Kawasaki hat begriffen: Eigene WM-Plätze bieten – oder die Talente sind weg
In der Sportbike-WM ist Kawasaki das Maß der Dinge, die Marke führt die Fahrer- und Konstrukteurs-WM an. Um die eigenen Talente hochzubringen, muss bei Supersport und Superbike aufgestockt werden.
Acht Fahrer sind in der Sportbike-WM 2026 auf einer Kawasaki ZX-6R 636 unterwegs, David Salvador führt die Gesamtwertung vor dem vorletzten Event in Cremona am nächsten Wochenende mit komfortablen 30 Punkten Vorsprung auf Markenkollege Xavier Artigas an. Der WM-Dritte Antonio Torres pilotiert ebenfalls eine Kawasaki. Das spiegelt sich auch in der Konstrukteurs-WM wider, in der Kawasaki mit 257 Zählern weit vor Triumph (183) und Suzuki (147) liegt.
Neben Yamaha hat Kawasaki im SBK-Paddock den besten Unterbau, um Fahrer über die Sportbike- und Supersport-Klasse bis in die Superbike-WM nach oben zu bringen. Die Grundstruktur ist vorhanden, sie soll bis 2028 aber verbessert werden. Denn es nützt nichts, wenn aus der Sportbike-Klasse mehr starke Fahrer nach oben drücken, als dann untergebracht werden können.
Zweites Supersport-Team wird gebraucht
Aktuell sehen wir in der Supersport-WM nur zwei Piloten auf einer Kawasaki, bei den Superbikes nur einen. Das wird auch 2027 so sein. Für 2028 soll ein zweites Supersport-WM-Team in Grün hinzukommen. Stand heute kommen dafür die Mannschaften von MTM und Deza-Box 77 in Frage, die Gespräche mit der Rennabteilung von Kawasaki Europa laufen.
Kawasaki-Teamchef Manuel Puccetti macht sich auch schon länger dafür stark, dass das Superbike-Engagement von einem auf zwei Fahrer verdoppelt wird, was aber eine Million Euro zusätzlich kostet.
Sinnvoll wäre: Acht Fahrer bei den Sportbikes, vier Supersport und zwei Superbike. So gäbe es eine verhältnismäßige Pyramide und den hauseigenen Talenten würde ein Weg nach oben aufgezeigt.
Puccetti verfolgte diesen Weg schon früher
«Ich machte das mit meinem Team früher immer so für Kawasaki: Ich habe sechs Jahre lang Toprak Razgatlioglu nach oben gebracht, dazu Randy Krummenacher und Lucas Mahias aus der Supersport- in die Superbike-WM», verdeutlichte Puccetti im Gespräch mit SPEEDWEEK.com. «Kawasaki hat verstanden, dass dies der richtige Weg ist. Auch aus Budgetgründen: Wenn jemand in deiner Familie groß wird, dann ist das eine Investition. Wenn man hingegen einen Topfahrer von einem anderen Hersteller einkaufen muss, dann kostet das viel Geld. Der Kawasaki-Präsident wünscht sich, dass die Fahrer aus Überzeugung bei uns sind und nicht nur wegen des Geldes.»
Jahrelang war Kawasaki in der Superbike-WM der Maßstab, zwischen 2013 und 2020 wurden in acht Jahren mit Tom Sykes (1) und Jonathan Rea (6) insgesamt sieben Fahrer-Titel gewonnen. In der Supersport-Klasse waren die Grünen ebenfalls stark und wurden zuletzt 2012, 2015 und 2016 mit Kenan Sofuoglu Champion.
In den vergangenen Saisons gelangen aber kaum noch herausragende Ergebnisse, deshalb hat Kawasaki seine Strategie jetzt geändert, wie Puccetti festhielt. «Der Präsident von Kawasaki Japan war in Misano und betonte, dass wir Talente innerhalb der Kawasaki-Familie fördern müssen. Er sieht es nicht gerne, wenn wir die Asse von anderen Teams abwerben müssen, er will, dass wir selbst Youngster aufbauen. Denn das sind Fahrer, die an Kawasaki glauben und bei uns groß werden.»
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