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Ausgerechnet in Misano: Nur Assen war für Kawasaki noch schlechter
David Salvador geht als klarer WM-Leader in die Sommerpause. Nach seinem Sieg in Misano übte der Kawasaki-Pilot jedoch deutliche Kritik an der Balance in der Sportbike-WM.
Mit einem Sieg und einem vierten Platz verlief das Rennwochenende der Sportbike-WM in Misano für David Salvador sehr positiv. Im zweiten Lauf setzte sich der Kawasaki-Pilot in einem packenden Finale mit gerade einmal 0,039 Sekunden Vorsprung gegen Yamaha-Fahrer Carter Thompson durch und baute damit seine Führung in der Gesamtwertung weiter aus.
Als WM-Leader geht der Spanier mit einem Polster von 34 Punkten auf ProDina-Teamkollege Antonio Torres in die fast dreimonatige Sommerpause. Erst Anfang September wird die Saison in Magny-Cours fortgesetzt. Trotz dieser starken Ausgangslage überwog bei Salvador nach dem Rennen jedoch nicht die Zufriedenheit, sondern die Sorge über die aktuelle Konkurrenzfähigkeit der Kawasaki.
«Es ist natürlich ein schönes Gefühl. Ich habe heute 100 Prozent gegeben», sagte der 22-Jährige nach seinem zweiten Saisonsieg. Gleichzeitig machte er deutlich, dass der Erfolg aus seiner Sicht nur mit enormem Aufwand möglich gewesen sei. «Es war ein schwieriges Rennen, weil die Kawasaki auf den Geraden momentan nicht das beste Motorrad ist. Uns fehlen Topspeed und Beschleunigung.»
Vor allem im direkten Zweikampf sieht Salvador sein Team im Nachteil. Muss er hinter einem Konkurrenten abbremsen, koste ihn das wertvolle Geschwindigkeit am Kurvenausgang. «Wenn ich zum Beispiel hinter einer Aprilia hänge und in der Kurvenmitte etwas Tempo verliere, ist es sehr schwierig, meine Geschwindigkeit wieder aufzubauen.»
Besonders auffällig sei dies im Duell mit Carter Thompson gewesen. Zwar würden auch die Yamaha-Piloten behaupten, ihr Motorrad habe keinen Vorteil, doch Salvador sieht das anders. «Auf den Geraden hat Thompson dort alle Fahrer überholt. Das spricht für sich.»
Nach Ansicht des Kawasaki-Piloten beschränkt sich das Problem aber nicht auf Yamaha. «Eigentlich sind alle Motorräder schneller. Gegen die Triumph war es am Samstag praktisch unmöglich, Bruno (Ieraci) zu überholen», erklärte der Spanier. Im Qualifying könne er seine Stärken oft noch ausspielen, doch in engen Rennkämpfen werde die Situation kompliziert. «Dann musst du in jedem Streckenabschnitt extrem hart pushen.»
Salvador verwies zudem darauf, dass sich an der Spitze der Meisterschaft kaum Kawasaki-Piloten behaupten können. «Wenn man sich die Rennen anschaut, dann sind vorne meistens nur Torres oder ich zu finden. Vielleicht noch Artigas, weil er ebenfalls ein sehr guter Fahrer ist. Aber insgesamt ist es schwierig für uns.»
Der WM-Leader will sich dennoch nicht zu sehr mit den technischen Rahmenbedingungen beschäftigen. «Das liegt nicht in meiner Verantwortung. Ich konzentriere mich auf meine Arbeit. Das ist das Beste, was ich tun kann.»
Immerhin gibt es für den Spanier Anlass zur Hoffnung. Nach seinen Angaben habe Kawasaki ihm mitgeteilt, dass es für Magny-Cours möglicherweise Anpassungen an der Balance-Regelung geben könnte. «Vielleicht wird die Situation für uns etwas besser. Ich weiß nicht, wie es für die anderen Hersteller aussieht, aber wir werden sehen. Das ist wichtig. Für das Team ist es ebenfalls schwierig, denn es ist das erste Jahr. Aber alle haben die Daten.»
Trotz aller Kritik dürfte Salvador die Sommerpause mit einem guten Gefühl antreten. Sportlich hat er in Misano seine Klasse erneut bewiesen. Seine Aussagen zeigen aber auch, dass der Spanier den Titelkampf noch lange nicht als entschieden betrachtet – und dass er sich für die ausstehenden drei Saisonevents in Magny-Cours, Cremona und Jerez mehr Chancengleichheit wünscht, auch wenn aktuell drei Kawasaki-Piloten die Fahrerwertung anführen.
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