MotoGP

Casey Stoner: «Márquez ist nicht unschlagbar»

Von - 14.06.2018 11:02

Der Australier Casey Stoner empfiehlt den Gegnern von WM-Leader Marc Márquez, den Honda-Star nicht mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. Er spricht auch über Dovi, Lorenzo, Petrucci und Rossi.

Ducati-Testfahrer Casey Stoner erholt sich seit vier Monaten von einer Schulterverletzung, die eigentlich eine Nachwirkung des Suzuka Eight-Hours-Sturzes von 2015 auf der Werks-Honda darstellt.

Trotzdem hat der Australier, MotoGP-Weltmeister 2007 auf Ducati und 2011 auf Repsol-Honda, die spannenden Transfermarkt in den letzten Monaten aufmerksam verfolgt.

Stoner hat auch mitbekommen, dass sein Ex-Teamkollege Dani Pedrosa bei Honda wochenlang auf dem Schleudersitz saß und mit Fahrern wie Zarco, Dovizioso, Mir, Miller, und anderen verhandelt wurde, sogar Cal Crutchlow und Andrea Iannone machten sich Hoffnungen.

Am Schluss bekam Jorge Lorenzo den Zuschlag. Er wird für zwei Jahre Teamkollege von Marc Márquez sein.

Casey, was hättest du als Honda-Manager gemacht, wenn du Dani Pedrosa ersetzen hättest müssen?

Nächste Frage, bitte.

Naja, keine Ahnung.

Du kannst ein Risiko eingehen und einen jungen Fahrer nehmen. Du hättest Dani behalten können… Es war wirklich eine komplizierte Situation. 


Hättest du zum Beispiel Iannone statt Dani verpflichtet?

Nein.
Dani hat über Jahre hinweg ein gutes Verhältnis mit Marc Márquez aufgebaut. Du würdest keinen Fahrer wie Iannone dort neben den Nummer-1-Fahrer platzieren.

Ein junger Fahrer wäre eine Möglichkeit gewesen. Wir haben seit Marc 2013 nicht viele junge Piloten aus der Moto3 oder Moto2 gesehen, die sich wirklich an der MotoGP-Spitze etabliert haben.

Von den Moto2-Piloten hat seither keiner so stark beeindruckt. Keiner voin ihnen kam so weit nach vorne, dass man ihn ins Repsol-Team hätte setzen müssen.

Es war wirklich eine schwierige Entscheidung für das Team.


Bei Ducati hat es auch lange gedauert, bis Dovizioso als Fahrer bestätigt wurde. Was erwartest du von Andrea in diesem Jahr noch?


Wir haben bereits 2017 und 2018 gesehen, was wir von Andrea erwarten dürfen.

In Jerez hatte er Pech, als er mit Pedrosa und Lorenzo stürzte. In Le Mans hatte er nicht die beste Situation. Ohne diese beiden Nuller könnte er die WM anführen oder ganz knapp dran sein.

In Jerez hätte Dovi Zweiter werden können, in Le Mans hatte er eine gute Siegchance, Platz 2 war auf jeden Fall möglich. Gut, es hat nicht geklappt.
Trotzdem sieht er noch stärker aus als im Vorjahr.

Hoffentlich gewinnt er bald wieder Rennen. Dann kann er Druck auf die Gegner ausüben und sie vielleicht zu Fehlern verlocken.
Andrea muss jetzt einfach versuchen, Rennen zu gewinnen.


Bist du froh, dass Jorge Lorenzo wieder einen MotoGP-Platz gefunden hat?

Ja, das sind gute Nachrichten.


Wie hätte Ducati Weltmeister Marc Márquez 2018 stärker gefährden können? Was hättest du an der Stelel von Dovi zum Beispiel anders gemacht?


Nicht unbedingt viel.

Denn es gibt viele Rennen, bei denen Marc bereit ist, mehr zu riskieren als alle andern. Daran besteht kein Zweifel. Das war schon immer so. Ich wäre nie bereit gewesen, in den letzten Runden dauernd so viel aufs Spiel zu setzen.

