MotoGP-Kristallkugel: Wie geht es weiter im Krankheitsfall «Joan Mir»?
Mit dem Misano-GP meldete sich Honda-MotoGP-Werkspilot Joan Mir auf unbestimmte Zeit krankheitsbedingt ab. Für den Renneinsatz ist die Auswahl an Ersatz auf Somkiat Chantra geschmolzen – was tun?
«Team – es tut mir leid. Mehr habe ich heute nicht geschafft.« Dieser dünne Satz ist die letzte offizielle Nachricht von Honda-Werksfahrer Joan Mir, veröffentlicht vor vier Wochen unmittelbar nach dem Großen Preis von San Marino, der für den Mallorquiner bereits nach fünf Runden beendet war. Völlig entkräftet hatte Joan Mir die RC213V zurück an die Box gebracht. Möglicherweise zum letzten Mal.
Denn statt einer kurzweiligen Erkrankung hat es den Weltmeister von 2026 gröber erwischt. Dass die offiziellen Stellen seit Tag 1 nur spärlich kommunizieren, hat längst ein ungutes Gefühl zum Zustand des Spaniers erzeugt. Auch unter Konsultation von MotoGP-Chefarzt Dr. Angel Charte lautet die Strategie bei verschwiegener Diagnose: Ruhe. Der zukünftige Gresini-Pilot verpasste seitdem drei MotoGP-Events.
Vertreten wurde der Stammfahrer in Österreich von Entwicklungspilot Taka Nakagami. Der machte einen ausgesprochen guten Job und schien trotz wichtiger Testaufgaben mit der neuen 850er die optimale Mir-Vertretung. Für den folgenden Japan-GP musste Nakagami Honda in einer wichtigen Wildcard-Mission dienen. Das Projekt endete mit Schrott und einem Schlüsselbeinbruch noch vor dem ersten Rennen in Motegi. Mirs Honda wurde derweil – dank glücklichem Terminkalender – von Superbike-Werksfahrer Somkiat Chantra gesteuert.
Auch der Thailänder schlug sich beachtlich, landete etwa vor VR46-Athlet Morbidelli und holte Punkte – doch Chantra musste zurück an die Superbike-Front eilen. Nun übernahm Aleix Espargarago. Mit Ausnahme eines Shakedowns mit wenigen Runden war es der erste Einsatz mit einem 1000er-Honda seit einem halben Jahr. Das letzte Rennen bestritt der Langzeitverletzte in Valencia, Ende 2025.
Die Geschichte endete ohne Happyend. Nach einem Sprint-Unfall am Samstag stand die Werks-Honda ohne Pilot in der HRC-Box. Aus Spanien und der Abteilung «Mir» kamen zwischenzeitlich keine weiteren Signale für eine Rückkehr der Startnummer 36.
Doch es gibt auch gute Nachrichten für Honda. Superbiker Chantra beendet die Superbike-Saison und könnte als dauerhafte Vertretung für Joan Mir einspringen und bereits in Australien zur MotoGP-Struktur zurückkehren. Der Fall «Mir» zeigt die Anfälligkeit des Systems. Auch Honda als weltgrößter Motorradhersteller kann mit einer vermeintlich soliden Aufstellung ausgehebelt werden. 22 Events mit 44 Rennen und Dauerstress mit vollen Marketing-Fahrplänen fordern ihren Tribut. Nicht zu vergessen: Gute Besserung!
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