Rookie Leo Rammerstorfer: Anerkennung für Uriarte, Bewunderung für Marquez
Österreichs Rennsport-Hoffnung Leo Rammerstorfer erlebte eine ereignisreiche erste Saisonhälfte als Moto3-Debütant. Zur Sommerpause schilderte der Honda-SIC58-Pilot SPEEDWEEK.com seine Eindrücke.
Lange sah es im vergangenen Winter nach einer kompletten Nullnummer für die deutschsprachige Rennsportfraktion aus. Doch als 2026 erst wenige Tage alt war, verkündete Paolo Simoncelli die Verpflichtung von Leo Rammerstorfer aus der Nähe von Linz. Nach der Verletzung des Schweizers Noah Dettwiler hatte sich die Chance für das Andockmanöver in der angesehenen Squadra SIC58 ergeben.
Stürmische erste Phase mit WM-Punkten
Nur Wochen nach dem Engagement ging es zur Feuertaufe auf die für alle Neulinge unbekannte Piste von Buriram in Thailand. Durchaus verblüffend holte Rammerstorfer auf der ebenfalls noch wenig vertrauten Moto3-Honda gleich im ersten Rennen einen WM-Punkt. Als beim zweiten Event in Goiania die Honda mit der Nummer 5 das Zeittraining auf Rang 9 abschloss, war der Rookie aus Österreich das Moto3-Gespräch des Tages. Doch bei den Rennen in Süd- und Nordamerika gab es statt weiteren Punkten nur Prellungen.
Erst im Regen-GP von Le Mans ging es wieder voran – Platz 13 auf der glitschigen Traditionspiste in Frankreich. Doch das war es dann auch schon mit den Erfolgserlebnissen. Zwar kämpfte der Rookie munter im Feld, doch weitere WM-Punkte, geschweige denn ein außergewöhnliches Highlight, blieben dem bereits 21-Jährigen verwehrt. Beim letzten GP auf dem Sachsenring stritt sich der SIC58-Schützling eifrig mit GP-Sieger Guido Pini – und verpasste einen WM-Punkt um Hundertstel.
Als 24. der WM-Tabelle und damit in der harten Moto3-Realität angekommen, traf SPEEDWEEK.com den Neueinsteiger für einen Austausch zur ersten Hälfte der Debüt-Saison.
Leo Rammerstorfer über den starken Einstand auf den Pisten in Übersee:
«Ich glaube, dass es mir sehr entgegenkam, dass ich die Strecken zu Beginn nicht kannte. Ich hatte keine Vorprägung und keine Referenzen von anderen Bikes wie dem Rookies-Motorrad. Ich bin los – und habe einfach versucht, das Beste aus jeder Session zu machen.»
… über die ersten Abflüge:
«Ja – die waren hart. Aber ich habe Glück gehabt, dass ich keine argen Verletzungen hatte. Nach dem Crash in den USA habe ich auch Fehler gemacht in der Regeneration – aber auch daraus habe ich gelernt. So versuche ich, mich Stück für Stück in allen Bereichen zu verbessern.»
… zum Umstieg auf die Moto3-Honda:
«Ich kannte die Honda vorher gar nicht und, um ehrlich zu sein, der Unterschied war doch deutlich größer als vermutet. Dabei ging und geht es weniger um besser oder schlechter – es ist vor allem ganz klar anders. Die Honda und die KTM haben so gut wie gar nichts gemeinsam. Und ich denke auch, das ist auch ein Teil meines Problems auf einigen Strecken, die wir jetzt in Europa gefahren sind. Ich weiß, wie man diese mit einer KTM fährt – aber das hilft mir ja nicht. Mir fehlt noch etwas Erfahrung mit der Honda, aber wir sind auf dem richtigen Weg und ich sehe Verbesserungen.»
… über gesteckte Ziele:
«Zu Beginn der Saison ging es mir darum, nicht Letzter zu werden. Dann wurde nach oben korrigiert in die Top 20. Ich bin auch Realist und werde 2026 kein Rennen gewinnen. Aber ich spüre auch, dass noch sehr viel mehr in mir steckt. Ich möchte deswegen auch unbedingt für ein zweites Jahr in der Klasse kämpfen.»
… über Teamkollege Casey O’Gorman:
«Wir kommen auf jeden Fall gut miteinander aus, tauschen uns aus – und auch wenn er nicht der allergesprächigste ist, er ist ein guter Typ und man kann mächtig Spaß mit ihm haben. Aber fest steht ja auch: Er ist auch der, den es zu besiegen gilt.»
… und andere starke Moto3-Piloten:
«Ich bin beeindruckt von Brian Uriarte. Er ist schon jetzt ein sehr kompletter Fahrer. Wir kennen uns auch etwas besser aus der Vergangenheit und gemeinsamen Trainings. Aber ich denke auch, dass es nicht sehr gut ist, Piloten in der eigenen Klasse zu bewundern. Das mache ich nur bei Marc Marquez. Für mich spielt er in Sachen Motorrad in einer anderen Liga.»
… über den Leistungsdruck als WM-Pilot:
«Der ist jetzt auf jeden Fall höher. Im Vergleich zu den Rookies geht es anders zu, auch weil das Interesse höher ist. Für mich ist es normal, man muss damit umgehen. Ich versuche, auf jeden Fall immer auch jede Session zu genießen und mir bewusst zu machen, warum ich hier bin.»
… über KTM als Österreicher.
«Jetzt gerade denke ich da nicht sehr viel drüber nach. Ich bin in einem sehr guten Team und ich will mich steigern. Aber ja – man könnte schon sagen, dass es ein Traum wäre, in der WM irgendwann mit einem Hauptsponsor aus Österreich auf einer KTM zu starten.»
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