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Zwischen Pommes, Poncho und BMW-Jubel: Mein erstes EWC-Wochenende in Spa

Eine Weltmeisterschaft mit Ecken und Kanten: Mein erster Besuch bei der Langstrecken-WM (EWC) in Spa war stellenweise chaotisch, sehr authentisch und wirklich faszinierend.

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Liebe Freunde des Motorradsports! Es gibt Rennstrecken, die beeindrucken einen auf Fotos. Und es gibt Spa-Francorchamps. Mein erstes Wochenende bei der Langstrecken-WM begann mit einem Gefühl, das wahrscheinlich jeder Motorsportfan kennt: Ehrfurcht. Als ich am Donnerstagvormittag vom Parkplatz ins Fahrerlager ging, sah ich zum erstem Mal die Passage Eau Rouge/Raidillon.

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Man kennt die Bilder seit Jahrzehnten, hat diese ikonische Kurvenpassage unzählige Male im Fernsehen gesehen. Doch erst wenn man dort steht, versteht man wirklich, warum dieser Ort einen beinahe mythischen Ruf genießt. Verdammt, das ist steil!

Nach dem spektakulären Saisonauftakt in Le Mans hatte ich mich auf meinen ersten Besuch eines EWC-Rennwochenendes gefreut. Gleichzeitig war ich neugierig, wie sich die Langstrecken-WM vor Ort anfühlt. Schließlich verbringe ich die meiste Zeit meines Arbeitslebens im Fahrerlager der Superbike-WM.

Der erste Eindruck? Positiv.

Spa ist eine fantastische Anlage. Muss sie auch sein, schließlich erfüllt sie die Anforderungen der Formel 1. Doch schon am Donnerstag wurde klar, dass die EWC ein wenig anders tickt. An diesem Tag stand nämlich ein privater Test auf dem Programm. Oder anders formuliert: Die Langstrecken-WM hatte mehr oder weniger einen Trackday gebucht.

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Offiziell war das kein Bestandteil der Veranstaltung, sondern eine separate Testmöglichkeit. Das Ganze wirkte etwas improvisiert. Wir reden hier schließlich von einer FIM-Weltmeisterschaft. Andererseits passte dieser Eindruck auch irgendwie zum Charme der Serie.

Die EWC wirkt ursprünglicher. Weniger Hochglanz, weniger Konzernwelt, dafür mehr Motorsport zum Anfassen. Die Atmosphäre ist entspannt. Die Beteiligten wirken zugänglicher. Es gibt deutlich weniger Menschen, die mit ernster Miene durchs Fahrerlager laufen und dabei vor allem beschäftigt aussehen wollen.

Den Donnerstag nutzte ich deshalb vor allem für Gespräche. Viele Menschen, mit denen ich in den vergangenen Monaten regelmäßig telefoniert oder über WhatsApp geschrieben hatte, lernte ich erstmals persönlich kennen. Das ist einer der schönen Aspekte dieses Jobs: Irgendwann bekommen die Telefonnummern ein Gesicht.

Apropos Gesichter. Im EWC-Fahrerlager hört man vor allem eine Sprache: Französisch.

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Natürlich wusste ich, dass die Serie einen starken Frankreich-Fokus hat. Zwei der vier Rennen finden dort statt, viele Teams stammen aus Frankreich, viele Fahrer ebenfalls. Doch dass einige Beteiligte praktisch kein Englisch sprechen, muss man so hinnehmen.

Ein Traum von einer Rennstrecke

Am Abend zog es mich dann auf die Strecke. Nach Feierabend schnürte ich die Laufschuhe und machte einen Lauf über die kompletten 6,985 Kilometer. Das Ergebnis: Mein Respekt vor den Fahrern ist nochmals gewachsen. Der erste Sektor fühlt sich an, als hätte jemand beschlossen, eine Autobahn direkt an einer Skisprungschanze vorbeizubauen. Gleichzeitig ist der Streckenverlauf unglaublich flüssig. Kurve reiht sich an Kurve, alles wirkt natürlich und organisch.

Während ich die Höhenmeter einsammelte, entstand ein Gedanke immer stärker: Hier musst du irgendwann selbst ein paar Runden drehen.

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Dann kam das Wetter. Oder besser gesagt: die Wetter. Ich war bei sommerlichen Bedingungen in meiner Heimatstadt Dresden losgefahren und wurde in Spa unmittelbar in den April zurückversetzt. Regen. Sonne. Wind. Noch mehr Regen. Dann wieder Sonne. Anschließend Regen von vorne.

Die Belgier kennen ihr Klima offenbar sehr genau. Im offiziellen Fanshop entdeckte ich einen Regenponcho mit der Aufschrift: «Come to Spa, they said. It will be sunny, they said.» («Komm nach Spa, haben sie gesagt. Da scheint die Sonne, haben sie gesagt.») Ich hatte meine Reisevorbereitungen eher für die Kategorie «sommerlich» ausgelegt und war deshalb gezwungen, sofort zuzuschlagen.

