Der Supermarkt als Boxengasse – eine Region feiert die MotoGP
Ab Freitag dröhnen auf dem Sachsenring die Motoren. Die MotoGP ist für die Region längst mehr als ein Rennwochenende – sie ist ein wichtiger Wirtschaftsmotor. Das Erlebnis beginnt schon im Supermarkt.
Die MotoGP beginnt nicht erst, wenn die MotoGP-Teams ihre Hospitalitys aufgebaut haben. Wer dieser Tage durch die Einzelhändler der Region rund um den Sachsenring einkaufen geht, stößt zwischen den Regalen möglicherweise auf themenbasierte Dekoration, die auf das kommende Wochenende hindeutet. So stellt ein großer Lebensmittelhändler nahe Chemnitz eine KTM RC16-Replika auf.
Ungefähr 130 Millionen Euro Wertschöpfung an einem Wochenende
Nach Studien des MotoGP-Vermarkters MSEG (ehemals Dorna), sorgen die Besucher eines Grand Prix im Schnitt für eine Wirtschaftskraft von rund 119 Millionen Euro in der Region. Weitere acht Millionen Euro entstehen durch die rund 4000 Personen aus Organisation und Teams. Unter dem Strich spült die größte Motorsportveranstaltung Deutschlands rund 130 Millionen Euro in die Kassen der Umgebung: Das umfasst die Gastronomie über die Hotellerie bis zu Tankstellen, Supermärkten und Campingplätzen.
Das Einzugsgebiet ist im Laufe der Jahre gewachsen. Inzwischen reichen die Übernachtungen bis weit nach Thüringen hinein und bis an die deutsch-tschechische Grenze. Wer am GP-Wochenende ein freies Hotelbett sucht, muss früh dran sein, viele Hotels in der nächstgrößeren Stadt Chemnitz sind eine Woche vor Beginn der Sachsenring-Party ausgebucht, oder man zahlt für die verbliebenen Zimmer einen ordentlichen Aufpreis. Neben Hotelbetten ist auch die mediale Strahlkraft enorm – in einer früheren Erhebung der MSEG wird der Gegenwert mit 23 Millionen Euro angegeben.
Günstige Ticketpreise und leichter Rückenwind aus der Politik
Die Ticketpreise sind immer noch günstig im europäischen Vergleich. Die 3-Tages-Stehplatzkarte kostet 110 Euro. Zum Vergleich: In Silverstone kostet ein Stehplatz umgerechnet rund 170 Euro. Wer nur mal MotoGP-Luft schnuppern will, kann dies auch am Freitag machen, da kostet das Tagesticket nur 40 Euro. Die niedrigen Preise sind für den Veranstalter ein Problem: Bleiben die Zuschauer aus, droht ein Verlustgeschäft. Seit Jahren sind die Tribünenplätze aber fast ausverkauft.
Politisch gibt es Unterstützung aus dem Freistaat. Regelmäßig lässt sich Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer am Sachsenring blicken. Für ihn ist Sachsen ein erklärtes «Motorsportland». Der Grand Prix finanziert sich zum Großteil selbst. Der Freistaat hilft, doch die volle Antrittsgebühr, wie sie andere Staaten übernehmen, gibt es nicht. Der Ruf wird deshalb lauter, dass auch der Bund die Bedeutung dieses Events anerkennt und sich finanziell beteiligt. Immerhin: Bis 2031 ist die MotoGP am Sachsenring vertraglich gesichert. 2027 feiert die Kultrennstrecke ihren 100. Geburtstag. Und vielleicht knackt man am kommenden Wochenende erneut die Marke von 250.000 Besuchern.
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