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Euro Moto Superbike: Da waren es nur noch 12 – Teilnehmerfeld schrumpft
Trotz zweier Podestplätze und klarer Tabellenführung war der Drehzahl-beschnittene Lukas Tulovic in Assen hochgradig verschnupft und wortkarg. SPEEDWEEK.com stand er ausführlich Rede und Antwort.
Das Euro Moto-Wochenende des Meisterschaftsleaders der Klasse Superbike, Lukas Tulovic, in der ‚Cathedral of Speed‘ in Assen war für das Aushängeschild des Teams Triple M Racing Ducati Frankfurt aus Gründen der schon viel beschriebenen Reduzierung der Maximal-Drehzahl per Balance of Performance von vornherein spaßbefreit. Trotz des Dilemmas, die Drehzahl ohne technische Hilfsmittel, sondern visuell nicht über 15.600 1/min, ohne jegliche Toleranz, ansteigen zu lassen, schaffte er im ersten Rennen Platz 2 und im zweiten Rang 3. In der Tabelle büßte er lediglich einen Zähler auf den Meisterschaftszweiten Marcel Schrötter ein und hat mit nun 46,5 Punkten Vorsprung nach wie vor die Chance, beim nächsten Lauf auf dem Nürburgring seine Titelverteidigung aus eigener Kraft vorzeitig perfekt zu machen. Also alles in Butter, könnte man meinen, doch weit gefehlt.
Bei den Interviews der ersten Drei für den Euro-Moto-Live-Stream präsentierte sich Tulovic angefressen wie ein heiß gelaufener Kolben im unbeschichteten Zylinder nach Ausfall der Schmierung. Beim ersten sagte er nur kurz und knapp: «Viel habe ich nicht zu sagen. Danke an mein Team. Wir haben an diesem Wochenende das Beste aus der Situation gemacht und ich gönne Twan von Herzen den Sieg, weil ich finde, er hat wirklich ein starkes Wochenende gezeigt, nach dem Sturz in Oschersleben. Deshalb großen Respekt an ihn und meinen herzlichen Glückwunsch.»
Gar noch kürzer angebunden war er nach Lauf 2, bei dem er auf den letzten Metern noch Platz 2 verlor und als Dritter ins Ziel tuckerte. Die Ursachenforschung vor der Kamera bügelte er kurz und knapp ab: «Sag ich nicht.» Und weiter: «Ich freue mich einfach auf die Heimfahrt und dass ich am Nürburgring wieder normal Rennen fahren kann. Mehr brauch ich dazu nicht sagen. Trotzdem danke an mein Team.»
Umso erstaunlicher war, dass sich der eingebremste bzw. von seiner eigentlichen Tätigkeit abgelenkte Lukas Tulovic wenig später professionell den Fragen des SPEEDWEEK-Reporters stellte. So führte er zunächst deutlich ausführlicher aus: «Vor dem Wochenende wussten wir nicht, ob es überhaupt gehen wird. Dann haben wir analysiert, geschaut und angepasst. Wir sind natürlich mit einem Setup und einer Übersetzung gefahren, die definitiv nicht optimal ist, weil wir überall Luft brauchten, um kein Risiko einzugehen zu überdrehen. Deswegen war die Übersetzung viel zu lang, und ich musste viel mehr schalten als sonst, wenn ich hätte normal fahren können. Von daher war das natürlich ein sehr großer Kompromiss, und ich hatte immer meinen Kopf und ein Auge, manchmal auch zwei, auf dem Tableau, um halt kein Risiko einzugehen.»
Das ist für mich kein RennfahrenLukas Tulovic
Dabei drehte er seine Ducati Panigale V4R vorsichtshalber nur bis ca. 14.800 bis 15.000 1/min, um einen Puffer zu haben. «Gerade im ersten oder zweiten Gang geht die Drehzahl so schnell hoch. Wenn du dann mal kurz unfokussiert und drüber bist, ärgerst du dich im Nachhinein. Deshalb haben wir viel Performance einbüßen müssen, sodass ich die Zeit woanders finden musste. Von daher bin ich zumindest mit den zwei Podien einigermaßen happy. Dass wir in der Meisterschaft kaum was eingebüßt haben, hätte ich nie für möglich gehalten. Das ist natürlich eine große Teamleistung, aber ich bin einfach nur froh, dass das Wochenende vorbei ist.»
Ich habe dieses Wochenende keine Sekunde Spaß gehabt.Lukas Tulovic
Die Kehrseite der Medaille ist das Fahren entgegen der Natur eines Vollblut-Racers. Das bestätigte er mit den Worten: «Ich habe dieses Wochenende keine Sekunde Spaß gehabt. Deswegen bin ich im Moment so drauf. Ich brauche meine Emotionen nicht verstecken und muss niemanden etwas vormachen. Ihr wisst alle, wie die Situation ist. Wir sind nicht happy, wie damit umgegangen wurde. Für den Nürburgring sind wir optimistisch, dass wir es technisch hinbekommen, ich wieder normal Rennfahren kann und nicht mit einem Auge auf den Tacho schauen muss. Das ist einfach kein Rennfahren, das ist Überleben und auf dem Podium hoffen, dass das Ergebnis bleibt. Aber du weißt nicht, ob du deinen Platz hast oder dann doch noch disqualifiziert wirst. Das ist für mich kein Rennfahren.»
Selbst als Laie vermutet man bei solchen Rahmenbedingungen mit vom Wesentlichen ablenkenden Zusatzaufgaben für den Fahrer auch eine gewisse Gefahr. Auch das bestätigte «Tulo». «Das ist so, wie wenn du Auto fährst und gleichzeitig am Handy spielst. Zum Beispiel im Zweikampf schaue ich beim Beschleunigen nicht auf den Vordermann, sondern auf mein Dashboard.» Das heißt übersetzt, dass eine Gefahr heraufbeschworen wurde, die man nicht braucht. «Natürlich, aber mehr sage ich dazu nicht.»
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