Wie steht es um die Treue in der MotoGP – gibt es sie noch?
Eine Analyse über die vergangenen 17 Jahre MotoGP zeigt: Die durchschnittliche Verweildauer der Fahrer variiert stark zwischen den Teams. Welche Hersteller setzen auf Kontinuität, wer experimentiert?
Die Loyalität von Fahrern in der MotoGP ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits brauchen Fahrer Zeit, um sich an ein Motorrad anzupassen und ihr volles Potenzial zu entfalten. Andererseits kann zu langes Verharren die Karriere blockieren. Eine Auswertung der Verweildauern von 2010 bis 2026 offenbart interessante Muster.
Mit durchschnittlich 5 Jahren Verweildauer führt das Werksteam von Honda das Feld deutlich an. Die Japaner setzen traditionell auf langfristige Bindungen – Paradebeispiele sind Marc Márquez, der von 2013 bis 2023 elf Jahre im Repsol-Honda-Team verbrachte, oder Dani Pedrosa, der sage und schreibe ganze 13 Saisons für Honda fuhr. Yamaha folgt mit 4 Jahren auf Platz zwei. Auch dort prägten zwei langjährige Partnerschaften das Bild: Valentino Rossi fuhr in zwei Etappen insgesamt 15 Jahre im Werksteam, Jorge Lorenzo blieb neun Saisons auf einer M1 sitzen. Diese langjährigen Partnerschaften treiben die Zahlen nach oben.
Bei Ducati bleiben die Fahrer im Schnitt drei Jahre, auch dort hat sich etabliert, dass ein Fahrer als Nummer 1 länger im Team verweilt (2010er: Andrea Dovizioso, 2020er: Francesco Bagnaia). Liefert die Nummer 2 allerdings nicht, verlässt diese nach zwei Jahren das Team. Dieses Muster besteht seit dem Wechsel von Jorge Lorenzo, doch auch Valentino Rossi nahm Anfang der 2010er nach zwei Jahren auf der damals nicht konkurrenzfähigen Desmosedici Reißaus.
Wenig Treue bei Satellitenteams
Am anderen Ende des Spektrums finden sich die Satellitenteams. Sowohl Gresini als auch Pramac weisen historisch gesehen die kürzesten Verweildauern auf, dienen sie als Sprungbrett für Talente oder als letzte Station für erfahrene Piloten. Tech3 setzt seit dem Wechsel zu KTM auch weniger auf Kontinuität. Einzig bei LCR ticken die Uhren anders: Mit durchschnittlich 2,6 Jahren sind die Fahrer verhältnismäßig lange treu, allerdings sorgen die Engagements von Crutchlow und Nakagami für statistische Ausreißer.
Zieht man die Vorgängerteams ab Petronas Yamaha mit ein, ist das heutige Trackhouse-Aprilia-Team der Verlierer, wenn es um die Langzeitbindung von Piloten geht. Das Team wechselt im Schnitt alle 1,69 Jahre durch. Seitdem allerdings die US-Amerikaner rund um Justin Marks das Team übernommen haben, scheint Stabilität eingezogen zu haben. Die Zeiten ständiger Besetzungs-Experimente scheinen ein Ende gefunden zu haben.
Sowohl Aprilia als auch KTM setzen wie die anderen Werksteams auf Kontinuität bei ihrem Nummer-1-Fahrer. Brad Binder geht in seine inzwischen siebte MotoGP-Saison, auch Aprilia setzte bis 2025 auf Espargaró und Viñales, ehe man mit Jorge Martín und Marco Bezzecchi einen personellen Neustart wagte.
Im Schnitt war die Wechselbereitschaft in den 2010er-Jahren größer, was eher daran lag, dass die Kundenteams öfter ihre Fahrer wechselten. Dort ergab sich ein Wert von 2,36 Saisons. Seit dem Eintritt in die 2020er-Jahre hat sich dieser Wert auf 2,68 erhöht. Tendenziell also pro Konstanz. Einzig die Fahrer-Treue zu den japanischen Herstellern bröckelt.
Ein Ausreißer-Jahr gibt es – 2015 zu 2016: Damals behielten die etablierten Teams weitgehend ihre Fahrerpaarungen bei.
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