Formel 1

Kimi Räikkönen out: Ist Charles Leclerc Ferrari-reif?

Von - 11.09.2018 12:03

Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Das Fahrerduo 2019 von Ferrari heisst Sebastian Vettel und Charles Leclerc. Erstmals seit Felipe Massa 2006 gibt Ferrari wieder einem jungen Piloten eine Chance.

Endlich ist es offiziell: Ferrari tritt in der Formel-1-WM 2019 mit dem Deutschen Sebastian Vettel und dem Monegassen Charles Leclerc an. Der berühmteste Rennstall der Welt ging mit Worten sparsam um: «Die Scuderia Ferrari verkündet, dass Charles Leclerc in der kommenden Formel-1-Rennsaison an der Seite von Sebstian Vettel fahren wird.» Das war alles. Der langjährige Ferrari-Fahrer Kimi Räikkönen ist zu Sauber abgeschoben worden. Der Finne wird seine Saison Ende 2020 dort beschliessen, wo er sie im Jahre 2001 oder vor 285 Starts begonnen hat – beim Schweizer Rennstall, der von Peter Sauber gegründet worden war.

Der Platzwechsel zwischen Leclerc und Räikkönen bedeutet: Ferrari setzt erstmals nach dreizehn Jahren wieder auf einen jüngeren Piloten. 2006 wurde Felipe Massa, damals 25, an die Seite von Michael Schumacher geholt. Zuvor und danach setzte Ferrari stets auf Piloten mit Erfahrung. Leclerc ist zarte 20 Jahre alt.

Ferrari-Vorstandschef John Elkann entspricht dem Wunsch des Ende Juli verstorbene Ferrari-Präsidenten Sergio Marchionne. Der Fiat-Sanierer wünschte im Rennstall frisches Blut, Teamchef Maurizio Arrivabene dagegen setzte eher auf Kontinuität und wollte mit Vettel/Räikkönen weitermachen. John Elkann hat entschieden: Es wird gemacht, was Marchionne wollte.

Charles Leclerc ist seit 2016 Mitglied der Fahrer-Akademie von Ferrari. Er soll für einen Zweijahresvertrag 2019 und 2020 insgesamt fünf Millionen Euro erhalten.

Sebastian Vettel sagte, auf den vielversprechenden Charles Leclerc angesprochen: «Der ganze Rummel um Charles ist komplett berechtigt. Ich meine, schaut euch seine Resultate an! Wie er in die Formel 1 gekommen ist, wie er sich bislang schlägt. Jedem muss klar sein, welch fabelhafte Zukunft Leclerc hat. Er macht alles richtig. Wenn ich ihm einen Rat geben soll – sich vom ganzen Tamtam nicht kirremachen lassen, sondern einfach jenen Weg weitergehen, auf dem er bislang so erfolgreich marschiert.»

Natürlich gibt es Fragezeichen, wie das Ausnahmetalent Leclerc mit dem Druck umgehen wird, Ferrari-Fahrer zu sein. Allerdings: Wer einem Fernando Alonso in Barcelona rundenlang Paroli bietet, ohne sich im Geringsten beirren zu lassen, der dürfte auch bei Ferrari kühlen Kopf bewahren.

Sky-TV-Expert Martin Brundle sagt über Leclerc: «Der Monegasse ist aus dem richtigen Holz geschnitzt. Er fährt über den Möglichkeiten seines Sauber-Renners, so wie das früher Senna im Toleman tat oder Alonso im Minardi. Es hat mich tief beeindruckt, wie unberührt Leclerc in Spanien war, mit Alonso im Nacken. Er hat eine grosse Zukunft in diesem Sport, auch wenn er nicht unbedingt wie ein Racer aussieht, eher wie ein verwunderter Harry Potter.»

Leclerc eroberte 2016 auf Anhieb den GP3-Titel, 2017 gewann er im ersten Anlauf die Formel-2-Meisterschaft. Das brachte ihn 2018 zu Sauber.

Sauber-Teamchef Fred Vasseur: «Es war für uns eine Freude, Charles in seinem ersten Jahr in der Formel 1 zu unterstützen. Seit seiner Ankunft hat er dem Team viel Motivation gegeben. Wir kennen das Talent von Charles gut und sind überzeugt, dass er eine tolle Zukunft vor sich hat.»

Leclerc twittert: «Träume werden wahr. Ich fahre 2019 für Ferrari. Ich werde Ferrari für diese Chance ewig dankbar sein.»

Fred Vasseur ist überzeugt davon, dass Charles seinen Weg machen wird: «Wieso wird ein Rennfahrer herausragend? Es geht alles um das gottgegebene Talent, dann aber darum, was du daraus machst und wie du an deine Aufgaben herangehst. Ich kann mich an ein bestimmtes Rennen in der GP3 erinnern, da war er nachher sehr aufgebracht. Das Ergebnis war prima, er hatte eben gewonnen, die meisten anderen Fahrer wären mit sich selber sehr zufrieden gewesen. Nicht so Charles. Er sagte: "Heute bin ich nicht gut gefahren." Das habe ich nur mit einem anderen Piloten erlebt in meiner Karriere, mit Lewis Hamilton.»

Der härteste Kritiker von Charles Leclerc heisst Charles Leclerc. Vasseur: «Die grössten Piloten muss keiner antreiben, die verlangen von sich selber am meisten. Schau dir Vettel an oder Hamilton oder Alonso. Charles teilt mit ihnen ein scharfes Auge für Details. Und selbst wenn er auf der Strecke mächtig Ellbogen ausfahren kann, so ist er doch ruhig und gesammelt abseits der Piste. Er ist sehr kontruktiv, seine Arbeit ist immer lösungsorientiert.»

Wird Charles Leclerc bei Ferrari Fehler machen? Klar wird er das. Aber der 20-Jährige ist mental weiter als es sein Reisepass sagt. Ferrari zeigt Mut. Vieles deutet darauf hin, dass dieser Mut belohnt wird.

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