Moto2

22 Jahre Kiefer Racing: Titel, Skandale, Tragödien

Von - 28.12.2018 17:24

Trotz vieler Widerstände betreibt Jochen Kiefer seit 1998 ein professionelles Rennteam, selbst der tragische Verlust seines Bruders Stefan zwang Kiefer Racing nicht in die Knie.

Nach dem dem plötzlichen Tod von Teamchef Stefan Kiefer im Oktober 2017 stand der Fortbestand des deutschen WM-Teams Kiefer Racing auf der Kippe. Doch typisch Kiefer wurde mit Leidenschaft und Hingabe eine Lösung gefunden, um das seit 1998 existierende Rennteam am Leben zu erhalten.

Die Brüder Jochen und Stefan starteten mit Christian Gemmel in der IDM 250, die sie 2002 mit Gemmel gewannen. Der Schritt in die 250er-WM war die logische Folge. Bestes GP-Ergebnis in der Anfangsphase in der 250-ccm-WM: Platz 7 durch Anthony West auf dem Sachsenring 2006. Wegen der geringen Erfolgsaussichten und der hohen Kosten in der 250er-Klasse erfolgte für 2008 der Wechsel in die 125er-WM.

Stefan Bradl, der 2007 für das spanische Blusens BQR Aprilia-Team fuhr, wurde als deutsches Talent engagiert und in die Achtelliter-WM 2008 geschickt, mit Sponsorgeld von Grizzly. In der Saison 2009 wurden die ersten WM-Erfolge gefeiert: zwei 125-ccm-GP-Siege durch Bradl in Brünn und Motegi. Bradl wurde WM-Vierter; Viessmann stieg für drei Jahre als Hauptsponsor ein. Nach dem neunten WM-Rang Bradls von 2009 (125 ccm) wurde der Aufstieg in die Moto2 ins Auge gefasst.

2010 erfolgte mit Stefan Bradl der Einstieg in die neue Moto2-Weltmeisterschaft, Bradl steuerte eine Suter MMX2 und glänzte im Kiefer-Team gleich beim Auftakt in Katar mit Bestzeiten in den freien Trainings und dem dritten Startplatz. Im Oktober feierte er mit Kiefer Racing seinen ersten Moto2-GP-Sieg in Estoril/Portugal. Mit vier weiteren Siegen triumphierten Kiefer und Bradl 2011 in der Moto2-WM gegen Marc Márquez, das Team war von Suter auf Kalex umgestiegen und siegte gleich beim ersten Rennen in Katar souverän. Der zweite Teamplatz wurde damals dem Grand Prix Team Switzerland mit Fahrer Randy Krummenacher überlassen.

Nach Bradls Moto2-Titelgewinn wäre Kiefer Racing gerne mit Bradl und Honda in die MotoGP-WM aufgestiegen, aber das Budget von 5 bis 6 Millionen Euro ließ sich nicht auftreiben. Also wurde Max Neukirchner für die Moto2-WM 2012 engagiert, es folgten magere Jahre in der Moto2- und dann 2013 und 2014 in der Moto3-WM auf Kalex-KTM mit Fahrern wie Florian Alt, Gabriel Ramos, Luca Grünwald und Toni Finsterbusch. Doch für 2015 wurde ein Joint Venture mit Leopard Racing vereinbart, Kiefer gewann mit Danny Kent auf Honda die Moto3-WM.

Inzwischen hatten die Brüder das Motorradgeschäft längst verkauft, die Zweifachbelastung mit dem Rennsport war zu groß geworden. Stefan Kiefer hatte eine Familie gegründet und sich im Bautzen (Sachsen) niedergelassen.

2016 verlangte Leopard den Umstieg in die Moto2-WM mit Kalex, die Ergebnisse von Miguel Oliveira und Danny Kent hielten sich in bescheidenem Rahmen, für 2017 verlängerte Leopard den Vertrag mit Kiefer Racing nicht.

