlichen Speed des Moto3-Weltmeisters von 2022 bestand ohnehin kaum Zweifel. Doch erst mit einer veränderten Herangehensweise schöpft der Spanier sein Potenzial nach Einschätzung seines Teammanagers zunehmend aus.
«Er hat jetzt alles, um seinen Speed zu zeigen. Jetzt verfügt er über die richtige Mentalität, um in der MotoGP zu fahren», betonte Borsoi. Auch im Moto2-Endspurt traut er seinem Schützling inzwischen Großes zu: «In der Moto2 ist er bereit, um die Meisterschaft zu kämpfen, auch wenn es schwierig wird gegen Gonzalez.»
Yamaha: Pramac als Pipeline für junge Talente
Die Entwicklung wird für Guevara mit dem MotoGP-Aufstieg 2027 belohnt. Pramac befördert den Spanier aus dem eigenen Moto2-Projekt und gibt ihm den Platz von Jack Miller. Damit setzt das Yamaha-Team bewusst auf einen Fahrer, dessen Weg in die Königsklasse nach dem souveränen Moto3-Titel zunächst wesentlich länger und steiniger verlief als erwartet.
Für Borsoi besitzt der interne Aufstieg deshalb auch Signalwirkung. «Es ist eine gute Nachricht für das Yamaha-Projekt und zeigt, dass ein Fahrer aus der Moto2 eine reelle Chance hat. Wir haben gezeigt, dass dieser Traum wahr werden kann, sofern man gut genug ist. Man kann den Sprung aus der Moto2 in die MotoGP schaffen.»
Dass dafür Miller weichen muss, sorgt bei Borsoi allerdings für gemischte Gefühle. «Natürlich ist es auch für mich ein trauriger Moment, weil Jack eine tolle Person ist», erklärte der Pramac-Teammanager. Über den Australier, dessen Zeit als Stammfahrer in der MotoGP damit zu Ende geht, sagte er zudem: «Er ist eine wirklich tolle Person und ein unglaublicher Rennfahrer.»
Bei Guevara setzt Pramac dagegen darauf, dass aus dem außergewöhnlich talentierten Moto3-Weltmeister inzwischen auch ein ausreichend kompletter Rennfahrer für die MotoGP geworden ist. Die entscheidende Veränderung sieht Borsoi dabei weniger beim Speed als vielmehr in Guevaras Einstellung. Aktuell ist Guevara WM-Zweiter und der einzige Boscoscuro-Pilot in den Top-6 der Fahrerwertung.
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