Zarco-Ersatz Crutchlow ärgerte sich nach Zweikampf: «Ich war zu defensiv»
LCR-Honda-Ersatzjoker Cal Crutchlow steigerte sich beim Assen-Event auf das nächste Level – kam aber erneut auf dem letzten Platz an. Klar ist, der Ehrgeiz des MotoGP-Rückkehrers ist längst erwacht.
Seit dem ersten Einsatz von Cal Crutchlow als Ersatz für den schwer verletzten Johann sind erst fünf Wochen vergangen, und doch bestreitet der 40-jährige Engländer bereits das vierte Rennwochenende für die Mannschaft von Lucio Cecchinello Die ersten beiden Events in Mugello und am Balaton wurden genutzt, um den Veteranen mit der aktuellen RC213V vertraut zu machen. Ab Brünn sollte es nach erstaunlichen Steigerungen weiter nach vorne gehen. Crutchlow hatte Lunte gerochen und schloss nicht aus, schon in Bälde von hinten das Feld aufzumischen.
In Assen war es soweit. Im Zeittraining fehlten Crutchlow Hundertstel zum Feld, Zehntel zu Stammfahrern wie Brad Binder. Im Q1 umrundete Crutchlow, der auch in Assen mit seiner Familie vor Ort ist, den TT Circuit schneller als der hadernde Superbike-Weltmeister und Yamaha-Rookie Toprak Razgatlioglu.
Im Sprint über 13 Runden war der Türke dann aber noch eine Nummer zu groß, dafür nahm es Crutchlow nun mit Yamaha-Tester Augusto Fernandez auf. Nach solidem Start ging er in Runde am 12 Jahre jüngeren Moto2-Weltmeister von 2022 vorbei. Crutchlow fuhr ein Rennen, wurde im Finale aber wieder geschnappt, die Schlussattacke blieb aus, was den Ersatz von Zarco sichtlich ärgerte: „Es war schön, wieder um Positionen zu kämpfen. Mit einer Gruppe zu fahren, wenn auch nicht für sehr lange, war eine wichtige Erfahrung, um mich weiter zu steigern. Das Match mit Augusto hat gutgetan, er hat mich in der vorletzten Runde wieder überholt. Ich wollte ihn zurückholen, aber ich habe mich viel zu defensiv verhalten. Ich wusste eigentlich schon, dass es vor dem Ansatz, dass es Probleme dabei geben wird, also habe ich das Risiko vermieden.«
Crutchlow, in dessen Gesicht der Ehrgeiz zu erkennen ist: „Es ist eine Sache der Erfahrung. Es ist Jahre her, dass ich auf diese Art Rennen gefahren bin. Brünn war vor sechs Jahren, in Assen sogar sieben. Auch wenn ich mich wieder etwas gesteigert habe, bei den schnellen Richtungswechseln fehlt es deutlich. Ich versuche, den besten abzuliefern, und bislang läuft es ganz gut – das Team ist happy, Honda ist happy –, aber ich will nicht Letzter werden.«
Beim Sprint in Assen fehlten Crutchlow dazu 0,212 Sekunden. Vom Hinterherfahren kann längst keine Rede mehr sein. Für den GP hielt sich Crutchlow aber mit steilen Ansagen zurück. Große Freude hätte er an einem Wetterchaos: „Ich würde es lieben, wenn es zu einem Flag-to-Flag-Race kommt. Dann würde ich entweder lange auf den Slicks draußen bleiben – oder wenn es andersherum kommt – dann wechsle ich als Erster!» Die Aussicht ist nicht unrealistisch. In der Nacht auf Sonntag gab es intensive Gewitter. Weitere sind am großen Renntag nicht auszuschließen.
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