Jack Miller vor MotoGP-Abschied: Eine ungewöhnliche GP-Karriere endet
Jack Millers Zukunft ist geklärt: 2027 wechselt der Australier mit Yamaha in die Superbike-WM. Damit endet nach zwölf Jahren eine außergewöhnliche MotoGP-Karriere mit vier Siegen.
Wenn die MotoGP am kommenden Wochenende in Misano zur 14. von 22 Saisonstationen antritt, beginnt für Jack Miller endgültig der Countdown. Nur noch neun Grand-Prix-Wochenenden verbleiben dem Australier in der Königsklasse,
Damit endet eine der ungewöhnlichsten MotoGP-Karrieren der jüngeren Vergangenheit. Miller kam 2015 auf einem Weg in die Königsklasse, der heutzutage kaum noch vorstellbar ist: Der Australier übersprang die Moto2 komplett und stieg direkt von der Moto3 in die MotoGP auf.
Mutig: Honda bot Miller einen Dreijahres-Vertrag in der MotoGP
In der Moto3-Saison 2014 hatte Miller mit Red Bull KTM Ajo sechs Grands Prix gewonnen und bis zum Saisonfinale um den WM-Titel gekämpft. Am Ende musste er sich Alex Marquez um lediglich zwei Punkte geschlagen geben. Honda erkannte dennoch sein Potenzial und wagte mit dem damals 20-Jährigen den direkten Sprung in die Königsklasse.
Seine Rookie-Saison 2015 verlief erwartungsgemäß schwierig, was aber auch auf die unterlegene Honda RC213V-RS zurückzuführen war. Doch bereits im folgenden Jahr sorgte Miller, der mittlerweile eine echte MotoGP-Honda fuhr, für eine der großen Überraschungen. Beim verregneten Grand Prix in Assen setzte er sich gegen die etablierte Weltelite durch und feierte mit der Honda des Marc-VDS-Teams seinen ersten Sieg in der Königsklasse.
Der Erfolg blieb während seiner Honda-Zeit ein einzelnes Highlight. Den entscheidenden Schritt nach vorn machte Miller nach seinem Wechsel zu Pramac-Ducati für die Saison 2018. Bereits beim zweiten Rennwochenende in Argentinien eroberte er seine erste MotoGP-Pole. 2019 folgten fünf Podestplätze, 2020 kamen vier weitere hinzu.
Seine Leistungen überzeugten Ducati, Miller für 2021 ins Werksteam zu befördern. Gemeinsam mit Francesco Bagnaia bildete er zwei Jahre lang die Fahrerpaarung der Italiener. Seine erste Saison in Rot wurde gleichzeitig seine erfolgreichste in der Gesamtwertung.
Drei MotoGP-Siege als Ducati-Werkspilot
Nach einem schwierigen Saisonstart gelangen Miller 2021 innerhalb von nur sieben Tagen zwei Siege. Zunächst triumphierte er in Jerez, anschließend auch in Le Mans. Mit insgesamt fünf Podestplätzen beendete er die Weltmeisterschaft auf Position 4 – besser sollte er eine MotoGP-Saison nicht mehr abschließen.
Auch 2022 gehörte Miller regelmäßig zur Spitzengruppe. Sieben Podestplätze standen am Saisonende zu Buche. Beim Grand Prix von Japan in Motegi dominierte der Australier und feierte seinen vierten und bislang letzten MotoGP-Sieg. Die Saison beendete er als WM-Fünfter.
Trotz seiner Erfolge gab es im Ducati-Werksteam für Miller keine Zukunft. Für 2023 wechselte er zu Red Bull KTM und bildete dort gemeinsam mit Brad Binder das Werksduo. Der Start verlief vielversprechend: In Jerez stand Miller im Sprint und im Grand Prix auf dem Podium, auf dem Sachsenring folgte ein weiterer Podestplatz im Sprint.
Doch an die Erfolge seiner Ducati-Zeit konnte Miller mit der RC16 nicht mehr anknüpfen. Nach einer schwierigen Saison 2024 verlor er seinen Platz im KTM-Werksteam. Zeitweise stand sogar infrage, ob seine MotoGP-Karriere bereits nach zehn Jahren enden würde.
Pramac verlängerte Millers MotoGP-Karriere
Ausgerechnet sein ehemaliges Pramac-Team eröffnete ihm eine neue Chance. Nach der Trennung von Ducati verbündete sich die Mannschaft von Paolo Campinoti mit Yamaha und holte Miller für 2025 zurück. Für den Australier bedeutete das gleichzeitig den Wechsel zum vierten Hersteller seiner MotoGP-Karriere nach Honda, Ducati und KTM.
Der sportliche Erfolg blieb mit der unterlegenen Yamaha überschaubar. Platz 5 in Austin war Millers bestes Ergebnis der Saison 2025. Auch mit der neuen V4-Yamaha gelang 2026 bislang nicht die erhoffte Rückkehr an die Spitze. Nach 13 Rennwochenenden liegt der Australier mit 28 Punkten auf WM-Rang 19.
Ende August bestätigte Yamaha schließlich, dass die Zusammenarbeit im MotoGP-Projekt nach der Saison endet. Für 2027 setzt Pramac neben Toprak Razgatlioglu auf Moto2-Eigengewächs Izan Guevara – und Miller entschied sich gegen einen Abschied vom Rennsport.
Stattdessen beginnt für «Jackass» in der Superbike-WM ein neues Kapitel. Miller bleibt Yamaha verbunden und wechselt ins Werksteam der seriennahen Weltmeisterschaft, wo er die R1 von Xavi Vierge übernimmt. Neben den Rennen in der Superbike-WM winken weitere Einsätze bei den 8 Stunden von Suzuka, die Miller sehr genießt.
Seine MotoGP-Bilanz kann sich schon jetzt sehen lassen. Seit seinem außergewöhnlichen Direkteinstieg 2015 feierte Miller vier Grand-Prix-Siege, stand 23-mal auf dem Podium und eroberte zwei Pole-Positions. Vor allem seine Ducati-Jahre zwischen 2018 und 2022 machten ihn zu einem regelmäßigen Anwärter auf Podestplätze.
Noch ist seine Geschichte in der MotoGP aber nicht ganz zu Ende geschrieben. Beginnend mit Misano folgt für Miller ein spannender MotoGP-Herbst und die Chance, seiner zwölfjährigen Karriere in der Königsklasse ein letztes Highlight hinzuzufügen.
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