Praktischerweise hatte ich damit auch gleich ein Mitbringsel gekauft. Wenig später folgte die nächste wichtige Erkenntnis des Wochenendes. Belgische Pommes sind tatsächlich verdammt gut. Ein Leser hatte mir eine bestimmte Bude empfohlen. Der Mann hatte recht. Ich bin zwar kein ausgewiesener Pommes-Experte, aber nach intensiver Feldforschung kann ich bestätigen: Die Belgier verstehen ihr Handwerk.

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BMW von Beginn an in bestechender Form

Am Freitag wurde es dann ernst. Die Qualifyings standen auf dem Programm. Und BMW lieferte. Im ersten Qualifying setzte das Team in allen drei Fahrergruppen die Bestzeit. Für die Mannschaft von Werner Daemen war das ein beeindruckendes Statement. Für mich persönlich war es vor allem eines: Ein kleiner Segen.

Denn dadurch musste ich mich nicht stundenlang fragen, wer eigentlich vorne liegt. Das offizielle kombinierte Ergebnis ließ nämlich auf sich warten. Sehr lange. Unangenehm lange. EWC-Veteranen erklärten mir später, das sei normal. Ich wiederum erklärte ihnen, dass ich das für eine Weltmeisterschaft ziemlich schwach finde. Das Q1-Ergebnis lag selbst zum Start des Rennens am folgenden Tag noch nicht vor. Wir leben im Jahr 2026. Während anderswo Zwischenzeiten in Echtzeit auf dem Smartphone landen, wartet man hier teilweise ewig auf offizielle Resultate. Warum die FIM diesem Thema bislang keine höhere Priorität einräumt, erschließt sich mir ehrlich gesagt nicht.

BMW sicherte sich schließlich auch die Pole-Position. Das Problem war nur: Als die Pressekonferenz bereits lief, lag noch immer kein offizielles Endergebnis vor. Immerhin wusste man anhand der eingeladenen Fahrer dann doch, welche Teams die Top-3 gebildet hatten. Das ist natürlich auch eine Form von Informationspolitik. Eine sehr kreative.

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Am Samstag sollte schließlich der große Showdown folgen. BMW hatte die Pole geholt. Die Pace war da. Das Potenzial ebenfalls. Die Frage lautete nun: Kann BMW endlich seine EWC-Pechsträhne beenden und den ersten Sieg seit langer Zeit einfahren?

Die Antwort lautete: Ja. Und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass es im EWC-Paddock niemanden gab, der BMW diesen Erfolg nicht gegönnt hat. Nach all den Rückschlägen der vergangenen Monate war der Fluch endlich gebrochen. Le Castellet, Le Mans und all die verpassten Chancen waren plötzlich Geschichte. Natürlich brauchte es in Spa auch das berühmte Quäntchen Glück. Aber genau das hatte der Mannschaft zuletzt so oft gefehlt.

Nach Rennende verschlug es mich noch in die BMW-Box. Dort sah ich einfach nur erleichterte Menschen. Mechaniker, Ingenieure und Fahrer lagen sich in den Armen. In vielen Gesichtern konnte man förmlich ablesen, welche Last in diesem Moment abfiel. Werner Daemens Truppe hatte sich diesen Sieg hart erarbeitet.

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Yamaha-Rookies ärgern die erfahrenen EWC-Teams

Mindestens genauso gefreut habe ich mich aber über eine ganz andere Geschichte. Motobox Kremer hat mich an diesem Wochenende wirklich beeindruckt. Drei junge Yamaha-Piloten – Lennox Lehmann, Dirk Geiger und Max Stauffer –, die ohne große Starallüren unterwegs sind und einige erfahrene EWC-Haudegen mächtig alt aussehen ließen. Genau solche Geschichten braucht der Motorsport.

Als ich Samstagnacht meine Sachen zusammenpackte, verließ ich Spa mit einem versöhnlichen Gefühl. Mein erstes EWC-Wochenende war aufregend, manchmal chaotisch, oft überraschend und an einigen Stellen auch ein wenig improvisiert. Ja, hier und da könnte die Serie deutlich professioneller auftreten.

Aber vielleicht liegt genau darin auch eine ihrer Stärken. Die EWC wirkt noch immer wie ein gut organisierter Trackday, bei dem zufällig die besten Langstreckenfahrer der Welt unterwegs sind. Sie ist nahbar, authentisch und voller Menschen, die den Sport wirklich leben.

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Jetzt liegt es an den Verantwortlichen, allen voran dem neuen Promoter, dieses Potenzial zu erkennen. Die Grundlage ist da: legendäre Rennstrecken, großartige Rennen und starke Geschichten. Ich jedenfalls bin mir nach diesem Wochenende sicher: Das war nicht mein letzter Besuch bei der Langstrecken-WM.

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