Formelsport
Kolumne
Herzlichen Glückwunsch: Formel 3-Pionier Bertram Schäfer ist 80
Keiner hat die deutsche Formel 3-Szene in ihren Anfangsjahren so geprägt und voran gebracht wie Bertram Schäfer aus Bitburg.
Dass die Formel 3 ab Mitte der 70er-Jahre in Deutschland immer populärer wurde, daran hat ein Eifelaner großen Anteil. Er war Chefpilot in seinem eigenen Rennstall, danach Teamchef und Förderer vieler junger Talente. Am 18. März 2026 feiert der ehemalige Teamchef und Rennstallchef Bertram Schäfer seinen 80. Geburtstag.
Bertram gilt als die große Identifikations-Figur der Formel 3 in Deutschland, eine Art Formel 3-Papst seiner Zeit. Der Geburtshelfer der deutschen F3-Bewegung war selbst zweimal Titelgewinner (1976, 1978) und danach Chef seines eigenen, über Jahrzehnte erfolgreichen BSR-F3-Rennstalls.
Seine langjährigen Motoren-Vertragspartner Toyota, Volkswagen und Opel wussten, was sie an dem kleinen, drahtigen Mann aus Bitburg hatten. Neun F3-Titel und über 80 Siege stehen für sein Team zu Buche.
Zusammen mit einer Handvoll engagierter Sympathisanten hatte Bertram Schäfer die Formel 3 in Deutschland in den 70er-Jahren erst richtig hoffähig gemacht.
Bert Schäfer's third German Panzer-Division
Sogar in der F3-Hochburg England wurden er und sein Team aus Bitburg mit Respekt wahrgenommen. So prangte in einem britischen Motormagazin mal unter einem BSR-Teamfoto mit vier Ralt-Toyota, Transportern und Fahrern die martialische Bildzeile „Bert Schäfer's third German Panzer-Division“.
Das war etwa die Zeit, als die BSR-Piloten Frank Jelinski und Stefan Bellof fast alles in Grund und Boden fuhren. Da hatte Bertram seine eigene Fahrer-Karriere schon längst beendet, um talentierten Nachwuchs-Piloten den Vortritt zu lassen und sie mit seinem Wissen zu fördern. 1979 war er mit 32 Jahren in die Rolle des Teamchefs geschlüpft. Dabei spielte sein erster Schützling Hans-Georg „Schorsch“ Bürger eine richtungsweise Rolle.
„Wenn der Schorsch mal dauerhaft schneller ist als ich“, so ließ Bertram damals verlauten, „höre ich in der folgenden Saison auf und bin nur noch Teamchef.“ Viel schneller als erwartet fuhr Neuling Bürger auf Augenhöhe mit seinem Lehrmeister und Mentor. Mit der Gründung des BSR-Rennstalls begann auch die Eroberung der deutschen F3-Landschaft.
Bertram Schäfer erobert die Formel 3
Ab 1982 stärkte Volkswagen die Schäfer-Truppe zusätzlich durch den Status eines offiziellen Werksteams. Die Zusammenarbeit mit Wolfsburg dauerte fast zehn Jahre, daran schlossen sich noch einige ebenso erfolgreiche Jahre als offizielles Opel-Werksteam an.
Sieben Meisterschaften plus F3 World-Cup, jede Menge Vize-Titel und an die 80 Einzelsiege sind die stolze Bilanz des BSR-Teams bis zu dessen Auflösung 2002.
Spätere Superstars wie Tom Kristensen, John Nielsen, Stefan Bellof, Frank Jelinski, Kris Nissen, Ellen Lohr oder Nick Heidfeld wurden unter Schäfers Regie entweder F3-Meister oder begannen ihre Karrieren unter seinem strengen Regiment.
An die 50 junge Rennfahrer gingen durch seine Hände, „manche waren pflegeleicht, andere eher schwierig“, bilanziert Schäfer, „aber alle waren sie gute Typen, jeder auf seine Weise.“
Doch auch nach der Auflösung seines Rennstalls blieb Schäfer der Formel 3 noch weiter verbunden. Als Vize-Präsident der „Deutschen Formel-3-Vereinigung“ kümmerte er sich um die Belange des aufblühenden „ATS Formel 3-Cup“ (2003-2014).
„Als man uns die Deutsche 3-Meisterschaft zu Gunsten der Euro-Serie weggenommen hat, wollten wir einfach eine preiswerte Alternative für das hier noch vorhandene Fahrer- und Material-Potential anbieten.“ Immerhin brachten Schäfer und seine Mitstreiter ein stattliches 25-Wagen-Feld zusammen und hegten die leise Hoffnung, dass daraus vielleicht schon bald wieder eine neue deutsche Meisterschafts-Serie mit DMSB-Prädikat entstehen könnte.
Schäfer: «Eine der schlimmsten Fehlentscheidungen»
Doch die Hoffnung erfüllte sich nicht – stattdessen ist die Formel 3 hierzulande seit nunmehr sieben Jahren tot. Noch immer bringt dieser Zustand den alten F3-Zampano in Rage: „Einer der schlimmsten Fehlentscheidungen deutscher Motorsport-Politik.“
Gesundheitlich geht es Bertram leider nicht so mehr gut, deshalb ist es auch stiller geworden um ihn. Liebevoll kümmern sich seine Frau Margit mit Tochter Eva (43) und Sohn Bertram jun. (40) um sein Wohlbefinden. Die Verbindung mit seiner Frau existiert seit fast einem halben Jahrhundert.
Lieber Bertram, persönlich habe ich viele Gründe, mich bei dir für dein vielfältiges Engagement zu bedanken. Und wenn es nur meine beiden Schützlinge Bürger und Bellof waren, die ich dir der Reihe nach ins Nest gelegt habe. Du hast den Grundstein für ihre weiteren, glanzvollen Karrieren gelegt. Leider haben wir gerade diese zwei Ausnahme-Talente im Verlauf ihrer weiteren glanzvollen Karrieren viel zu früh verloren.
Alles Gute und Liebe für dich zu deinem 80. Alle deine Fans und Freunde denken an dich und wünschen dir zu deinem 80. Geburtstag das Beste. So wie ich denkt heute sicher auch die ganze PS-Gemeinde der Eifel und rund um den Nürburgring an dich und deine Verdienste. Bleib kämpferisch wie eh und je und vor allem zuversichtlich.
Schon gesehen?
Newsletter
Motorsport-News direkt in Ihr Postfach
Verpassen Sie keine Highlights mehr: Der Speedweek Newsletter liefert Ihnen zweimal wöchentlich aktuelle Nachrichten, exklusive Kommentare und alle wichtigen Termine aus der Welt des Motorsports - direkt in Ihr E-Mail-Postfach