MotoGP

Hervé Poncharal: Was war mit Zarco los?

Von - 11.10.2018 10:54

Johann Zarco fand beim Thailand-GP endlich aus seinem Formtief heraus. Tech3-Teambesitzer Hervé Poncharal ist erleichtert – aus vielerlei Gründen.

Nach 20 Jahren wechselt das französische Tech3-Team von Hervé Poncharal nach dieser MotoGP-Saison von Yamaha auf KTM. Tech3 wird 2019 mit Miguel Oliveira und Hafizh Syahrin aufmarschieren. In der Klasse Moto2 steigt Tech3 von den Eigenbau-Maschinen auf KTM-Motorräder um – mit den Piloten Marco Bezzecchi (19) und Philipp Öttl (22). Red Bull wird in beiden Klassen als Hauptsponsor auftreten, Tech3 bildet in beiden Kategorien das Red Bull KTM-Junior-Team – und wird im Design der Scuderia Toro Rosso in der Formel 1 auftreten.

Johann Zarco (27) hat am Sonntag beim Thailand-GP erstmals seit Jerez (dort war er Zweiter) im Mai wieder mit einem Top-5-Platz geglänzt und in 26 Runden nur 2,7 Sekunden auf Sieger Marc Márquez verloren.

Warum steckte Zarco zehn Grand Prix lang im Tief? Warum kam er nach dem Crash in Le Mans bestenfalls auf Platz 7 (in Catalunya und Brünn) ins Ziel? Warum ist er vom zweiten auf den achten WM-Rang zurückgefallen?

SPEEDWEEK.com hat sich mit Tech3-Yamaha-Teambesitzer Hervé Poncharal unterhalten.

Hervé, warum hat Johann Zarco eine so lange Durstrecke durchgemacht. Jetzt wundern sich alle, warum er plötzlich wieder so stark gefahren ist. Hast du eine Erklärung?
Hm… Wenn ich ehrlich bin – nein.

Aber wenn du dir die Saison von Johann vom Vorjahr anschaust, ist sie weitgehend ähnlich verlaufen. Auch 2017 hat er sich nach dem Le-Mans-GP nicht mehr leichtgetan. Er ist erst in Japan stark zurückgekommen – mit der Pole-Position in Motegi.

Auch in Australien war er dann stark, er wurde Vierter. In Malaysia ist er aufs Podest gefahren – mit Platz 3. In Valencia ist er 2017 Zweiter im Rennen geworden.

Der Saisonbeginn 2017 war also gut, das Ende auch. In der Mitte gab es eine Schwächephase. In diesem Jahr war es nicht anders.
Aber seien wir ehrlich: In diesem Jahr haben oft alle vier Yamaha Mühe gehabt, zum Beispiel in Misano und in Aragón.

Und dieselben vier Yamaha inklusive Syahrin sind in Buriram viel schneller gewesen…

Buuh. Sicher waran den mittelmäßigen Resultaten seit Jerez bei Johann Zarco teilweise auch der Fahrer verantwortlich. Aber ein Teil liegt auch am Motorrad.

Vermutlich haben Valentino und Maverick im Laufe der Saison neue Entwicklungsteile erhalten. Davon muss man ausgehen. Sie haben neue Teile bekommen, sie haben auch in Buriram neue Komponenten getestet.

Wir haben bei Tech3 überhaupt nichts Neues erhalten. Unser Motorrad ist immer noch identisch mit dem, das wir in Katar bei Saisonstart eingesetzt haben.

Trotzdem hat sich Johann in Thailand viel leichter getan als bei den Rennen zuvor.

Klar, wir haben eine schlechte Phase durchgemacht. Aber wenn das Bike und die Reifen harmonieren und gut zur Rennstrecke passen, ist Zarco stark. Dann kommt er zurück. Er ist in Buriram ein eindrucksvolles Rennen gefahren. Er ist nur 1,1 Sekunden hinter Valentino ins Ziel gekommen. Das ist nicht übel, wenn man bedenkt, dass er ein zwei Jahres altes Motorrad fährt.

