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Markus Reiterberger: «Als Fahrer muss man ein arrogantes Schwein sein»

In der Langstrecken-WM teilen sich mehrere Fahrer ein Bike. Markus Reiterberger erklärt, warum das bei Fahrwerk und Ergonomie zu Kompromissen führt – und weshalb genau das den Reiz der EWC ausmacht.

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Während ein Fahrer in Sprintmeisterschaften sein Motorrad exakt auf die eigenen Bedürfnisse abstimmen kann, sieht die Realität in der Langstrecken-Weltmeisterschaft völlig anders aus. Dort teilen sich mehrere Piloten ein Motorrad und müssen zwangsläufig Kompromisse eingehen.

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BMW-Werksfahrer Markus Reiterberger kennt diese Herausforderung aus eigener Erfahrung. Der Bayer ist vergleichsweise groß und hat einen aggressiven Bremsstil. «Ich muss Kompromisse beim Fahrwerk und bei der Sitzposition machen», erklärte «Reiti» im exklusiven Gespräch mit SPEEDWEEK.com. «Unterm Strich ist es für uns alle ein Kompromiss.»

Körperliche Unterschiede und verschiedene Fahrstile

Besonders deutlich wurde das für Reiterberger in der vergangenen Saison, als sich die körperlichen Voraussetzungen innerhalb der Fahrerbesetzung mit Steven Odendaal und Sylvain Guintoli unterschieden. «Ich war ein bisschen größer und schwerer als meine Teamkollegen. Deshalb habe ich mit der Fahrwerksabstimmung, speziell mit der Abstimmung der Gabel, etwas schwer getan.»

«Das äußerte sich in Le Mans und Spa am deutlichsten. Die Gabel war für mich zu weich, ich bremse gern sehr hart. Deshalb hatte ich in Spa und Le Mans etwas das Nachsehen», verriet Reiterberger. Auf anderen Strecken war es weniger problematisch. «In Suzuka und Le Castellet war es besser. Dort haben wir eine andere Richtung bei der Abstimmung eingeschlagen», berichtete der BMW-Pilot. Grundsätzliche Differenzen innerhalb der Mannschaft gebe es jedoch nicht. «Unterm Strich waren wir in Sachen Abstimmung alle auf einer Wellenlänge.»

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Was gegen Anpassungen beim Boxenstopp spricht

Theoretisch wäre es möglich, das Fahrwerk zwischen den Fahrerwechseln individuell anzupassen. In der Praxis würde das jedoch wertvolle Sekunden kosten. Auf die Frage, ob man zumindest die Federvorspannung während der Boxenstopps verändern könnte, winkte Reiterberger ab.

«Es kostet zu viel Zeit», stellte er klar. «Ich habe bei einigen Teams diese Schnellspanner gesehen, doch wenn jeder Fahrer dran rumdreht, weiß man schnell nicht mehr, wo man ist. Deshalb machen wir lieber Kompromisse.»

Kompromisse sind ein Teil der EWC-Philosophie

Für den dreifachen IDM-Champion ist genau dieser Aspekt ein wesentlicher Bestandteil der Faszination Langstrecke. Während in Sprintserien alles auf den einzelnen Fahrer zugeschnitten wird, steht in der EWC das Team im Mittelpunkt.

«Das macht den Sport ja auch irgendwie aus. Alle müssen aufeinander eingehen», sagte Reiterberger. «Das musste ich auch lernen und jetzt finde ich das als Teamsport cooler.»

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Dabei offenbart die Langstrecken-WM nach Ansicht des BMW-Piloten auch viel über die Charaktere der Fahrer. «Für einen Rennfahrer ist es nicht einfach, weil man eigentlich ein arrogantes Schwein sein muss», meinte Reiterberger mit einem Lachen. «In der Langstrecke stellt sich dann heraus, welche Fahrer richtig coole Typen sind.»

Gerade diese Mischung aus sportlicher Höchstleistung, technischem Verständnis und Teamfähigkeit macht die EWC einzigartig. Denn wer am Ende um Weltmeisterschaften kämpfen will, muss nicht nur schnell sein – sondern auch bereit, sich für den gemeinsamen Erfolg unterzuordnen.

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