Formel 1

Noch ein neuer Motor: Formel 1 aus Schaden dümmer?

Von - 22.11.2014 08:41

Motorenhersteller und Teamchefs sind weiter tief zerstritten darüber, wie es mit den Antriebseinheiten 2015/2016 weitergehen soll. Jeden Tag kommen neue Schnapsideen auf den Tisch.

Die FIA-Pressekonferenz mit Team-Repräsentanten gestern in Abu Dhabi hat klargemacht: es wird so bald keinen Frieden im Motorenstreit geben, alle Beteiligten eint nur eines – ihre Uneinsichtigkeit zu einem Kompromiss.

Die Ausgangslage: Die Entwicklung der sündhaft teuren Antriebseinheiten (auf Wunsch der Autohersteller und der FIA eingeführt, um Serienrelevanz und Umweltbewusstsein vorweisen zu können), diese Entwicklung ist über die kommenden Jahre stufenweise eingeschränkt. Mittels eines Wertmarkensystems sind Änderungen an den Triebwerken erlaubt. Das Problem: Mercedes hat dank viel Gehirnschmalz und noch mehr Geld die deutlich beste Antriebseinheit gebaut, und die Gegner fürchten (völlig zu Recht), dass man auch in den kommenden Jahren hinterher fährt.

Seit dieser Befürchtung lobbyieren Renault und Ferrari sowie deren Teampartner für mehr Freiheiten bei der Entwicklung, Mercedes und deren Kunden sperren sich dagegen. Mercedes hatte angeboten, mehr Freiheiten bei der Entwicklung zu erlauben, das ging den Gegnern aber nicht weit genug.

Ferrari-Teamchef Marco Mattiacci: «Wir wissen nicht, wie es weitergeht. Also tun wir so, als werde sich überhaupt nichts ändern. Anders gesagt – wir bereiten uns auf die Saison 2015 vor, wie es derzeit im Reglement vorgesehen ist.»

Will heissen: Bis zum 28. Februar müssen die 2015er Motoren homologiert werden, bis zu 48 Prozent des Triebwerks dürfen verändert werden.

Nun lassen die Gegner von Mercedes erneut die Muskeln spielen. Falls Mercedes nicht zu Zugeständnissen willig sei, werde man für 2016 ein neues Motorenkonzept auf den Tisch knallen. Und zwar schon im Rahmen der Sitzungen der Strategiegruppe und der Formel-1-Kommission von kommender Woche.

Monatelang hatten selbst Insider, die es besser wissen müssten, wie Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone, von einer Rückkehr zu V8-Saugmotoren gefaselt. Die neuste Idee ist ähnlich unverständlich. Red Bull Racing-Teamchef Christian Horner: «Wir könnten uns für einen ganz anderen Motor starkmachen, einen vereinfachten V6-Turbo.»

Horner bezieht sich auf einen Einfall von Red-Bull-Motorsportchef Dr. Helmut Marko, dem ein Doppelturbo-V6 vorschwebt, allerdings entweder ganz ohne Hybridfunktion oder, wenn es denn unbedingt sein muss, mit einer vereinheitlichten Energierückgewinnung.

Natürlich geht den Autoherstellern bei dieser Idee der Hut hoch: sie haben für viele Millionen die derzeitige Hybridtechnik entwickelt, sie rühren damit die Werbetrommel, und die soll nun wieder über Bord geschmissen werden? Undenkbar ...

Mercedes-Motorsportdirektor Toto Wolff kann nur den Kopf schütteln: «Da reden wir ständig vom Kostensenken, und dann ist die Rede von mehr Entwicklung und anderen Motoren. Da kann sich die Formel 1 ja gleich das eigene Grab schaufeln.»

Natürlich erklärt auch niemand, wer die Kosten für geänderte V6-Turbos tragen müsste. Es ist davon auszugehen, dass auch sie auf die Kunden abgewälzt würden, die heute schon vom Aufwand für die Antriebseinheiten an den Rand des Ruins getrieben werden.

Fazit: Alle Motorenhersteller haben damals das Reglement akzeptiert. Renault hatte sogar gedroht, aus der Formel 1 zu verschwinden, wenn man nicht serienrelevante Motoren baue. Was kann Mercedes dafür, wenn Renault und Ferrari weniger effiziente Antriebseinheiten bauen?

Hybridtechnik einführen und dann wieder über Bord kippen, wäre die perverseste Form der Geldverbrennung in der Formel 1.

Und wie üblich schaut der Autoverband FIA bei den ganzen Streitigkeiten nur zu.

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Muss bei Renault bald an Doppelturbo-Technik gearbeitet werden? © Renault Muss bei Renault bald an Doppelturbo-Technik gearbeitet werden?
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