Wieder einmal stand das Team vor dem Nichts, die Budgetsorgen von Stefan und Jochen Kiefer erstreckten sich schon über einige Jahre. Es wurde dann eine Vereinbarung mit Suter Industries getroffen und mit Suter die Rückkehr in die Moto2-WM vereinbart. Fahrer: Domi Aegerter und Danny Kent. Suter stand für einen Großteil des Budgets gerade. Es musste an allen Ecken und Enden gespart werden.

Die Saison 2017 verlief turbulent. Fahrer Danny Kent verabschiedete sich nach dem Warm-up in Texas, er wurde durch Tarran Mackenzie ersetzt, der keine Punkte holte. Domi Aegerter sorgte mit dem Sieg in Misano für ein Highlight, doch bei einer Kontrolle wurden unerlaubte Zusatzstoffe im Motoröl aufgespürt – der Sieg wurde dem Schweizer und Kiefer Racing aberkannt. Aegerter hatte zuvor für 2018 verlängert. Der tragische Verlust von Stefan Kiefer am Sepang-Wochenende kam zur Unzeit, denn zeitgleich wurde über den Verkauf des Teams verhandelt.

So hörte der Kummer für Kiefer nicht auf. Der Deal mit David Pickworth, der mit dem Geld eines russischen Oligarchen das Kiefer-Team übernehmen wollte, scheiterte kolossal. Es musste ein neuer Hauptsponsor gefunden werden, der zweite Teamplatz war nicht gesichert, so scheiterte die Rückholung von Sandro Cortese, der mit 15 Jahren bei Kiefer in der 126er-WM debütiert hatte.
Mit einem Kraftakt wurde die Moto2-Saison 2018 mit einer KTM und Dominique Aegerter gestemmt. Der Rohrbacher sammelte 47 Punkte und beendete die Saison auf WM-Rang 17. Aegerter erreichte Platz 6 auf Phillip Island als Highlight, elfmal fuhr er in die Top-15.

Durch die Verletzung von Aegerter bei den Meetings in Jerez und Le Mans wurden die Weichen für 2019 gestellt. Aegerter wurde vom 18-jährigen Deutschen Lukas Tulovic ersetzt, der bei Teameigentümer Jochen Kiefer eine ansprechende Talentprobe ablieferte. Seit dem Sommer bemühten sich Kiefer und Tulovic-Manager Peter Bales, genug Geld für eine gemeinsame WM-Saison zu finden. Jochen Kiefer hat auf die vier Übersee-Rennen verzichtet, um das Budget für 2019 sicherzustellen.

Ursprünglich versuchte Kiefer, für das kommende Jahr einen zweiten Moto2-Platz zu bekommen und 2019 mit Aegerter und Tulovic in die WM zu ziehen. Aber das Selektions-Komitee stellt keinen zweiten Platz zur Verfügung, und als die Ergebnisse von Aegerter nicht besser wurden, zeichnete sich die Trennung vom Schweizer ab, der 2018 nach dem gescheiterten Verkauf des Teams an Pickworth einen Großteil des Budgets übernommen hatte.

Im November wurde die Saison 2019 mit Tulovic unter Dach und Fach gebracht. Den Rheinländer wird zugetraut, in die Fussstapfen grosser Namen des deutschen Motorradrennsport zu treten.
 
Er ist vor drei Jahren über den Yamaha R6 Cup in die Moto2-European Championship gekommen. 2018 fuhr er zweimal auf das Podium und belegte Endrang 8. Eine Pole-Position beim Meeting in Estoril 2017 zählt ebenfalls zu seinen Errungenschaften.

Beim EM-Saisonfinale am Wochenende in Valencia fehlte Tulovic, denn zum gleichen Zeitpunkt lernt er beim ersten Test der neuen Saison in Jerez die 2019-KTM-Moto2 des Kiefer Teams mit dem neuen 765-ccm-Dreizylinder Triumph-Motor kennen. Diese Aggregate lösen die bisherigen Honda-Einheitstriebwerke ab.


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