Euro Moto Superbike
Lukas Tulovic: Nach Tipp von Florian Alt klappt es auch mit dem Doppelsieg
Für Marcel Schrötter verlief das erste Rennen nach seiner schweren Knieverletzung besser als erwartet. Doch um eine Operation nach der Saison wird er wohl nicht herumkommen.
Marcel Schrötter reiste mit geringen Erwartungen in die Motorsport Arena Oschersleben. Eine Knieverletzung, die sich der Bayer Anfang Juli in einem Training für das 8-Stunden-Rennen von Suzuka zugezogen hatte, erwies sich als schwerwiegender als zunächst angenommen. Nach der niederschmetternden Diagnose mit diversen Bänderrissen im linken Knie, verbrachte Schrötter viel Zeit in der Sportschule Kinema im Bayerischen Wald, wo das Therapeutenteam nach Schrötters Aussage Unglaubliches leistete, um ihn für das Rennen in Oschersleben fit zu machen.
Schrötter nutzte die freien Trainings am Freitag vor allem dazu, um zu prüfen, ob es überhaupt Sinn machte, mit seinem BMW Superbike anzutreten. Mit Platz 4 sollten die Rennen für ihn aus der zweiten Reihe losgehen. Das erste Rennen am Sonntagnachmittag musste nach einem Massen-Crash, Twan Smits hatte mit seinem geplatzten Yamaha-Motor die Strecke in eine Rutschbahn verwandelt, abgebrochen werden. Schrötter wäre der nächste Kandidat fürs Kiesbett gewesen, konnte aber noch blitzschnell reagieren und von der versauten Ideallinie abbiegen.
Einen Neustart gab es nicht. Für die zurückgelegte Distanz gab es die halbe Punktzahl. Schrötter belegte den zweiten Platz auf dem Podium. Später am Nachmittag, als das Feld wieder in voller Stärke an den Start ging, belegte er den vierten Platz.
Man will sich die Realität selbst nicht eingestehen.Marcel SCHRÖTTER
«Ich glaube, ich kann mit meinem Umgang mit der Situation in Oschersleben rundum zufrieden sein», erklärte Schrötter im Anschluss. «Mit meinen Platzierungen habe ich meinen Vorsprung auf die Verfolger in der Meisterschaft ein wenig ausgebaut, auch wenn ich gegenüber Lukas Tulovic etwas an Boden verloren habe. Selbst wenn ich zu 100 Prozent fit gewesen wäre, hätten wir gegen Lukas und sein Gesamtpaket im Moment keine Chance gehabt. Das muss man einfach eingestehen. Deshalb muss ich zufrieden sein, denn am Donnerstag wusste ich noch nicht, ob ich überhaupt fahren kann.»
«Man will sich die Realität selbst nicht eingestehen», war im klar, «aber wenn mehrere Spezialisten sagen, dass ich eine schwere Verletzung habe, dann ist das wahrscheinlich auch so. Wenn man bedenkt, dass mein Knie noch vor einer Woche auf einem ganz anderen Stand war, muss ich sagen, dass mir die Zeit in der Sportschule Kinema unglaublich geholfen hat. Vor allem in der letzten Woche haben wir die Therapie noch einmal intensiviert, was zu weiteren deutlichen Fortschritten geführt hat. Ich konnte viel besser fahren als erwartet. Natürlich bin ich in Bezug auf Kraft und Race-Pace noch relativ weit von 100 Prozent entfernt. Vor allem beim Richtungswechsel fehlt es mir an Kraft und Stabilität in den Beinen, und in bestimmten Positionen fühle ich mich etwas unwohl. Doch angesichts dieser Umstände muss ich zufrieden sein. Jetzt ist es wichtig, dass ich mich weiter erhole und für Assen in noch besserer Form bin. Der vollständige Genesungsprozess wird jedoch sicherlich noch einige Zeit in Anspruch nehmen.»
Markus Reiterberger hat mit einem sehr starken zweiten Rennen bewiesen, dass die BMW gut funktioniert.Marcel Schrötter
Der Pilot des Teams GERT56 hat knapp zwei Wochen Pause bis zum nächsten Event der Euro Moto auf dem TT Circuit in Assen, in denen er seine Therapie fortsetzen kann. «Für Assen werde ich versuchen», verriet er, «dafür zu sorgen, dass ich mich ein kleines bisschen besser fühle. Abgesehen von der Verletzung müssen wir auch gemeinsam mit dem Team herausfinden, wie wir die Abstimmung des Motorrads verbessern können. Ich hatte das Gefühl, dass ich in bestimmten Abschnitten gut fahren konnte, hatte aber insgesamt Schwierigkeiten, mit den anderen mitzuhalten.»
«Markus Reiterberger hat mit einem sehr starken zweiten Rennen bewiesen, dass die BMW gut funktioniert», Schrötter. «Deshalb haben wir noch einiges vor uns. In erster Linie, weil ich die Saison nicht einfach nur mit zweiten, dritten oder vierten Plätzen beenden möchte – ich will wirklich wieder um den Sieg kämpfen. Und natürlich, um unsere Chancen auf den Titel so lange wie möglich am Leben zu erhalten. Das ist das Ziel, auf das wir alle hart hinarbeiten. Aber zunächst einmal ein riesiges Dankeschön an Alex Hohlbacher und APEX für ihre Hilfe vor Ort und ihre Kontakte, um schnelle Termine zu vereinbaren, beispielsweise für MRT-Untersuchungen oder ähnliches. Ein weiteres riesiges Dankeschön geht auch an Sepp Mauer und Kinema sowie an ihren Physiotherapeuten Tobi, die letztendlich viel Arbeit mit mir haben und sich die Zeit freischaufeln, um mich aufzunehmen und an einem Tag stundenlang behandeln und mir geben und alles anbieten, was sie in den Schubladen haben. Ohne ein so großartiges Team hinter mir wäre so etwas nicht möglich. Ich möchte auch erwähnen, dass Kinema ein persönlicher Sponsor von mir ist, und dafür bin ich wirklich sehr dankbar, denn sonst könnte ich mir diese Art der Behandlung nicht leisten. Deshalb ein ganz, ganz großes Dankeschön an jeden Einzelnen von euch!»
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