Nico Bulega von Ducatis MotoGP-Angebot nicht amüsiert: «Muss Opfer bringen»
Superbike-WM-Leader Nicolo Bulega wird 2027 im VR46-Ducati-Team von Valentino Rossi MotoGP fahren, doch die Vertragsverhandlungen ziehen sich. In Donington Park kamen einige Hintergründe ans Licht.
Grundsätzlich ist schon länger klar, dass Ducati sein Superbike-Aushängeschild Nicolo Bulega für 2027 in die MotoGP verschieben wird. Dass noch immer die Unterschrift auf dem Vertrag fehlt, liegt an den zähen Verhandlungen zwischen dem 41-fachen Laufsieger, Ducati Corse und dem Team VR46 von Valentino Rossi. Die drei Parteien haben unterschiedliche Interessen und müssen jeden Punkt mühsam diskutieren.
VR46 hätte gerne Moto2-Eigengewächs Celestino Vietti in der MotoGP gesehen und nicht Nicolo Bulega, muss sich als offizielles Satellitenteam aber den Wünschen von Ducati beugen. Denn der Hersteller aus Bologna gewährt VR46 nicht nur Zugang zu bestem Material, sondern kommt auch für die Fahrergehälter auf.
Ducati bräuchte Bulega in der MotoGP nicht
In einer für Ducati idealen Welt würde Bulega in der Superbike-WM bleiben und dort Rennen und Titel gewinnen. Denn die nackte Wahrheit ist: Ducati ist auf den 26-Jährigen in der MotoGP nicht angewiesen; sie haben nächste Saison Marc Marquez (33), Neuzugang Pedro Acosta (22) und den ebenfalls vielversprechenden Fermin Aldeguer (21).
Als MotoGP-Testfahrer ist Bulega für Ducati hingegen Gold wert, deshalb lassen sie den Superbike-Seriensieger die 850er-Maschine mit Pirelli-Reifen entwickeln und nicht nur den 40-jährigen Michele Pirro.
Ducati bot Bulega für 2027 und 2028 zuerst einen 1+1-Vertrag an, worüber der ehemalige Supersport-Champion nicht begeistert war. Denn mit so einem Deal würde er bereits nach dem ersten Saisondrittel mächtig unter Druck geraten, um sich mit hervorragenden Ergebnissen für die folgende Saison zu empfehlen. Inzwischen deutet einiges darauf hin, dass Nico einen Zweijahresvertrag bekommt.
Als Rookie musst du im ersten Jahr Dinge akzeptieren, die ein Topfahrer nicht schlucken muss.nicolo bulega
Weiterhin unklar ist, was für Material er von Ducati erhält. Zu Saisonbeginn werden die 850er in allen drei Teams nahezu identisch sein, in der Folge wird aber klar festgelegt, wer wann welche Neuerungen bekommt. Natürlich wünscht sich Bulega immer das neueste Material und möchte nicht hinter seinem Teamkollegen Aldeguer zurückstehen.
Vertrag ist kurz vor der Unterschrift
Während die MotoGP-Asse beim Deutschland-GP auf dem Sachsenring antreten, sind die Superbike-Kollegen in Donington Park unterwegs. «Wir stehen kurz davor, dass ich eine klare Vorstellung von meiner Zukunft habe», erzählte Bulega dort beim Treffen mit SPEEDWEEK.com. «Meine Agentur arbeitet hart, die für mich perfekte Lösung in der MotoGP hinzubekommen – wir sind nahe dran.»
Zum vorliegenden Angebot sagte Bulega: «Ich bin glücklich, weil wir über die MotoGP reden. Als Rookie musst du im ersten Jahr Dinge akzeptieren, die ein Topfahrer nicht schlucken muss. Das wusste ich schon vor den ersten Gesprächen mit MotoGP-Teams: Wenn ich diesen Schritt wagen möchte, dann muss ich im ersten Jahr einige Opfer bringen. Ich rede auch nicht nur vom Geld, es geht um alles.»
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