DTM

Sat.1 tritt an: Kann der Sinkflug gestoppt werden?

Von - 19.04.2018 08:10

Die DTM bekommt einen neuen Fernsehpartner. Der will einige Dinge anders machen. Die große Frage: Kann die Quote verbessert und der Trend der vergangenen Jahre gestoppt werden? Der kannte zuletzt nur eine Richtung.

Es ist immer relativ einfach, einen Trend anhand von Zahlen zu belegen. Schließlich sind die Zahlen das Griffigste, das man zur Verfügung hat. Macht man das in der DTM, ist die Sache klar: Es geht nur noch abwärts. Denn seit 2011 sinken die Quoten im Fernsehen Jahr für Jahr. Vor sieben Jahren schauten immerhin noch 1,43 Millionen Menschen zu. Im Schnitt wohlgemerkt. 2017 waren es nur noch 0,89 Millionen Fans. Rund eine halbe Million Anhänger hat die Serie also innerhalb von nur wenigen Jahren verloren.

Soweit der erste Blick. Aber natürlich gibt es auch immer den zweiten Blick. Dass sich das Zuschauer-Verhalten verändert hat, weg vom klassischen Fernsehen hin zu YouTube, Streaming-Diensten und Co. Dass die DTM selbst viele Fans vergrault hat, aber auch. Fakt ist auch, dass es seit 2015 zwei Rennen an einem Wochenende gibt und zum Beispiel der Sonntag 2017 immer noch 1,09 Millionen Fans im Schnitt vor den Fernseher lockte und es auch darauf ankommt, wann gesendet wird, nach dem Motto: Je später, desto besser der Zuspruch.

Will heißen: Es gibt viele Faktoren, die zu einer Quote beitragen. Unter dem neuen DTM-Chef Gerhard Berger wird fleißig gegen den Trend gearbeitet, der Österreicher weiß, dass der Kunde König ist. «Der Kunde heißt Fan», so der interne Grundsatz in der Tourenwagenserie. Und der Fan will unterhalten werden, eine gute Show sehen. «Den interessiert nicht, aus welchem Material die Pleuel gebaut sind, welche Verbrennungsprozesse im Motor ablaufen, wie die Aerodynamik im Detail funktioniert. Er kann es von Auto zu Auto auch gar nicht unterscheiden», so Berger.

Reduzierter Abtrieb

Es ist kein Wunder, dass viele Fans immer noch von den guten, alten Zeiten und den guten, alten Autos schwärmen. Die Uhr kann man zwar nicht komplett zurückdrehen, man kann aber Schnickschnack, Flügelchen und Ingenieurs-Wettrennen eindämmen. Was die DTM in diesem Winter auch tat, den Abtrieb um rund 30 Prozent reduzierte. Vielen geht das aber noch nicht weit genug, trotzdem ist es ein Schritt in die richtige Richtung.

Nun übernimmt Sat.1 von der ARD, die für ihre Art der Berichterstattung auch in der Kritik stand. Zu altbacken, zu langweilig, «ohne Herzblut», wie Berger vor einigen Monaten hinsichtlich des unglücklich verlaufenen Norisring-Rennens sagte. Sat.1 will sich mit Andrea Kaiser, Matthias Killing und Edgar Mielke nun mehr auf Vor- und Nachberichterstattung konzentrieren, wird 30 Minuten vor Rennstart beginnen und 15 Minuten für Interviews und Analysen nach der Zieldurchfahrt aufwenden.

Wie der Zuschauer das annimmt, wird man sehen. Die Fahrer freuen sich darauf. «Ich hoffe, dass Sat.1 die Typen ein bisschen mehr in den Vordergrund rückt und im Vorfeld und im Nachhinein mehr berichten kann», sagte Timo Glock ran.de: «Da würden wir Fahrer uns freuen, denn der Hauptfokus war sonst immer mehr auf dem Auto und auf den Herstellern. Die Fahrer sind aber die, die das Auto bewegen und die Show bieten.»

Eine Sorge der Fans: Zu viele Werbeunterbrechungen, nachdem man jahrelang die werbefreien Übertragungen der ARD gewohnt war. Fakt ist: Erlaubt sind zwölf Minuten pro Stunde, wie Sat.1 diese Marke ausreizt und die Werbeblöcke einsetzt, wird der Sender möglicherweise bei seinem «Warm up» am heutigen Donnerstag in München erläutern.

Neue Zielgruppen

Was sagt der DTM-Chef? Berger wollte zuletzt noch einmal betonen, «dass unser bisheriger Partner ARD einen hervorragenden Job gemacht hat. Aber ein öffentlich-rechtlicher Sender hat inhaltlich und programmlich ein ganz anderes Profil als ein Privatsender wie Sat.1. Sat.1 wird bei der Übertragung der Rennen nicht in der letzten Minute vor dem Start ein- und in der ersten Minute danach aussteigen. Sie werden deutlich mehr Sendezeit aufbringen. Und Sat.1 wird mit für die DTM neuartigen Content-Formaten helfen, mit dem Produkt DTM neue Zielgruppen zu erreichen», sagte er Sponsors.

Ob man die magische Millionen-Grenze knacken könne, werde sich zeigen, so Berger. «Sat.1 hat bekanntlich eine etwas geringere Reichweite als die ARD. Dafür hat der Sender ein deutlich jüngeres Publikum, ihn interessiert nur der Marktanteil bei der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen. Und junge Zielgruppen sind auch für die drei Automobilhersteller der DTM sehr interessant.» Sie müssen dann nur noch einschalten.

Die Entwicklung der TV-Quoten seit 2005:

2005: 1,94 Millionen
2006: 1,66 Millionen
2007: 1,44 Millionen
2008: 1,35 Millionen
2009: 1,39 Millionen
2010: 1,23 Millionen
2011: 1,43 Millionen
2012: 1,35 Millionen
2013: 1,20 Millionen
2014: 1,09 Millionen
2015: 1,01 Millionen
2016: 0,94 Millionen
2017: 0,89 Millionen

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