Dauerbrenner Alex Lowes: Der meistunterschätzte Fahrer der Superbike-WM?
Während die Ducati-Stars die Schlagzeilen dominieren, fährt Alex Lowes eine starke Saison auf der Bimota. Er spricht über Respekt, Karrierewege und den Wunsch, noch einmal ganz nach vorne zu kommen.
Mit Platz 4 in der Superbike-Weltmeisterschaft ist Alex Lowes aktuell der bestplatzierte Fahrer außerhalb der Ducati-Armada. Der Brite überzeugt in der laufenden Saison mit konstant starken Leistungen auf der Bimota KB998 Rimini, hält Teamkollege Axel Bassani meist hinter sich und mischt trotz eines erkennbaren technischen Nachteils regelmäßig im Kampf gegen die Ducati-Piloten mit. Im Rahmen des Rennwochenendes in Misano wurde die Vertragsverlängerung des 35-Jährigen bestätigt. Er wird auch 2027 für Bimota und das Provec-Team antreten, dem er bereits seit 2020 angehört.
Trotz seiner Erfolge haftet Lowes seit Jahren das Image eines schnellen, aber nicht ganz zur absoluten Weltspitze gehörenden Fahrers an. Dabei blickt der Engländer auf eine bemerkenswerte Karriere zurück: Er war bereits WM-Dritter, gewann Rennen und gehört seit Jahren zu den konstant stärksten Piloten der Meisterschaft. Auf die Frage, ob er sich manchmal unterschätzt fühlt, reagierte Lowes nachdenklich.
«Ich mache mir eigentlich keine Gedanken über das, was andere Leute denken», erklärte er im exklusiven Interview mit SPEEDWEEK.com. Von außen sei es nahezu unmöglich, die tatsächlichen Voraussetzungen eines Fahrers zu beurteilen. Als Beispiel nannte er Ducati-Werkspilot Iker Lecuona: «Wenn Lecuona mit einer Ducati in die Superbike-WM gekommen wäre, hätte er in den vergangenen vier Jahren wahrscheinlich jedes Mal die Top-3 der Weltmeisterschaft erreicht. Stattdessen kam er zu Honda. Es ist derselbe Fahrer, dieselbe Arbeit, dieselbe Person und dasselbe Talent.»
Auch seine eigene Laufbahn müsse in diesem Zusammenhang betrachtet werden. Bei Yamaha habe er viel Energie in das Projekt investiert und sich von Jahr zu Jahr gesteigert. «Mein bestes Jahr war mein letztes Jahr dort», erinnerte sich Lowes an die Saison 2019, die er als WM-Dritter abschloss.
Nach Jonathan Reas Wechsel blühte Alex Lowes auf
Anschließend folgte der Wechsel zu Kawasaki, wo er direkt mit Rekordweltmeister Jonathan Rea verglichen wurde. «Es ist nie einfach, in ein Team zu kommen und direkt mit Johnny verglichen zu werden. Ich habe ihn manchmal geschlagen und einige gute Rennen gegen ihn gefahren, aber insgesamt war er besser. Ich wurde jedoch immer stärker.»
Erst nach Reas Wechsel von Kawasaki zu Yamaha habe sich seine Entwicklung für viele Beobachter deutlicher gezeigt. «Ich weiß nicht, ob ich unterschätzt werde. Aber ich denke, dass ich seit drei oder vier Jahren zu den vier, fünf oder sechs besten Fahrern der Superbike-WM gehöre, obwohl ich nicht auf den besten Motorrädern sitze. Das ist nicht einfach.»
Deshalb habe er das Gefühl, sich inzwischen mehr Respekt erarbeitet zu haben. Dennoch bleibt Lowes kritisch mit sich selbst: «Wir wollen Rennen gewinnen und auf das Podium fahren. Ganz dort sind wir noch nicht, also muss ich weiter besser werden.»
Was Alex Lowes motiviert, weiterhin Rennen zu fahren
Mit 35 Jahren zählt Lowes längst zu den erfahrensten Fahrern im Feld. An Rücktritt denkt er derzeit aber nicht. Im Gegenteil: Der bevorstehende Wechsel der Superbike-WM auf Michelin-Reifen im Jahr 2027 sorgt bei ihm sogar für zusätzliche Motivation.
«Ich fahre wahrscheinlich besser als jemals zuvor in meiner Karriere», sagte Lowes. «Deshalb möchte ich nicht zu früh aufhören. Wenn ich zu Hause herumsitze und mich langweile, wird meine Frau auch nicht glücklich sein.» Gleichzeitig sei ihm bewusst, dass irgendwann der richtige Zeitpunkt kommen werde. «Wenn ich nicht mehr schnell genug bin oder keinen Spaß mehr daran habe, dann muss ich aufhören. Aber aktuell fühle ich mich sehr gut.»
Noch gibt es einige Ziele, die der Brite erreichen möchte. Besonders reizvoll wäre für ihn ein Sieg mit Bimota. «Ich würde liebend gern ein Rennen mit der Bimota gewinnen, weil ich mich als wichtiger Teil dieses Projekts fühle.» Ebenso steht ein ganz besonderes Erlebnis auf seiner Wunschliste: ein gemeinsames Podium mit Zwillingsbruder Sam. «Wir waren schon oft nah dran, mit einem dritten und vierten oder dritten und fünften Platz. Es wäre schön, einmal gemeinsam auf dem Podium zu stehen.»
Vielleicht liegt genau darin die Erklärung für die starke Form des Briten. Während viele Fahrer ihre Resultate zum Mittelpunkt ihres Lebens machen, hat Lowes für sich eine andere Balance gefunden. «Mein Leben ist heute großartig. Ich habe eine fantastische Frau, tolle Kinder und eine wunderbare Familie. Das Ergebnis auf der Strecke verändert mein Leben nicht. Seit ich diese Einstellung habe, ist das Rennfahren viel einfacher geworden.»
Eine Aussage, die gut zu einem Fahrer passt, der vielleicht nie als Superstar galt, sich aber über viele Jahre hinweg als einer der verlässlichsten und stärksten Piloten der Superbike-WM etabliert hat.
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