Formel 1

FP1 Kanada: Hamilton top, Motor-Sorgen für Bottas?

Von - 07.06.2019 17:30

Den ersten Trainingseinsatz hat Lewis Hamiltons neuer Mercedes-Motor ohne Probleme überstanden: Der fünffache Weltmeister war im ersten freien Training zum Kanada-GP der Schnellste.

Die grosse Frage vor dem siebten Rennwochenende in Kanada lautet: Reicht der Ferrari-Topspeed, um in Montreal ein echter Gegner für die Silberpfeile zu sein, die mit einer neuen Motor-Ausbaustufe angreifen? Der frühere GP-Pilot und heutige Sky Sports F1-Experte Martin Brundle sagt dazu: «Mercedes spricht von einer Riesenherausforderung aber sie werden sicherlich vorne dabei sein, man darf Mercedes nie ausser Acht lassen. Und Ferrari muss das Maximum herausholen und sich nicht selbst im Weg stehen. Mercedes hat Ferrari unter Druck gesetzt und in solchen Situationen haben sie bisher nicht die richtigen Entscheidungen gefällt.»

Der Brite bleibt dennoch zuversichtlich: «Ich will nicht sagen, dass dies ein Ferrari-Wochenende wird, aber diese Strecke passt etwas besser zum roten Auto als vielleicht Monza oder Spa. Wir wissen, dass Ferrari viel Power hat und gerade auf den Geraden schnell unterwegs ist. Sie haben hier auch im vergangenen Jahr die Pole geholt und gewonnen.»

Vorerst ging es im ersten freien Training aber darum, den Dreck von der Piste zu fahren, entsprechend gemächlich gestaltete sich der Start. Die GP-Piloten bei knapp 18 Grad Celsius Aussentemperatur in Angriff nehmen. Die 4,361 km lange Piste hatte sich auf rund 28 Grad aufgeheizt, als Carlos Sainz, Antonio Giovinazzi und Kevin Magnussen gleich zu Beginn der Session ausrückten. Auch Williams-Rookie George Russell liess sich nicht lange bitten, genauso wie Rückkehrer Daniil Kvyat, McLaren-Rookie Lando Norris und Haas-Routinier Romain Grosjean.

Toro Rosso-Talent Alex Albon war der letzte der drei GP-Neulinge im Feld, der sich auf dem Circuit Gilles Villeneuve blicken liess. Aber auch der Brite rückte bereits in den ersten Minuten zur ersten Installationsrunde aus. Dabei erntete er nicht ganz so viel Jubel wie das Ferrari-Duo Sebastian Vettel und Charles Leclerc, das sich nach knapp vier Minuten erstmals zeigte.

Etwas mehr Zeit liessen sich die Mercedes-Teamkollegen Lewis Hamilton und Valtteri Bottas sowie Red Bull Racing-Star Max Verstappen, die erst nach 20 Minuten ihre ersten Runden drehten. Die erste Rundenzeit brannte Norris in den Asphalt. Der 19-jährige Brite legte die 4,361 km in 1:23,598 min zurück und wurde gleich verdrängt, nachdem sich auch Nicholas Latifi eine Rundenzeit hatte notieren lassen. Der Lokalmatador durfte im Williams-Renner von Robert Kubica ausrücken und erlebte gleich zu Beginn eine Schrecksekunde, weil ihm ein Murmeltier vors Auto lief. Latifi konnte dem Tier gerade noch ausweichen.

Valtteri Bottas und Lewis Hamilton wechseln sich ab

Nach Ablauf der ersten halben Stunde setzte sich Bottas mit 1:14,160 min an die Spitze vor Verstappen, der knapp fünf Zehntel langsamer blieb, und Hamilton, dem bereits mehr als eine Sekunde auf die Bestzeit fehlte. Sainz, Sergio Pérez, Leclerc, Kimi Räikkönen, Vettel, Albon und Kvyat komplettierten zu diesem Zeitpunkt die Top-10.