Johann Zarco hatte nach dem Jerez-GP in diesem Jahr insgesamt vier zweite und einen dritten MotoGP-Rang auf seinem Konto. In Le Mans stand er wieder auf der Pole-Position. Dann hat er sich unter Druck gesetzt – er wollte endlich einen Sieg. Um jeden Preis? In Mugello begann die Schwächephase.

Ich weiß; ich weiß. Aber schau’ dir 2017 an – es war ähnlich. Es lief fast genauso. Obwohl er damals in Le Mans nicht gestürzt ist, sondern Platz 2 geholt hat. Ehrlich gesagt: Wir rätseln immer noch über die Ursachen.

In der zweiten Moto2-Saison 2016 bei Aki Ajo hatte Zarco auch eine sommerliche Schwächeperiode.

Richtig. Ja, ja.

2017 gab es Rennen, da war das Tech3-Team mit Zarco und Folger stärker als das Movistar-Werksteam. Du hast beim Barcelona-GP 2017 gesagt: Heute waren meine Fahrer einfach besser als Rossi und Viñales.

Ja, ich erinnere mich.

Und dann war Zarco 2018 beim Buriram-Test Zweiter, in Katar beim Test Schnellster. Und dann seit Juni dieser Rückfall…

Ja, ja, ich wundere ich genauso darüber wie du. Wir haben im Team selbst keine Erklärungen dazu. Manchmal ist das so im Rennsport.

Dafür waren wir in Buriram wirklich happy. Denn Johann hat schon   im ersten Training wieder ein gutes Gefühl gefunden. Sein Verhalten dem Team gegenüber war viel positiver.

Er hat mir vor dem Rennen gesagt: «Ich werde mit der Spitzengruppe mitkämpfen. Ich habe ein gutes Gefühl.»

Für mich ist wichtig: Johann hat gezeigt, dass er seine Fähigkeiten nicht verloren hat. Das ist gut, besonders auch im Hinblick auf seine KTM-Zukunft. Er hat eine Herausforderung vor sich, die sehr bald beginnen wird.

Es ist auch erfreulich, dass er mental wieder in so starker Verfassung ist, denn jetzt kommen gleich noch drei weitere Übersee-Rennen. Japan, Australien, Malaysia.

Er mag diese drei Pisten sehr.

Ich bin zwar nicht so sicher, ob sein Motorrad so konkurrenzfähig sein wird wie in Buriram, besonders im Vergleich zu den Werks-Ducati. Denn in Motegi und in Sepang brauchst du eine gute Beschleunigung und Top-Speed, das sind nicht unsere Stärken.

Australien könnte ein bisschen einfacher sein. Denn Phillip Island ist mehr ein Chassis- und Fahrer-Circuit als eine pure Motoren-Strecke.

Aber nach dem fünften Platz in Thailand bin ich recht happy. Denn nach Aragón fehlten unser einige Erklärungen, obwohl du immer Vertrauen zu deinen Piloten hast.

Wir sind rational denkende Menschen. Wir wollen ergründen, warum wir Erfolg haben oder warum wir schwache Leistungen erzielen. Und in unserem Sport gibt es manchmal keine brauchbaren Erklärungen. Warum war Zarco in Buriram schnell? Warum kam er in Aragón nur als 14. ins Ziel und in Misano nur als Zehnter?

Valentino und Maverick ging es genauso.

Zarco war im Februar beim Buriram-Test Zweiter mit 1:29,867 min. Jetzt war er Quali-Achter mit 1:30,477 min. Vielleicht hat ihm die Erinnerung an das Testergebnis Zuversicht gegeben?

Ja, aber es gab beim Grand Prix komplett andere Reifen. Außerdem haben die anderen Motorräder erhebliche Fortschritte erzielt, besonders Ducati.

Marc Márquez fuhr beim Grand Prix nur 0,119 sec langsamer als beim Test, Zarco fuhr 0,610 sec langsamer.

Ja, denn seit dem Test im Februar und dem Rennen im Oktober hat sich bei den anderen Bikes viel verändert. Johann wusste das. Er war sich bewusst, dass er mehr Mühe haben würde als im Februar.

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Johann Zarco nach seinem zweiten Platz in Jerez © Gold & Goose Johann Zarco nach seinem zweiten Platz in Jerez Hervé Poncharal © Gold & Goose Hervé Poncharal
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