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Superbike-WM

Red Bull Honda: Radikale Entscheidungen sind nötig

Von - 21.06.2017 08:12

Nach den ersten sieben Superbike-WM-Meetings 2017 lässt sich nichts mehr beschönigen: Red Bull Honda erlebt eine Blamage, die ihresgleichen sucht. Der weltgrößte Motorradhersteller wird regelrecht vorgeführt.

Wochenlang musste die Ausrede herhalten, das Material sei erst am 6. Januar 2017 beim Ten-Kate-Team in den Niederlanden eingetroffen, sechs Wochen später fand bereits das erste Rennen statt.

Heute taugen diese Ausreden nicht mehr, denn Honda hat mit der neuen Fireblade in bald sechs Monaten keinen Fortschritt erzielt.

In Misano stotterte das Gefährt den halben Freitag, am Samstagfrüh wieder, die Kiste schaltete sich in ein Notprogramm, in der neunten Kurve des ersten Rennens am Samstag in Runde 1 neuerlich.

Da muss sich auch ein Technical Manager Pieter Breddels die Frage stellen, wie ratlos und verzweifelt man sein muss, wenn man mit einer neuen Elektronik-Strategie in ein Rennen geht, die viele Frage offen lässt und offenbar nur auf der Geraden funktioniert.

Mit dem bisherigen Elektronik-Set-up wäre angesichts der vielen Ausfälle zumindest ein Platz zwischen 7 und 10 machbar gewesen.

Die Verantwortlichen bei Honda Motor Europe müssen sich spätestens jetzt mit der Frage beschäftigen, ob Cosworth der richtige Partner fürs Motoren-Tuning und die Elektronik ist.

Kawasaki, Ducati, Yamaha und MV Agusta vertrauen auf Magneti-Marelli-Elektronik, Honda in Japan beim Langstrecken-Motorrad für das «Suzuka Eight Hours» ebenfalls.

Selbst in der IDM Superbike vertraut das Holzhauer-Honda-Team auf Magneti-Marelli. Teamchef Jens Holzhauer wundert sich, warum in der WM auf Cosworth gesetzt wird. «Ich würde Stefan gerne mal unser Motorrad probieren lassen», sagt er selbstsicher.

Honda Motor Europe hat die Saison 2017 vermurkst

2018 wird in der Superbike-WM eine Einheits-Elektronik von Magneti-Marelli vorgeschrieben. Warum also noch warten auf ein Cosworth-Wunder? Warum nicht lieber den Rest der Saison ab dem deutschen WM-Lauf im August als Vorbereitung für 2018 betrachten, wenn die Karten durch das neue Reglement neu gemischt werden?

Warum nicht neue Motoren ohne Cosworth-Tuning aufbauen, selbst wenn Stefan Bradl dann vielleicht zweimal aus der Boxengasse starten muss, weil er das erlaubte 7-Motoren-Kontingent überstrapaziert hat? Hoffnungsloser als in Misano (21. Platz nach Runde 1 am Samstag) kann Honda sowieso nicht abschneiden.

Nach der Saison 2016 war das neue Red Bull Honda-Team mit hohen Erwartungen in die Superbike-WM-Saison 2017 eingestiegen. Denn Michael van der Mark und Nicky Hayden haben die WM im Vorjahr mit den Rängen 4 und 5 abgeschlossen, mit einer Honda Fireblade, die im Grunde acht Jahre alt war.

Für 2017 wurde die neue Honda CBR1000RR Fireblade präsentiert, für die Superbike-WM wurde das SP2-Modell homologiert. Es soll 18 kg weniger Gewicht auf die Waage bringen und sollte in der zweiten Saisonhälfte nach einigen Motor-Updates 15 bis 20 PS mehr leisten als das Vorgängermodell.

Mit Red Bull als neuem Sponsor und der neuen Fahrerpaarung Nicky Hayden/Stefan Bradl schien einer erfolgreichen Saison nichts im Wege zu stehen.

Doch die britische Tuningfirma Cosworth hat bei der Präparation der SBK-Rennversion offenbar einen schwerwiegenden Fehler begangen – und das Triebwerk nur auf Spitzenleistung getrimmt. Die Fahrbarkeit lässt seit dem ersten Test und seit dem ersten Rennen Ende Februar in Australien arg zu wünschen übrig.

