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Herablassende Einstellung gegenüber Pirelli: MotoGP-Paddock musste umdenken

Jahrzehntelang wurde Reifenhersteller Pirelli vom MotoGP-Paddock belächelt, weil in der Superbike-WM Serienreifen zum Einsatz kommen. Ab 2027 rüsten die Italiener alle drei Prototypenklassen aus.

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Seit 2004 bestückt Pirelli die Superbike-WM und ihre jeweiligen Rahmenkategorien mit Rennreifen, in diesem Jahr sind das die Klassen Supersport, Sportbike und Frauen. 2027 bricht ein neues Zeitalter an, dann wird Pirelli neben der Moto3- und Moto2-WM auch Alleinausrüster der MotoGP; Reifenlieferant Michelin übernimmt dafür die Aufgaben im SBK-Paddock.

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Diese Entwicklung entbehrt nicht einer gewissen Ironie, denn zwei Jahrzehnte lang spottete das MotoGP-Paddock über Pirelli und deren Serienreifen in der Superbike-WM. «Das ist auch für mich lustig», schmunzelte Pirelli-Rennchef Giorgio Barbier im Exklusiv-Interview von SPEEDWEEK.com. «Ich habe auch nicht erwartet, dass das in meinem Leben so kommt, bin aber glücklich darüber. Als wir mit der Moto2 und Moto3 begonnen haben, sagten wir zu ihnen, dass wir keine Prototypen nur für diese Meisterschaft machen möchten. Wir wollten Superbike-Reifen für die Moto2. Für die Moto3 liefern wir Standard-Slicks, die wir schon seit einigen Jahren im Portfolio haben, die sich aber nicht großartig verkauften, denn die Meisterschaft gehörte unsere Konkurrenten und nicht viele wollten etwas anderes verwenden.»

Prototypen sind auch nicht komplizierter

Der Mailänder weiter: «Nach zwei Jahren Erfahrung bekam der Promoter eine gute Vorstellung davon, was wir machen. Vielleicht haben sie nicht so sehr darauf geachtet, was wir in der Superbike-WM schon lange machen, und dass dies eine technisch interessante Aufgabe ist. Auch im GP-Paddock herrschte damals die Einstellung: ‚Okay, jetzt seid ihr hier angekommen, aber ihr habt noch viel Arbeit vor euch, denn die Moto2 ist so anders. Wir würden lange brauchen, bis wir den Level von Dunlop erreichen. Und dass diese Motorräder kompliziert wären, weil es Prototypen sind.‘ Innerhalb zwei Rennen änderten sich deren Ansichten, heute sagt niemand mehr so etwas. Wenn man sich vorstellt, dass die Hälfte der Leute in der Moto2 und Moto3 aus dem SBK-Fahrerlager kamen, dann war diese Einstellung merkwürdig.»

Damals hatten wir einen riesigen Rückstand zu den Reifen der Mitbewerber.

giorgio barbier über 2004

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Dann wurde Barbier wieder versöhnlich: «Wenn man das Paddock wechselt, dann ist das, wie wenn man in eine andere Welt kommt. Wir sahen diese Einstellung auch bei der Dorna. Wir haben aber in jeder Klasse – MiniGP, Moto3 und Moto2 – bewiesen, dass wir in der Lage sind, es zu stemmen. Das ist eine lustige Geschichte, wir haben auch im GP-Paddock gezeigt, dass wir mit Standardprodukten gute und schnellere Rennen hinbekommen – was sowohl die Rundenzeit als auch die Rennpace betrifft. Das hat für Aufmerksamkeit gesorgt.»

Lässt sich die neue Aufgabe in der MotoGP vergleichen mit dem Einstieg in die Superbike-WM 2004, hakte SPEEDWEEK.com nach. «Damals hatten wir einen riesigen Rückstand zu den Reifen der Mitbewerber», räumte Barbier ein. «Die Mentalität der Fahrer, Hersteller und Teams, von jedem im Fahrerlager, war komplett gegen eine Neuerung, deshalb war es schwierig zu erklären, dass Pirelli anders arbeitet. Heute weiß jeder, dass Pirelli anders ist.»

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