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Serie «Vergessene Flugplatzrennen» – Folge 7: Siegerland

Flugplatzrennen gehörten bis zur Jahrtausendwende fast 50 Jahre lang zu den populärsten Motorsport-Events in Deutschland und Österreich. Wir erinnern an einige der beliebten Veranstaltungen.

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Siegerland-Tower mit bester Rundum-Sicht für die Streckensprecher
Siegerland-Tower mit bester Rundum-Sicht für die Streckensprecher
Foto: Bieler
Siegerland-Tower mit bester Rundum-Sicht für die Streckensprecher
© Bieler

Der Plan, auf dem privaten Verkehrsflughafen Siegerland bei Burbach im Grenzbereich Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz Rennen zu veranstalten, stammt aus den 70er-Jahren. Der AMC Burbach wollte anlässlich seines 25-jährigen Club-Jubiläums auf dem Gelände einen Auto-Slalom durchführen. Bei der Besichtigung des Areals kam den verantwortlichen die Idee, dass man hier auch ein richtiges Flugplatzrennen durchführen könnte.

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Die Verhandlungen mit der Betreibergesellschaft verliefen positiv und so fiel im September 1978 zum ersten Mal die Startflagge, womit das Siegerland-Flugplatzrennen geboren war. Zäher Herbstnebel ließ die Premiere allerdings fast platzen – zumindest samstags ging nichts. Ein schnell zusammengestelltes Notprogramm rettete dann am Sonntag doch noch die meisten der geplanten Rennläufe und somit auch die Erstveranstaltung.

Insgesamt 23 Veranstaltungen wurden bis 2000 mehr oder weniger problemlos durchgeführt. Erst die Explosion einer Fliegerbombe aus dem 2. Weltkrieg wenige Monate nach der Durchführung des letzten Rennens im Jahr 2000 leitete auch das Ende eines der letzten noch verbliebenen Flugplatzrennen in Deutschland ein.

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Der bis dahin nicht entdeckte Blindgänger explodierte ausgerechnet genau unter der Start- und Landebahn. Die Detonation riss einen fast 15 Meter tiefen Krater in die Piste. Man mag sich wirklich nicht vorzustellen, wenn das an einem der zurückliegenden Renn-Wochenende oder bei Starts und Landungen im privaten Flugbetrieb passiert wäre.

Somit fiel die letzte Siegerland-Zielflagge im Frühsommer des Jahres 2000. Nochmals kamen mehr als 15.000 Zuschauer zur 23. und letzten Auflage des Rennens. Letztlich war das Ende der beliebten Veranstaltung aber nicht nur auf die Bomben-Explosion zurückzuführen, sondern auch gestiegene Sicherheitsanforderungen und damit deutlich höhere Kosten trugen ihren Teil dazu bei. Wie in vielen anderen Fällen verschob sich dadurch das wirtschaftliche Gleichgewicht, was schon zuvor so manchen Veranstalter bewog die Reißleine zu ziehen.

Das Siegerland-Rennen ist übrigens auch eng verknüpft mit der Laufbahn meines Sprecher-Kollegen Burkhard Bechtel. Ähnlich wie Kalli Hufstadt in Faßberg leistete auch Bechtel gerade seinen Bundeswehr-Dienst in der Siegerland-Kaserne ab, als man einen Streckensprecher für eines der ersten Rennen suchte. Da er schon zuvor in Vertretung Slaloms seines Clubs kommentiert hatte, fiel die Wahl nicht schwer.

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Danach rückte Bechtel rasch zu einem der späteren Hauptsprecher des Siegerland-Flugplatzrennens auf und startete seine erfolgreiche Karriere als Sprecher, TV-Kommentator und Film-Produzent. Bechtels Vater ist auch einer der Gründungs-Mitglieder des Veranstalter-Clubs AMC Burbach und war jahrelang Leiter der Siegerland-Streckensicherung war. Kollege Bechtel

und AMC Burbach-Journalist Dietmar Bieler haben dankenswerterweise auch mit wichtigen Informationen zur Ergänzung und Vervollständigung der Historie dieses Berichts in Wort und Bild beigetragen.

Gute Atmosphäre und reibungslose Abläufe haben dafür gesorgt, dass wir Streckensprecher alle sehr gerne beim Siegerland-Flugplatzrennen unseren Job erledigt haben. Und ich hatte überdies das Glück, unter anderem die Jahre 1980 und 1981 mit Stefan Bellof als Starter bei seinem geliebten heimrennen in der Formel Ford und der Formel 3-DM am Mikrofon zu begleiten. Seine Darbietungen gehörten sicher zu den Highlights in der Historie dieses Rennens.

Der einzige Moment, an dem mir in 50 Jahren Sprecher-Job bei einem Siegerland-Rennen mal die Stimme tränenerstickt komplett versagte, wer der, als im September 1985 die Formel Ford in ihrer Startformation stand, die Motoren abgestellt wurden und alle Fahrer ausgestiegen sind. Ich sollte eine Gedenkminute für Stefan nach dessen Tod in Spa ankündigen und mit einer Würdigung begleiten. Diesen Augenblick, der mir so tief unter die Haut ging, werde ich niemals vergessen.

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Im Laufe der Jahre wurden auf dem Siegerland-Flugplatz alle wichtigen Meisterschafts-Prädikate vom Rundstrecken-Pokal über die DTM bis hin zur Interserie ausgefahren, dazu jede Menge Marken-Cups inklusive aller Formel-Nachwuchsklassen. Sehr gerne erinnere ich mich an jene Formel Ford 1600-Siegerehrung im Herbst 1988, als drei 18 Jahre alte, noch unbekannte Jungtalente auf dem Siegerpodium standen: Jörg Müller, Michael Schumacher und Michael Krumm. All drei haben ihren Weg gemacht, jeder auf seine Weise.

Weitere namhafte Piloten statteten im Laufe der Jahre dem Siegerland-Rennen und seinem Siegerpodium einen Besuch ab, darunter Marc Lieb, Olaf Manthey, Harald Grohs, Dirk Müller, Franz Konrad, Manuel Reuter, Bernd Schneider, John Winter, Bob Wollek, die Ford-Kläuse Ludwig und Niedzwiedz, HJ Stuck, Volker Strycek, Frank Jelinski, Jockel Winkelhock, Wolfgang Land und alle drei Lechners Walter, Robert und Walter jun. Lechner sen. gilt überdies als der nach Siegen erfolgreichste aller Siegerland-Starter.

Auch nahezu alle Marken-Rennserien hatten am Siegerland Punktrennen, so auch der Ford Fiesta Ladies Cup in der Debütsaison 1982. Was es hier sonst noch so alles zu bestaunen gab, hat Kollege Bechtel in einem jederzeit kostenlos abrufbaren YouTube-Video mit dem Titel «Bewegte Zeiten» anlässlich des 70-jährigen Bestehens des AMC Burbach zusammengestellt.

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