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Historischer Titel in der Langstrecken-WM: BMW sieht erst den Anfang
YART verlor beim Bol d’Or den WM-Titel an BMW. Crewchief Max Neukirchner erklärt exklusiv bei SPEEDWEEK.com, warum die Yamaha-Mannschaft trotz der Enttäuschung stolz auf das Erreichte ist.
Für YART endete das Bol d’Or mit gemischten Gefühlen. Marvin Fritz, Karel Hanika und Leandro Mercado kämpften sich
«Wenn ich auf diese Woche in Paul Ricard zurückblicke, muss ich sagen: So hatten wir uns das Finale definitiv nicht vorgestellt», bilanziert YART-Crewchief Max Neukirchner im Gespräch mit SPEEDWEEK.com.
Bereits Startplatz 7 entsprach nicht den Erwartungen des österreichischen Yamaha-Teams. «Ich kann mich ehrlich gesagt nicht erinnern, dass YART bei einem 24-Stunden-Rennen schon einmal so weit hinten gestartet ist. Aber dieses Ergebnis hat überhaupt nicht das Niveau widergespiegelt, das unsere Fahrer und unsere Mannschaft eigentlich haben.»
Die Liste der Probleme war lang. Karel Hanika musste nach seinem schweren Unfall am Dienstag ins Krankenhaus, kam aber ohne Knochenbrüche davon. Im Qualifying stürzte der Tscheche erneut und verletzte sich zusätzlich an der rechten Hand. Auch Fritz und Mercado gingen während der Trainingswoche zu Boden.
Für die Mechaniker bedeutete das zusätzliche Arbeit. Nach Hanikas Unfall musste eine R1 praktisch komplett neu aufgebaut werden. Nach Mercados Sturz stand unter anderem ein Motorwechsel an. «Ich kann mich kaum an eine Rennwoche erinnern, in der bei YART innerhalb weniger Tage so viel passiert ist», gesteht Neukirchner. «Und trotzdem hat die Mannschaft außergewöhnlich funktioniert.»
Auch der Start ins Rennen verlief zunächst nicht nach Wunsch. Fritz kam nach der ersten Runde lediglich auf Position 16 zurück, arbeitete sich anschließend aber schnell nach vorne. «Was danach kam, war für mich eine absolute Spitzenleistung», lobt Neukirchner. «Marvin war von Beginn an voll da. Schnell, konstant, konzentriert und über das gesamte Rennen ohne entscheidenden Fehler.»
Bei Hanika und Mercado setzte Neukirchner nach den vorausgegangenen Stürzen zunächst bewusst auf Zurückhaltung. Beide sollten erst wieder Vertrauen aufbauen, anstatt sofort das Limit zu suchen. «Nach einem Sturz bleibt immer etwas zurück. Das ist völlig normal. Körperlich genauso wie im Kopf», erklärt Neukirchner. «Bei einem 24-Stunden-Rennen bringt es nichts, in der ersten Stunde etwas erzwingen zu wollen.»
Im Verlauf des Rennens stabilisierte sich die Situation. Etwa ab der Zwölf-Stunden-Marke erkannte YART, dass der Rückstand auf F.C.C. TSR Honda schrumpfte. «Ab diesem Moment haben wir den Druck erhöht», berichtet Neukirchner. «Die Honda hatte in der ersten Rennhälfte vorne mitgemischt und um die Podiumspositionen gekämpft. Aber wir sahen anhand unserer Zeiten, dass wir im weiteren Rennverlauf immer stärker wurden.»
Nach dem Sturz von John McPhee und der anschließenden Reparatur der Honda rückte YART schließlich auf Position 3 vor. «Das gehört zum Langstrecken-Sport dazu. Wir hatten vorher selbst mehr als genug Pech. In diesem Moment konnten wir von einem Problem eines Konkurrenten profitieren.»
In der Schlussphase konnte YART sogar wieder das Tempo von Yoshimura SERT Motul mitgehen. Doch der Rückstand aus der ersten Rennhälfte war bereits zu groß. «Am Ende fehlte uns nur eine Runde auf Suzuki», erklärt Neukirchner. «Eine Runde in Paul Ricard bedeutet bei unserem Tempo ungefähr zwei Minuten. Über 24 Stunden ist das nahezu nichts.»
Diese eine Runde hatte enorme Konsequenzen. YART wusste, dass bei einem Sieg des BMW-Werksteams Platz 2 notwendig war, um den WM-Titel zu verteidigen. «Und trotzdem kann genau diese eine Runde den Unterschied zwischen Platz zwei und Platz drei bedeuten – und in unserem Fall letztlich auch zwischen Weltmeister und Vizeweltmeister», stellt Neukirchner fest. «BMW hat den Titel verdient»
Trotz der Enttäuschung erkennt der frühere Grand-Prix-Pilot die Leistung des neuen Weltmeisters ausdrücklich an. «Das BMW Motorrad World Endurance Team mit Markus Reiterberger, Steven Odendaal und Michael van der Mark fuhr ein nahezu perfektes Finale. Vom Training bis zum Rennende habe ich bei ihnen keinen entscheidenden Fehler gesehen. Sie waren schnell, konstant und haben ihre Möglichkeiten genutzt. Deshalb ist dieser WM-Titel verdient.»
Nach der turbulenten Woche fällt Neukirchners Bilanz für die eigene Mannschaft deshalb differenziert aus. «Natürlich sind wir enttäuscht. Unser Ziel war ganz klar, Weltmeister zu werden. Dafür arbeitet dieses Team das ganze Jahr», betont er. «Aber man muss eine Rennwoche auch realistisch beurteilen. Nach allem, was in diesen Tagen passiert ist, war der dritte Platz beim Bol d’Or wahrscheinlich das Maximum, das wir noch herausholen konnten.»
YART reiste damit zwar ohne den erhofften WM-Pokal aus Le Castellet ab, aber mit viel Anerkennung für die eigene Mannschaft. «Keiner hat aufgegeben. Keiner hat den Kopf verloren. Bis zur letzten Runde haben wir versucht, noch etwas möglich zu machen.»
Neukirchner bringt es auf den Punkt: «Manchmal gewinnt man. Manchmal verliert man. Und manchmal zeigt sich die eigentliche Stärke eines Teams nicht daran, ob es am Ende ganz oben auf dem Podium steht, sondern daran, wie es reagiert, wenn eine ganze Woche nicht nach Plan läuft.»
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