Dahinter folgten Grosjean, Lance Stroll, Giovinazzi, Daniel Ricciardo, Magnussen, Russel, Norris, Latifi, Nico Hülkenberg und Pierre Gasly, der zu diesem Zeitpunkt erst drei Installationsrunden gedreht hatte. Noch bevor Bottas die Bestmarke auf 1:13,495 min verbesserte und Hamilton genau die gleiche Rundenzeit hinbekam, sorgte Grosjean mit einem Dreher in der ersten Schikane für Unterhaltung. Der Genfer kämpfte wie alle seine Kollegen mit der staubigen Piste, die für Grip-Probleme sorgte.

Bottas liess sich davon nicht beirren und verbesserte sich und damit die Bestmarke auf 1:13,229 min, nur um kurz darauf von Hamilton mit 1:13,148 min verdrängt zu werden. Doch darauf wusste der flotte Finne eine Antwort, er kam mit 1:13,001 min nahe an die 1:13er-Marke heran, was ihm vorerst wieder die Spitzenposition bescherte. Das Ferrari-Duo liess sich bis zur Halbzeit nicht auf den Spitzenpositionen blicken, einzig bei der Top-Speed-Tabelle führte Leclerc die Tabelle mit 331,3 km/h an.

Zur Halbzeit kehrte für eine kurze Weile Ruhe ein, bevor die GP-Stars ihre Arbeit wieder aufnahmen. Grosjean kämpfte dabei mit einem ungewöhnlichen Problem, denn beim Losfahren blieb ein Teil der Bodenfarbe an seinem rechten Vorderreifen kleben. Die Scherze über diese Auflösungserscheinung des teuren, neuen Boxengebäudes liessen nicht lange auf sich warten.

Crash von Antonio Giovinazzi

Knapp vor Ablauf der ersten Trainingsstunde wurden die GP-Piloten durch eine virtuelle Safety-Car-Phase eingebremst. Den Grund dafür lieferte nicht etwa Gasly, der seinen Bremspunkt verfehlte und in die Auslaufzone ausweichen musste, sondern Giovinazzi, der in der Schikane etwas zu optimistisch über die Randsteine bretterte, einen Dreher hinlegte und in Kurve 9 mit dem Heck gegen die Mauer knallte. Für den Italiener, der kurz davor die siebtschnellste Runde gedreht hatte, war das Training damit gelaufen, denn sein Renner musste von der Bahn geschafft werden.

Noch vor Giovinazzis Abflug hatte sich Hamilton mit 1:12,767 min die Spitzenposition geschnappt, Leclerc arbeitet sich nach der Freigabe der Strecke auf Platz 3 vor, war aber immer noch mehr als neun Zehntel langsamer als der fünffache Champion an der Spitze. Sein Teamkollege Vettel hatte mehr Mühe, er drehte sich in der Haarnadel-Kurve, konnte einen Einschlag aber vermeiden und gleich wieder weiterfahren.

Auf der Zeitenliste belegte der Ferrari-Star 15 Minuten vor dem Ende des ersten freien Trainings den fünften Platz, 1,138 sec fehlten ihm auf Hamiltons Bestzeit. Der Heppenheimer hatte allerdings – genauso wie sein Teamkollege und die Red Bull Racing-Piloten – noch keine Runden auf der weichen Reifen gedreht, weshalb ein Vergleich zu den Spitzenreitern noch mit Vorsicht zu geniessen ist.

An der Spitze änderte sich nichts mehr, Hamilton durfte sich mit 1:12,767 min über die Bestzeit vor Bottas freuen. Der zweite Silberpfeil-Pilot wurde in den letzten Minuten allerdings noch von Technik-Problemen gequält. Erst berichtete er von Fehlzündungen, dann war der Druck in der Spritleitung plötzlich weg – machte die neue Antriebseinheit etwa Probleme? «Das müssen wir erst untersuchen», lautete die Antwort der Silbernen.

Leclerc, Verstappen, Vettel, Räikkönen, Sainz, Ricciardo, Pérez und Magnussen komplettierten die Top-10. Norris, Hülkenberg, Gasly, Giovinazzi, Grosjean, Albon, Stroll, Kvyat, Russell und Latifi komplettierten die FP1-Zeitenliste.

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