Reifenwahl sorgt für Wirbel: Reaktion vom Promoter, Ansage von Michelin
Auch dank des neuen Asphalts in Motegi wirft das immer prominente Reifenthema noch größere Fragen auf. Ausrüster Michelin hat Antworten, die nach dem MotoGP-Sprint auch Änderungen am Sonntag bringen.
Reifen – ein Dauerthema. Die sensiblen Hochleistungsgummis spielen grundsätzlich eine Hauptrolle im Fahrerlager. Beliebt sind die Gespräche bei der Mehrheit der MotoGP-Community nicht, allein aus dem Grund, weil die Materie auch für eine ausufernde Komplexität steht und schlichtweg nur sehr eingeschränkt nachvollziehbar ist. Für Piloten ist das Reifenthema aber unverzichtbarer Dauergesprächsstoff im Austausch mit den Technikern.
Während des Japan-GP ist die Gummidebatte ausgeufert. Ausnahmslos jeder Pilot berichtete vor und nach dem Sprintrennen überdimensional zur alles entscheidenden Verbindung mit dem Untergrund. Der – und das ist ein Hauptgrund – ist auf der Rennstrecke von Motegi für das 2026er-Event neu aufgelegt worden. Mangels Erfahrungen aus Tests gilt es, die verfügbaren Reifentypen in Einklang mit Motorrad, Strecke und Rahmenbedingungen zu bringen.
Weich, medium, hart
Trotz Annahmen und hoher technischer Expertise auf Seiten von Reifen- und Motorradherstellern zeigen sich in Motegi die Tücken bei Auswahl und Abstimmung. Der Sprint lieferte etliche Beispiele, zwei stachen heraus. Ducati-Werksfahrer Pecco Bagnaia, Seriensieger in Motegi, hatte sich mit seiner Crew wie nahezu alle Fahrer für das Rennen über 12 Runden für die weichste der drei möglichen Versionen entschieden.
Nach zwei Dritteln hatte sich die Mischung so aufgeheizt, dass an ein Weiterfahren nicht zu denken war – Aufgabe nach einem Reifendefekt, so die unrühmliche Nachricht. Marco Bezzecchi, der sich der Hitzeentwicklung bewusst war, griff nach reiflicher Überlegung gleich im Sprint zum Medium-Reifen. Das Ergebnis: Bezzecchi fiel auf Platz 6 zurück und hatte dennoch nach dem Rennen ebenfalls erste Blasen auf der hinteren Slick-Walze.
Die Situation wird noch spezieller, wenn man Reifenausrüster Michelin hinzuzieht. Denn während Teams und Piloten offensichtlich seit dem FP1 am Freitag permanent zwischen «soft» und «medium» abwägen, haben die Franzosen eine eigene Sicht.
Michelin war vorbereitet
Im Austausch mit SPEEDWEEK.com erklärte Rennsportchef Piero Taramasso ausführlich: «Wir wissen um die hohen Anforderungen der Strecke in Motegi – und wir wussten, dass es einen neuen Asphalt gibt. Da wir nicht testen können, haben wir uns speziell auf den Japan-GP vorbereitet und eine dritte, härtere Variante zur Verfügung gestellt.»
Taramasso zu der Besonderheit: «Die harte Spezifikation besitzt hingegen nur einen härteren Unterbau, die Gummimischung ist identisch mit der weichen Spezifikation. Wir haben dies bereits am Donnerstag mit allen Teams besprochen – und diesen Typ auch empfohlen, in jedem Fall für das GP-Rennen.»
Die auftretenden Probleme mit dem «soften» Reifen sind also keine Überraschung. Michelin-Sportchef Taramasso: «Wir wussten, dass der weiche Reifen hier in Sachen Temperatur am Limit sein wird – und haben das noch vor der Session mitgeteilt.» In der Praxis wurden Tipps der Franzosen jedoch überhört, man verließ sich auf die eigenen Erkenntnisse.
Um den Sicherheitsgedanken zu unterstreichen, betonte Michelin-Manager Taramasso: «Fakt ist: Die Reifen, in allen Spezifikationen, sind insofern immer sicher, als der Unterbau immer ausreichend stabil ist. Nur der Gummi auf der Lauffläche reagiert auf die Hitzebeanspruchung. Dreht der Reifen zu viel durch, beginnt sich die Oberfläche zu öffnen.»
Während Michelin für den Sprint den Medium und für den GP den harten Reifen (mit weicher Gummimischung) als erste Option sieht, dachten und denken die Teams an Soft für den Sprint und Medium für das doppelt so lange GP-Rennen.
Konsequente Entscheidung: «Soft» ist für den GP aus dem Rennen
Nachdem drei Piloten massive Probleme mit dem weichen Reifen hatten und selbst mit «medium» ausgerückte Piloten erste Anzeichen von Auflösung an der Oberfläche zeigten, erhob Michelin die Stimme. Taramasso: «Wir haben uns mit der MotoGP-Gruppe darauf verständigt, dass der weiche Reifen für den Grand Prix gar nicht mehr zulässig ist. Dazu empfehlen wir ausdrücklich jenen Reifen, den wir als spezielle Variante mit nach Japan genommen haben. Die letzte Entscheidung, ob medium oder hart, die liegt weiterhin bei Fahrer und Team.»
In Folge reagierte der MotoGP-Promoter mit einer Anpassung des Zeitplans am Sonntag. Um den Piloten die Chance zu geben, sich mit dem empfohlenen (aber bislang ignorierten) Material vertraut zu machen, wurde die Zeit für das Warm-up verdoppelt. Nun stehen 20 Minuten vor dem Großen Preis von Japan zur Verfügung.
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