Superbike-WM

Alex Hofmann: «Da fallen dir die Augen aus dem Kopf»

Von - 06.03.2019 17:57

«So wie Marc Marquez in der MotoGP-Klasse nicht mehr viele Schwächen hat, ist das bei Jonathan Rea in der Superbike-WM», analysierte ServusTV-Experte Alex Hofmann für SPEEDWEEK.com.

«Ich beobachte die Superbike-WM nur noch vor dem Fernseher», sagt Alex Hofmann, der nach seiner MotoGP-Karriere als Testfahrer für Aprilia tätig war und später als Experte für ServusTV teilweise die seriennahe Weltmeisterschaft moderierte. Dieses Jahr konzentriert sich der 38-Jährige ganz auf seine Aufgaben bei ServusTV in der MotoGP-WM.

Seit 2009 ist Jonathan Rea Vollzeit in der Superbike-WM unterwegs, die letzten zehn Jahre wurde der Nordire mit vier WM-Titeln in Folge, 71 Siegen und 136 Podestplätzen zum erfolgreichsten Fahrer der seit 1988 existierenden Meisterschaft.

Auch wenn sich Rea beim Saisonstart in Südaustralien in allen drei Rennen Ducati-Werksfahrer Alvaro Bautista beugen musste, bleibt er mit seiner Kawasaki ZX-10RR der Favorit für dieses Jahr.

«Jonathan Rea ist ein Ausnahmetalent», hielt Hofmann im Gespräch mit SPEEDWEEK.com fest. «Wir werden aber nie wissen, wie viel Ausnahme – weil er sich für diese Kategorie entschieden hat. Es gibt Rennfahrer, die würden nach drei oder vier Titeln in der Superbike-WM sterben und meinen, dass sie unbedingt in die MotoGP-WM müssen, um es sich dort zu beweisen. Und es gibt welche, die ganz intelligent für sich herausgefunden haben, dass sie sich in der Superbike-WM wohlfühlen und es für sie dort passt. Dort wissen sie was sie haben, kennen die Rennstrecken, haben es im Griff und kommen gesund zu ihrer Familie nach Hause. Und Rea hat das Werksteam im Rücken, das am meisten in diese Klasse investiert.»

Der gebürtige Süddeutsche weiter: «Die Superbike-WM ist sein Ding, dort konnte er sich mit seinem extremen Talent eine super Truppe aufbauen. Jetzt kommen die Erfahrung, Gelassenheit und die ganzen Titel dazu, das macht es tendenziell leichter. Ob man es will oder nicht, es wird so weitergehen. Johnny hat sich so eingeschossen auf das Bike, die Rennstrecken, die Reifen, diese Klasse. Das ist beängstigend für den Rest der Welt, aber er musste diese Entscheidung treffen. Ist er glücklich in der Superbike-WM oder will er die ganz große Krone? Er ist damit zufrieden und glücklich.»

Was macht er auf dem Motorrad anders oder besser als der Rest? «Der Teufel steckt immer im Detail», weiß Hofmann. «Seine extreme Ruhe und sein sanfter Fahrstil, den die Reifen von Pirelli verlangen, helfen ihm. Das Limit ist mit diesen Reifen schwammig, wenn du zu viel auf dem Motorrad herumhampelst, dann spürst du es nicht. Er hat für sich einen Stil und eine Motorradabstimmung entwickelt, die ihm permanent die Möglichkeit geben, das Limit dieses Pakets herauszufiltern. Auf einem Superbike ist alles weniger scharf, weniger deutlich, als auf einem MotoGP-Bike. Er hat sich aber alles so zusammengestellt, dass er genau weiß, wo das Limit ist. Das hat er besser hingekriegt als alle anderen. Das sieht man auch bei den Fahraufnahmen und in seiner Linienwahl. Als ich früher für Aprilia in Portimao getestet habe, da waren Linien von Rea dabei, da fallen dir die Augen aus dem Kopf. Weil er ein extremes Fahrtalent ist und es dir selbst eben nicht leicht fällt, das mal eben so umzusetzen. So wie Marc Marquez in der MotoGP-Klasse nicht mehr viele Schwächen hat, ist das bei Johnny Rea in der Superbike-WM. Konstanz und Speed – er ist überall nahe 100 Prozent. Das macht ihn so dominant.»

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