Philipp Öttl: «Ich will 2014 in die Top-Ten»

Von Oliver Feldtweg
Moto3

Nach dem Klassenwechsel von Jonas Folger ruhen Deutschlands Moto3-Hoffnungen in erster Linie auf Philipp Öttl. Der Kalex-KTM-Pilot nimmt sich einiges vor.

Philipp Öttl, 17jähriger Sohn des fünffachen GP-Siegers Peter Öttl, hat 2012 den Red Bull Rookies Cup auf einer 125er-Zweitakt-KTM bestritten und gleichzeitig auf einem Moto3-Viertakter die Spanische Meisterschaft.

Zu Beginn der Saison ärgerte sich Öttl über schlechte Startplätze. Dafür steigerte er sich in den Rennen und sorgte oft mit tollen Aufholjagden für Furore. In Le Mans stürmte er Mitte Mai vom 28. Startplatz auf Rang 15 vor und feierte den ersten WM-Punkt der Saison. Nicht weniger begeisternd war sein Kampf beim Heimspiel auf dem Sachsenring im Juli, wo er als 17. startete, zeitweilig auf Position 15 und damit in den Punkterängen fuhr und erst im Endspurt zwei erfahrenere Piloten passieren lassen musste.

Trotzdem deutete sich beim Deutschland-GP bereits der Durchbruch an: Öttl lag im Ziel nur 24,5 Sekunden hinter dem Sieger. Er hatte seinen Rückstand pro Runde auf weniger als eine Sekunde verkürzt.

Die Steigerung

Nach der Sommerpause setzte Öttl sein Talent und seine Erfahrung erstmals auch im Rennen richtig um. Der Moto3-WM-Rookie war in allen Trainings schnell und qualifizierte sich 13. für die fünfte Startreihe. Im Rennen bog der schnelle Bayer nach glänzendem Start als Zwölfter in die erste Kurve ein und übernahm schon in der dritten Runde den neunten Rang, den er bis ins Ziel verteidigte.

Doch es kam noch besser. Gleich beim nächsten Grand Prix in Aragón liess Öttl am ersten Trainingstag mit Rang 7 aufhorchen. Er steigerte sich in der Qualifikation am Samstag um mehr als eine Sekunde und preschte als Vierter in die zweite Startreihe.

Im Rennen traute die Interwetten-Box ihren Augen nicht, als Öttl im Rennen wie selbstverständlich mit den spanischen Überfliegern Alex Rins, Maverick Viñales und Alex Márquez um die Wette fuhr. Mehrere Runden hielt er mit den Topstars mit und drehte dabei sogar die schnellste Rennrunde, bevor sich das Spitzentrio zentimeterweise absetzte.

In der zweiten Rennhälfte wehrte sich Öttl lange gegen WM-Leader Luis Salom und Mahindra-Werkspiloten Miguel Oliveira. Hartnäckig kämpfte Phil um den vierten oder fünften Platz mit, den er im Finale nur wegen eines kleinen Fehlers bei einer Attacke auf Oliveira verpasste. «Gigantisch», entfuhr es Peter Öttl, Philipps Manager und Data Recording-Spezialist des Teams, nach dem grossartigen sechsten Platz.

Doch der Erfolg hatte sich angebahnt. Dank schnellerer Rundenzeiten am Freitag und Samstag gelang es Cheftechniker Stefan Kirsch, fürs Rennen die optimale Abstimmung auszutüfteln, statt die Federung Schritt für Schritt an den besser werdenden Speed des Fahrers anpassen zu müssen.

«Stefan Kirsch ist ein extrem erfahrener Mann, die Zusammenarbeit funktioniert perfekt, und das bereits in der vierten Saison. Stefan hat einen ganz großen Anteil am Erfolg, denn gemeinsam mit Hersteller Kalex trifft er bei der Abstimmung die richtigen Entscheidungen», hält Peter Öttl. «Unser Motorrad ist zudem verdammt schnell, wir waren bei zwölf Grand Prix sechsmal an der Spitze der Top-Speed-Wertung. Getriebeabstimmung, Motor-Mapping, Aerodynamik und wie Philipp auf dem Motorrad sitzt – das alles zusammen macht ihn unheimlich schnell. Sagenhaft ist auch, dass Philipp in allen Tests, Trainings und Rennen 2013 nur einen Sturz hatte, und zwar nur einen kleinen Ausrutscher im Regen von Assen. Das ist phänomenal und beweist, dass er noch Reserven hat und wie viel Potenzial in ihm steckt.»

Öttls fuhr bei fünf der letzten sechs Rennen in die Punkteränge. Nur beim Australien-GP musste er einen Ausfall hinnehmen: Ein Defekt im Zündsystem legte seine Kalex-KTM in der Startaufstellung lahm.

Durch Öttls ansteigende Leistungskurve wird auch die Zusammenarbeit mit Chassis-Hersteller Kalex immer enger. «Wenn der Fahrer im Training, beim Testen und im Rennen schnell ist, gibt er auch die Entwicklung vor. Philipp konnte im letzten Saisondrittel seinen Teil zur Entwicklung und zur Abstimmung beitragen. Das wird in Zukunft immer wichtiger, man wird mehr auf ihn hören», so Peter Öttl weiter. «Philipp wird immer mehr Input geben können. Das hilft natürlich nicht nur uns, sondern auch Kalex bei der Weiterentwicklung der Maschine.»

Philipp Öttl: «Muss mich fahrerisch verbessern»

Philipp Öttl teilt diesen Optimismus. «Beim Saisonfinale in Valencia haben wir mit Rang 9 unser viertes Top Ten-Resultat in diesem Jahr erzielt und die Saison gut abgeschlossen. Wir haben uns übers Jahr hinweg kontinuierlich gesteigert und zum Schluss geschafft, was wir uns vorgenommen hatten, nämlich konstant in die Punkte zu fahren. Das ist sehr positiv. Ich hoffe, dass wir nächstes Jahr so weitermachen können», erklärt Philipp Öttl. «Ich möchte mich weiter verbessern, wobei der Schwerpunkt eher im fahrerischen als im mechanischen Bereich liegen wird. Wir werden auch 2014 wieder ein konkurrenzfähiges Motorrad haben. Doch ich muss etwas präziser fahren und mir genauere Anhaltspunkte an der Strecke suchen. Daran fehlt es noch.»

Öttl kassierte im letzten Saisondrittel pro Rennen durchschnittlich 5,5 Punkte. Hätte er diese Ausbeute über das ganze Jahr erreicht, wäre der achte WM-Rang in Reichweitete gelegen. Deshalb ist das Ziel für 2014 klar: Philipp Öttl will in der WM-Gesamtwertung unter die ersten zehn vorstoßen. «Dieses Ziel ist realistisch, denn wir haben wirklich ein superstarkes Team», meinte er. «Dass Interwetten als Hauptsponsor dabei ist, rundet unser Paket fantastisch ab. So gut aufgestellt zu sein, wird unser Vorteil sein!»

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