Neue Rallye-Ära: Project Rally One zeigt als Erster sein WRC27-Auto
Die erste große Überraschung der WRC27-Ära kommt aus Belgien: Project Rally One hat seinen künftigen WRC-Boliden präsentiert – und ist damit sogar Toyota zuvorgekommen.
Das Timing ist eine Ansage. Während die Weltmeister von Toyota ihr WRC27-Projekt bislang vor allem hinter verschlossenen Türen entwickeln, stellt Project Rally One sein Auto ins Rampenlicht. Der belgische Newcomer um Lionel Hansen präsentiert als erster privater Konstrukteur der neuen Ära seinen künftigen Wettbewerbswagen.
Anfang September rollte der Prototyp erstmals aus eigener Kraft auf die Teststrecke. Das Team unternahm erste Testfahrten in Frankreich und Deutschland. Größere technische Probleme blieben aus. Anschließend übernahm Stephane Lefebvre die Entwicklungsarbeit zuletzt in den Vogesen.
Hinter Project Rally One steht Lionel Hansen. Der Belgier will mit seinem kleinen Team die neue Offenheit des WRC27-Reglements nutzen und sich als unabhängiger Konstrukteur in der Rallye-WM etablieren.
«Das Projekt Rally One befindet sich nun in der Endphase der Entwicklung und vor der Homologation des Fahrzeugs, die für den 1. November geplant ist», erklärt Hansen bei der Präsentation des Fahrzeug. «Wir haben gerade fünf Tage Asphalt-Testfahrten absolviert und dabei 750 Kilometer zurückgelegt, ohne auf das geringste Zuverlässigkeitsproblem zu stoßen, während das Fahrzeug die von uns erwartete Leistung erbracht hat. Sobald die Homologation abgeschlossen ist, werden wir nächste Woche weitere Testfahrten durchführen.»
Diese erfolgen erneut auf Asphalt, bevor im Oktober auf Schotter gewechselt wird. Neben Entwicklungsfahrer Stéphane Lefebvre wird dann auch der frisch gebackene Rallye-Europameister Teemu Suninen hinter dem Steuer des neuen Boliden sitzen.
Das Projekt liegt im Zeitplan. Ziel ist es, zwei Fahrzeuge bei der Rallye Monte Carlo 2027 an den Start zu bringen. Dann muss sich zeigen, ob das Auto nicht nur spektakulär aussieht, sondern auch zuverlässig funktioniert. Fahrwerk, Dämpfer, Geometrie, Bremsen, Differenziale, Kühlung, Elektronik und Aerodynamik stehen auf dem Prüfstand.
Die Voraussetzungen für das Projekt hat die FIA geschaffen. Die bisherige Rally1-Generation läuft Ende 2026 aus. WRC27 soll die Topklasse kostengünstiger und für neue Konstrukteure zugänglicher machen. Eine gemeinsame Rohrrahmen-Sicherheitszelle bildet die technische Basis. Dazu kommen Allradantrieb, Doppelquerlenker und ein 1,6-Liter-Turbomotor mit rund 290 PS. Triebwerk und Getriebe sind vom Skoda Fabia RS Rally2 abgeleitet. Ein konkurrenzfähiges Asphaltfahrzeug soll maximal 345.000 Euro kosten. Für Project Rally One ist das die Eintrittskarte.
Am 20. Januar 2027 beginnt die neue WM-Saison mit der Rallye Monte Carlo. Für eine völlig neue Fahrzeuggeneration ist die Rallye mit Asphalt, Nässe, Eis und Schnee gleich eine der härtesten denkbaren Bewährungsproben.
Hansen will deshalb spätestens am 1. November entscheiden, ob der Start beim WM-Klassiker realistisch ist. Parallel zur Entwicklung müssen deshalb Produktion und Beschaffung anlaufen. Partner wie Faster Racing, WRT Manufacturing, Marelli Motorsport, Multimatic und OMP Racing sind in das Vorhaben eingebunden.
Insgesamt fünf WM-Einsätze sind geplant. «In der ersten Saisonhälfte wollen wir uns noch auf Asphaltrallyes konzentrieren», erläutert Alain Penasse, Sportdirektor und strategischer Leiter von Project Rally One, «danach wollen wir auch auf losem Untergrund am Start stehen».
Toyota hat beim technischen Vorsprung zweifellos andere Voraussetzungen. Der japanische Hersteller entwickelt seinen WRC27-Prototypen bereits seit 2025.
Doch Project Rally One hat sich einen symbolischen Vorsprung gesichert. Die Belgier haben ihr Auto zuerst gezeigt. Jetzt müssen sie beweisen, dass es nicht nur das erste ist – sondern auch bereit für die erste Wertungsprüfung.
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