Wolfgang Graf Berghe von Trips: Was für ein feiner Mann ...
Er hätte der erste deutsche Formel-1-Weltmeister werden sollen, viele Jahre vor Michael Schumacher: Wolfgang Graf Berghe von Trips. Das Schicksal wollte es anders. Eine persönliche Erinnerung.
10. September 1961: Auf den Tag genau heute vor 65 Jahren kam beim Großen Preis von Italien in Monza Wolfgang Graf Berghe von Trips ums Leben – er wurde aus seinem Ferrari geschleudert, sein Genick brach bei dem Aufprall, er war sofort tot. Bis dahin war er auf dem besten Weg gewesen, Formel-1-Weltmeister zu werden.
Tiefe Trauer befiel die internationale, aber besonders die deutsche Motorsportgemeinde, hatte sie doch einen der sympathischsten, talentiertesten und schillerndsten Rennhelden ihrer Zeit verloren.
Als 13-jähriger Pimpf war ich zum ersten Mal am Nürburgring: 1000 km-Rennen 1958. Ich kannte sie alle vom Foto, meine Idole. Moss, Bonnier, von Trips, Herrmann und wie sie alle hießen. Dutzendmal hatte ich sie mir eingeprägt.
Nach einiger Zeit an einer Stelle ausgangs der Südkehre wurde mir etwas fad und ich wanderte die Gegengerade entlang Richtung Nordkehre. Ein Restaurant war dort, wenn ich mich recht entsinne, hieß es Mercedes-Haus, Publikum stand in kleineren Grüppchen herum, nichts Spannendes.
Ich wollte gerade umkehren. Da sah ich ihn – im Gespräch mit zwei, drei anderen Männern: Wolfgang Graf Berghe von Trips, höchstpersönlich. Erst traute ich meinen Augen nicht. Doch je länger ich hinschaute, desto klarer wurde mir: Das isser!
Er hatte Pause, Olivier Gendebien fuhr den Ferrari 250 TR, die beiden landeten schließlich auf Gesamtrang 3. Teils weil ich zu schüchtern war, teils weil ich das Gespräch nicht stören wollte, sprach ich ihn zunächst nicht an. Aber dann nahm ich mir doch ein Herz.
«Entschuldigen Sie bitte, könnte ich ein Autogramm bekommen?» fragte ich artig. Das gefiel dem Grafen offenbar. Ich bekam die Unterschrift, und dann wollte er wissen, wie es mir gefällt oder sowas. Ich plapperte drauflos, ich sei ein Riesenfan und ich wünschte mir nicht mehr, als einmal ins Fahrerlager zu gelangen.
Was Minuten zuvor noch ein unerfüllbarer Traum war – von Trips machte ihn wahr. «Komm mit mir.» Als der Unbestechliche am Fahrerlager-Eingang meine Einlass-Karte verlangte, sagte der Star bloß: «Lassen Sie mal, dieser junge Mann gehört zu mir.» Damit war die Sache erledigt. Und von Trips für mich der Größte. Was für ein feiner Mann!
Einer, der das besser wusste als jeder andere, denn er hat ihn als Zeitgenosse, als Freund, als Konkurrent sozusagen hautnah erlebt, war sein Rennkollege Hans Herrmann.
Herrmann hat ihn in einem Interview, das ich vor vielen Jahren mit ihm geführt habe, so beschrieben: «Ihm wurde von allen mit großem Respekt und großer Sympathie begegnet, weil er eben so ein netter Kerl war. Man merkte ihm immer an, vom ersten Kennenlernen bis zu seinem Tode, dass er eine erstklassige Erziehung genossen hatte. Wolfgang war einfach ein liebenswürdiger, feiner Kerl.»
Schon gesehen?
Newsletter
Motorsport-News direkt in Ihr Postfach
Verpassen Sie keine Highlights mehr: Der Speedweek Newsletter liefert Ihnen zweimal wöchentlich aktuelle Nachrichten, exklusive Kommentare und alle wichtigen Termine aus der Welt des Motorsports - direkt in Ihr E-Mail-Postfach



