Mahindra & Peugeot: Technischer Offenbarungseid

Von Günther Wiesinger
Moto3
Die Mahindra- und Peugeot-Piloten haben in der Moto3-WM 2017 noch kein Top-Ten-Ergebnis erzielt. Seit Ende Juni steht fest: Mahindra und Peugeot werden nach der Saison 2017 aus der WM verschwinden.

Traum und Wirklichkeit klafften bei Mahindra und Peugeot stehts weit auseinander. Im Februar posaunte Mahindra-Racing-CEO Mufaddal Choonia, er rechne mit mehr Siegen als 2016, damals fielen drei GP-Erfolge ab – zwei durch Bagnaia in Assen und Sepang, einer durch McPhee.

Für 2016 war das Motorrad auf dringenden Wunsch des Mahindra-Werksteambesitzer Jorge Martinez wieder bei Suter Racing in der Schweiz gebaut worden. Am 31. März 2016 erlosch der Entwicklungsauftrag.

Denn jetzt sollte der neue Mahindra-Technical Director Davide Borghesi seine Ingenieurskunst entfalten und im neuen Kompetenzzentrum in Besozzo/Italien einen Überflieger bauen. Aber es reichte nur für einen Rohrkrepierer. Und das neue Getriebe wurde bei Nova in England in Auftrag gegeben.

So brachte die Moto3-Saison 2017 ein Desaster nach dem andern ans Tageslicht. Erwartungsgemäss. Denn die Spitzenfahrer hatten sich nach der Saison alle zu Honda und KTM oder in die Moto2-WM (Bagnaia) verabschiedet.

Die Euphorie war trotzdem groß bei den Moto3-Mannschaften von Mahindra Racing und Saxoprint-Peugeot vor dem Motorrad-GP von Italien in Mugello.

Denn der umstrittene und bisher erfolglose Technical Director Davide Borghesi hatte an alle drei Teams und sechs Fahrer (vier Mahindra, zwei Peugeot) neue Airboxen verteilt. So ein Update ist einmal im Jahr erlaubt, es sollte also nach Möglichkeit einen durchschlagenden Erfolg bringen. Denn eine zweite Verbesserungsmöglichkeit erlaubt das Reglement während der Saison bei so einem «performance part» (Leistungsteil) nicht.

Naja, die Durchschlagskraft der MGP3O-Maschinen ließ auch in der Toskana zu wünschen übrig. Und bei allen folgenden Rennen...

Ein Blick auf die Mugello-Rennergebnisliste wirkte deprimierend: 17. Bezzecchi (CIP Mahindra ). 19. Dalla Porta (Aspar Mahindra). 20. Kornfeil (Saxoprint Peugeot). 22. Pagliani (CIP Mahindra). 27. Pulkkinen (Saxoprint Peugeot). Und Arenas aus dem Aspar-Team, das soll das offizielle Mahindra-Werksteam sein, stürzte.

Das traurige Fazit: Das Aspar-Mahindra-Team hat mit den Werkspiloten Lorenzo Dalla Porta und Albert Arenas bisher in neun Rennen je zwei Punkte (total: 4) ergattert. Bei den letzten vier Grand Prix ging das verheissungsvolle Duo völlig leer aus!

Nicht viel besser sieht es bei Saxoprint-Peugeot-Pilot Jakub Kornfeil aus: Er schaffte im Regenrennen in Le Mans fünf Punkte für Platz 11 herbei. Weitere Punktezuwächse hat er nicht zu verzeichnen, er ist jetzt WM-24 mit fünf kargen Zählern.

Im Vorjahr fuhr Kornfeil auf der Honda des malaysischen SIC-Teams auf den achten WM-Gesamtrang; er hat in seiner Laufbahn schon drei Moto3-Podestplätze erobert.

Ein Blick auf die aktuellen WM-Positionen von Mahindra: 27. Dalla Porta. 29. Arenas. Und Talent Marco Bezzecchi hat im CIP-Mahindra-Kundenteam bereits vier Punkte ergattert; er liegt als bester Fahrer dieses Fabrikats auf dem 25. WM-Rang.

«Wir möchten in der Saison 2017 mehr Siege einfahren als im Vorjahr», hatte Mahindra-CEO Mufaddal Choonia, der sich 2017 nur noch selten an der Rennstrecke blicken lässt, im Februar noch posaunt. 2016 siegte bekanntlich Pecco Bagnaia (Mahindra) in Assen und Sepang, John McPhee (Peugeot) gewann das Regenrennen von Brünn.

Der Schotte McPhee, 2015 auf Honda in der Moto3-WM zweimal auf dem besten Startplatz, kam 2016 als Peugeot-«Werksfahrer» trotzdem nur auf den 22. WM-Rang. 2017 liegt er auf der Honda NSFR 250RW des neuen British Talent Teams auf dem sechsten WM-Rang...

«Mahindra und Peugeot werden 2018 aus der WM verschwunden sein», vermuteten die Experten schon vor einem Jahr.

Denn Aspar-Teambesitzer Jorge Martinez verhandelt enttäuscht jedes Jahr mit KTM. CIP-Chef Alain Bronec schwankt zwischen Honda und KTM. Prüstel GP hat sich bereits für KTM entschieden.

Denn seit dem Assen-GP steht fest: Das Kapitel Mahindra/Peugeot wird nach dieser Saison Geschichte sein.

Immerhin hat Mahindra 2016 in Assen als erster indischer Motorradhersteller einen Motorrad-GP-Sieg gefeiert. Auch wenn diese Rennmaschinen das Mahindra-Heimatland noch nie aus der Nähe gesehen haben.

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