Ich habe es in den letzten Runden immer vorgezogen, in Ruhe zu beobachten, welche Rolle die Gegner spielen wollten. Ich habe nur dann etwas riskiert, wenn ich es für nötig gehalten habe.

Marc ist bereit, das an jedem Wochenende zu tun. 
Es gab Rennen, da hätte Dovi am Beginn vielleicht wegfahren und einen Vorsprung herausfahren können. Dann wäre Marc unter Druck geraten, das hätte ihn vielleicht zu einem Fehler verleitet.

Ich denke, Ducati hätte Marc in diesem Jahr schon in einigen Rennen besiegen können.

Andrea hat gezeigt, dass er es kann, Lorenzo hat auch das Zeug dazu. Auch Valentino hat ihn schon geschlagen. Marc ist nicht unschlagbar. 
Aber er erledigt seinen Job in diesem Jahr auf ausgezeichnete Art und Weise. Er ist konstant vorne dabei, in jedem Jahr.

Der Rest der Fahrer in dieser Kategorie muss lernen: Versuch’ nicht, Marc Márquez mit seinen eigenen Waffen zu schlagen.

Jeder muss sein eigenes Erfolgsrezept gegen ihn finden und andere Mittel und Siege suchen, um ihn in Bedrängnis zu bringen.


Dein Ex-Erzrivale Valentino Rossi hat schon drei Podestplätze errungen, dazu kommt die Pole-Position in Mugello. Beeindruckt dich das?


Im Quali von Mugello haben alle Fehler gemacht, die Piste hat am Nachmittag nicht besonders viel Grip gehabt. Valentino hat eine fehlerlose Pole-Runde demonstriert, das war eine schöne, saubere Runde.


Mir war bewusst, dass das Rennen spannend verlaufen würde, weil in den Trainings keiner wirklich dominiert hatte. In der Rennpace war keiner überragend oder deutlich besser als die andern. 


Danilo Petrucci übernimmt jetzt den Platz von Lorenzo im Ducati-Werksteam. Ist er die richtige Wahl?

Es ist schwierig. Danilo hat großartige Leistungen gezeigt. Er hat viel für Ducati getestet; manche neuen Teile wurden auf seinem Bike erprobt, bevor sie ins Werksteam kamen. 
Aber Danilo hatte bisher ein paar Schwachstellen. Er kämpfte manchmal auf einer Strecke um den Sieg, im nächsten Rennen kam er kaum in die Punkteränge.

In diesem Jahr zeigt er sich ausgeglichener; er hat sich verbessert. Anscheinend hat er an diesen Schwachstellen gearbeitet. Er hat auch seinen Fitness-Level deutlich gesteigert.

Wenn man bedenkt, was er in der Vergangenheit geleistet hat, dann verdient er diese Chance. Ganz sicher. 


Fehlen dir die Grand Prix?


Es ist nett, ein paarmal im Jahr auf Besuch zu kommen. Das macht mir Freude. 
Was mich ein bisschen stört: Ich habe kein Motorhome mehr im Paddock, wo ich mal meine Ruhe haben könnte.

Trotzdem: Es ist schön, wieder die bekannten Rennstrecken und Plätze zu besuchen und mit ein paar Bekannten zu quatschen.

Wie ist das Leben daheim in Australien?

Fantastisch, wenn ich ehrlich bin. Unser jüngstes Kind lacht den ganzen Tag. Die Ältere geht bereits zur Schule. Sie lernt jeden Tag neue Dinge und überrascht und ununterbrochen mit Sachen, die sie neu gelernt hat.

Es ist eine unglaublich schöne Zeit.

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Casey Stoner mit dem legendären Ducati-Communications-Manager Julian Thomas © WG-photo Casey Stoner mit dem legendären Ducati-Communications-Manager Julian Thomas
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