Deshalb werden die Hinterreifen im Eilzugtempo verheizt, Hayden und Bradl fielen in den letzten Rennrunden oft zurück, sie fuhren dann mitunter 2,5 sec langsamer als die Spitze.

Die beiden Ex-Weltmeister prangerten pausenlos die mangelnde Fahrbarkeit und die giftige Kraftentfaltung der neuen Fireblade an, das Motoren-Update von der Version 17 zu 17.1 wurde mehrmals verschoben – und erwies sich schließlich als Flop.

Nach dem Freitag-Training in Donington klagte Stefan Bradl im Mai: «Wir sind gegenüber Februar keinen Millimeter weiter gekommen.»

Unzulänglichkeiten bei Cosworth

Inzwischen herrscht im Honda-Team weitgehend Gewissheit darüber, dass Cosworth mechanische Unzulänglichkeiten installiert hat, und dass sich die immensen Probleme mit dem jämmerlichen Drehmoment nicht über die Elektronik ausgleichen lassen.

Cosworth hat vor einigen Jahren die britische Elektronik-Firma «PI» gekauft, die durchaus ihre Qualitäten hat. Es gab ja bei Honda auch 2016 an der Motorsteuerung nichts auszusetzen.

Wie es jetzt bei Red Bull Honda nach dem Misano-Rennen technisch weitergeht, lässt sich noch nicht beurteilen.

Stefan Bradl, 2013 beim Laguna-Seca-MotoGP-Rennen in allen freien Trainings, im Quali und im Warm-up auf Platz 1, dann im Rennen während 21 von 30 Runden Erster und im Ziel Zweiter hinter Marc Márquez, hatte sich im Winter für den Event in Kalifornien große Hoffnungen gemacht.

Sie sind inzwischen der Ratlosigkeit gewichen.

Aber Bradl ist gespannt auf die werksunterstützte Honda Fireblade, mit der er am 30. Juli mit Domi Aegerter und Joshua Hook das Acht-Stunden-Rennen in Suzuka bestreiten wird. Es ist nämlich mit einer Magneti-Marelli-Elektronik ausgestattet, wie sie in der SBK auch von Kawasaki, Ducati, Yamaha und MV Agusta verwendet wird.

Außerdem ist das 8h-Motorrad von HRC und der R&D-Abteilung von Honda entwickelt und getunt worden. Takuma Takahashi hat mit der japanischen Fireblade 2017 schon zwei Rennen zur All Japan Superbike-Meisterschaft gewonnen. Er fährt in Suzuka eine Sekunde schneller als im Vorjahr.

Obwohl das Red Bull Honda-Team die erste Saisonhälfte 2017 gründlich verhaut hat und mit den aktuellen Resultaten auch schwerlich ein zweiter Topfahrer für 2018 zu finden ist, wird der nötige Umsturz in der Sommerpause kaum passieren.

Stefan Bradl ist gespannt, welchen Eindruck das 8h-Paket beim ersten Test Mitte Juli macht. Und hofft trotz des bisherigen Zögerns der SBK-Teamleitung, dass die Japaner nach dem Suzuka-8h-Event beim SBK-Team Entwicklungshilfe leisten, denn es geht immerhin um den weltweiten Ruf der neuen Fireblade. Die Japaner können sich nicht ewig hinter Honda Motor Europe verstecken, es geht um die Marke, deren Ruf in der Formel 1 schon ausreichend beschädigt wird, weil sich die japanische Gigant dort seit drei Jahren der Lächerlichkeit preisgibt.

«Ja, wir müssen bei Honda mehr auf unser Image achten», ist HRC-Manager Tomonori Sato bewusst, der Bradl schon bei LCR-Honda betreut hat und ihm jetzt auch beim Langstrecken-WM-Lauf in Suzuka zu Seite stehen wird.

Honda wird in der Superbike-WM auf Magneti-Marelli-Elektronik umsteigen. Spätestens 2018.

Und da die Saison 2017 sowie hoffnungslos vermurkst ist, würde Stefan Bradl mit dieser Motorsteuerung am liebsten schon am 19./20. August auf dem Lausitzring im Kreis fahren – und die Entwicklung für 2018 vorantreiben.

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Stefan Bradl ist der Elektronik und den Computern ausgeliefert © Honda Stefan Bradl ist der Elektronik und den Computern ausgeliefert
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