Porsche-Techniker Günther Steckkönig wird 90
Einer der ehemals fähigsten Techniker und Renn-Ingenieure aus der legendären Weissacher Porsche Denk- und Renn-Fabrik feiert am 23. Juni bei guter Gesundheit seinen 90. Geburtstag.
Gerne denkt Günther Steckkönig an seine Zeit bei Porsche zurück. Er war dort nicht nur Renn-Ingenieur und Techniker, sondern auch noch aktiver Pilot. So begleitete er 1965 die von Porsche initiierte Deutschland-Einführung der legendären Formel V (auch als «Porsche-Wanderzirkus» bekannt) und startete später selbst mit seiner bei Porsche mit Kollegen des Fahrversuchs gebauten Formel V-Eigenkonstruktion «Komet».
Dazu kamen öfter auch Werkseinsätze, wenn es bei Porsche Besetzungs-Engpässe gab. Steckkönig erinnert sich nach einem gewonnenen Rennen noch sehr gut an eine unerwartete Reaktion seines damaligen Chefs Ferdinand Piech. Statt der erwarteten Gratulation knurrte der seinen Angestellten unfreundlich an. «Gute Rennfahrer kann ich überall kaufen, gute Techniker nicht. Sie sollten sich um mehr um ihren Job kümmern.»
Tatsächlich sah es Piech nicht gerne, wenn seine Ingenieure nebenbei noch selbst Rennen fuhren. «Das betraf mich genauso wie Herbert Linge», erinnert sich der Mann aus der Fahrwerks-Entwicklung, «statt Lob gab’s für uns beide regelmäßig was auf die Mütze. Aber irgendwann hat er’s aufgegeben uns machen lassen.»
Steckkönig stieg gern und oft ins Cockpit, seine Empfehlung war sein technisches Wissen und das angeborene Fahrtalent. So gab es kaum ein Porsche-Modell, das der Schwabe nicht im Renntempo bewegt hätte – und wenn’s nur auf der Testpiste in Weissach war. Die kannte er sowieso in- und auswendig.
Zwischen 1963 und 1988 startete er bei nahezu allen Klassikern, so je dreimal in Le Mans und bei der Targa Florio, dazu Daytona, Sebring und weiteren international bedeutsamen Rennen. Auch der «Marathon de la Route» war dabei, ein 84 Stunden-Rennen am Nürburgring.
Hier stand er 1968 und 1970 übrigens gleich zweimal mit dem zweit- und drittplatzierten Team im Werks-Porsche auf dem Podium. 1969 allerdings feuerte er, klar in Führung liegend, einen 911er in der Fuchsröhre durch Aquaplaning in die Botanik. Seine Mitfahrer Herbert Linge und Willi Kauhsen waren not amused …
Steckkönigs Lieblingsauto war übrigens der Porsche 908/3. Aber auch die Modelle 935 Turbo, 959 und 917/10 bewegte er gern im Renntempo. Seine überaus erfolgreiche Karriere endete erst, als ohne Geld selbst bei den Porsche-Kundenteams nichts mehr ging.
Noch dicker kam’s 1992, als es Porsche wirtschaftlich nicht so gut ging. Zusammen mit 70 anderen Weissach-Kollegen musste sich Steckkönig nach 35 Porsche-Jahren notgedrungen in den Vorruhestand verabschieden lassen.
«Das war der traurigste Moment in meinem Porsche-Leben, als wir das letzte Mal durchs Werkstor in Weissach gingen. Hier habe ich meine Lehre absolviert und mein ganzes Berufsleben verbraucht.»
Die freie Zeit wurde aber schnell mit neuen Aktivitäten belegt. Er fand Gefallen am Segelfliegen (Ultraleicht-Motorsegler), intensivierte sein Fitnessprogramm (Rennrad, Mountain-Biking) und frönte seiner Leidenschaft als Jazz-Fan.
Außerdem war er noch lange ein gefragter Instruktor bei allen möglichen Fahrsicherheitslehrgängen, wo er sein Wissen als Fahrer und Techniker an die Porsche-Kundschaft weitergeben konnte.
Wie sein einstiger Weissach-Mitstreiter und Fahrwerks-Superguru Norbert Singer lebt Steckkönig mit Ehefrau Ellen (seit 61 Jahren verheiratet) in Vaihingen/Enz in der Nähe von Stuttgart. Weil seine Frau Ellen seit einigen Jahren einer besonderen Zuwendung bedarf, ist die häusliche Pflege Günther Steckkönigs derzeit wichtigste Aufgabe.
«Es gibt Dinge im Leben, die man nicht vorhersehen kann, dann muss man sich eben darauf einstellen und für den Partner da sein», sagt Steckkönig. Statt sich ums eigene Wohlbefinden und seine Hobbys zu kümmern, ist er rund um die Uhr für seine Frau im Pflegeeinsatz.
Dabei ist er noch immer Racing-Fan, noch vor zwei Jahren fuhr er mit 88 einen Porsche Carrera beim Solitude-Revival. Gerne geht er auch zu den Treffen der «Weissacher Rentner-Gruppe», die aus alten Porsche-Kollegen besteht. «Nur werden die leider immer weniger», sagt Steckkönig traurig.
Auch wenn viele seiner alten Weissach-Kollegen wie Herbert Linge, Hans Mezger oder Peter Falk in den letzten Jahren gestorben sind, versucht der Jubilar, sein eigenes Leben so positiv wie möglich zu sehen. «Denn eigentlich ist es ja schon ein großes Geschenk, dass ich mit 90 überhaupt noch da sein kann.»
Wahre Worte eines Mannes, der sein Leben lang für den Rennsport und seine Familie da war und Letzteres noch immer mit Hingabe ist. Lass dir gratulieren, alter Freund und Weggefährte. Was du als stiller und stets bescheidener Techniker und Rennfahrer geleistet hast, steht in den Geschichtsbüchern des Motorsports. Was du seit Jahren selbst noch im hohen Alter für dein familiäres Umfeld leistest, zeichnet dich als ein Mensch mit großem Herzen aus.
Das ist meine ganz persönliche Geburtstags-Botschaft an dich, lieber Günther. Gratulation und alles Gute für die nächsten Jahre.
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