Formel 1

Neuer Hamilton oder Vettel: Mühseliges Hamstern

Von - 25.01.2019 13:42

​SPEEDWEEKipedia: Leser fragen, wir finden die Antwort. Heute: Der Formel-1-Führerschein namens Superlizenz erfordert eine gewisse Mindestpunktzahl aus Nachwuchsserien. Aber wie geht das genau?

In loser Reihenfolge gehen wir in Form von «SPEEDWEEKipedia» auf Fragen unserer Leser ein. Dieses Mal will Peter-Paul Schneyder aus Kiel wissen: «Ihr habt geschrieben, dass Mick Schumacher schon 2019 Formel 1 fahren könnte – dank seiner Punkte aus den Formeln 3 und 4. Aber wie geht das genau? Welche Einsitzer-Serien werden vom Autoverband akzeptiert, damit junge Fahrer Punkte für den F1-Führerschein sammeln können?»

In den 70er Jahren wurde das mit dem Formel-1-Fahren noch nicht so eng gesehen: Ricardo Londono stammte aus Medellin, der Hochburg des Kokainhandels. In jungen Jahren war er ein guter Motorrad- und Autorennfahrer mit einer stattlichen Siegerpokalsammlung. Bei Rennen in den USA (CanAm, IMSA) entpuppte er sich Ende der 70er Jahre nicht eben als der nächste Mario Andretti, aber komplett blamiert hat er sich auch nicht. Das kam erst, als er in einem Anfall von Grössenwahn glaubte, er könne zu einem GP-Wochenende antreten. Er wurde aus heiterem Himmel von Ensign-Teamchef Mo Nunn angeheuert, den Brasilien-GP 1981 zu bestreiten. Londono hatte zuvor einen Lotus 78 bei der nationalen britischen Aurora-Meisterschaft in Silverstone pilotiert (einmal und ohne Erfolg). Wenn wir heute nach dem nächsten Hamilton oder Vettel suchen, dann müssen die jungen Fahrer Qualifikationspunkte für die so genannte Superlizenz vorweisen, den Formel-1-Führerschein. Die meisten Fahrer sind auf mühseliges Hamstern angewiesen, nur Spitzenpositionen bringen üppig Punkte. Bei Londono reichte ein Aktenkoffer mit Bargeld zweifelhafter Herkunft.

Das Punktesystem wurde nach der Saison 2015 eingeführt, als Max Verstappen schon mit 17 Jahren Grands Prix fuhr. Die FIA schrieb wegen des Niederländers ein Mindestalter von 18 Jahren vor, dazu müssen sich junge Piloten in Nachwuchsserien bewähren, und zwar in zwei Meisterschaften, von welchen mindestens 80 Prozent absolviert werden müssen. Der junge Pilot muss im Zeitraum von drei Jahren 40 Punkte für die so genannte Superlizenz erringen – den Formel-1-Führerschein. Mick Schumacher hat als Beispiel derzeit 50 Punkte vorzuweisen, 30 hat er dank seines Formel-3-EM-Titels 2018 erhalten, 20 stammen aus dem Jahre 2016, als er in zwei Formel-4-Meisterschaften jeweils Zweiter wurde (in Italien und Deutschland). Das ist heute nicht mehr möglich: Ab 2019 dürfen nur noch Punkte in einer Meisterschaft pro Kalenderjahr erkämpft werden.

Aber welche Serien zählen nun für die Lizenz, und wie viele Punkte können dort errungen werden? Die Liste ist nicht so lang. Nur in der Formel 2, bei den IndyCars, in der Formel-3-EM sowie in der Formel E gibt es Punkte bis hinunter zum Zehnten, in kleineren Serien wie etwa der Formel Mazda nur bis zum Fünften. Hier die Monoposot-Serien mit den entsprechenden Punkten für den Meister und die darauf folgenden Piloten.

Formel 2
40 – 40 – 40 – 30 – 20 – 10 – 8 – 6 – 4 – 3

IndyCar
40 – 30 – 20 – 10 – 8 – 6 – 4 – 3 – 2 – 1

Formel-3-EM
30 – 25 – 20 – 10 – 8 – 6 – 4 – 3 – 2 – 1

Formel E
30 – 25 – 20 – 10 – 8 – 6 – 4 – 3 – 2 – 1

Formel Regional European
25 – 20 – 15 – 10 – 7 – 5 – 3 – 2 – 1

Formel European Master
25 – 20 – 15 – 10 – 7 – 5 – 3 – 2 – 1

Super Formula (Japan)
25 – 20 – 15 – 10 – 7 – 5 – 3 – 2 – 1

Formel Renault Eurocup
18 – 14 – 12 – 10 – 6 – 4 – 3 – 2 – 1

FIA Formel 3 Regional Asian
18 – 14 – 12 – 10 – 6 – 4 – 3 – 2 – 1

FIA Formel 3 Regional Americas
18 – 14 – 12 – 10 – 6 – 4 – 3 – 2 – 1

Indy Lights
15 – 12 – 10 – 7 – 5 – 3 – 2 – 1

FIA Formel 4 (national)
12 – 10 – 7 – 5 – 3 – 2 – 1

Asian Winter Series
10 – 7 – 5 – 3 – 1

Formel 3 (national)
10 – 7 – 5 – 3 – 1

Formel Renault 2.0
10 – 7 – 5 – 3 – 1

Formel Mazda
10 – 7 – 5 – 3 – 1

Toyota Racing Series (Neuseeland)
7 – 5 – 3 – 2 – 1

Allerdings können auch über die Einsitzer hinaus Punkte gesammelt werden für die Superlizenz, etwa in der Sportwagen-WM oder der IMSA-Serie, in der DTM, der Super GT (Japan), in der Tourenwagen-WM oder im NASCAR-Sport, ja selbst im Go-Kart. Die meisten Formel-1-Piloten klettern die Erfolgsleiter jedoch über den klassischen Weg im Einsitzer hoch.

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