Aprilia gegen Ducati: Harter Italo-Wettstreit um die MotoGP-Hersteller-WM
Ducati galt als unschlagbares MotoGP-Werk. Doch 2026 führte lange Aprilia die Regie in der Königsklasse. Bologna schlug zurück, dann wieder Aprilia. Die Konstrukteurs-WM wird zum Fahrerlager-Krimi.
Die Fahrer-Weltmeisterschaft der MotoGP hat sich zu einem packenden Dreikampf entwickelt. Jorge Martin führt die Tabelle nach einem beeindruckenden Auftritt in Österreich an. 12 Zähler dahinter – Weltmeister Marquez, und auch Marco Bezzecchi sind als Dritter bei noch 14 Rennen in Schlagdistanz. Platz 4 wird wieder gehalten von einem Ducati-GP26-Fahrer, Fabio Di Giannantonio.
Noch enger geht es mit dieser Konstellation im Wettstreit der Hersteller – konkret zwischen Aprilia und Ducati. Vor der zweiten Übersee-Tournee, die mit dem Japan-GP beginnt, sind die beiden Italo-Projekte lediglich um 10 Punkte getrennt, mit Aprilia an der Spitze.
Ducati im Rückstand ab Rennen 1
Das Drehbuch dazu passt zur außergewöhnlichen Saison. Bereits beim Auftakt ein Knaller. Denn mit den Siegern Acosta (Sprint) und Bezzecchi (GP) verließen KTM und Aprilia die Tabelle als gemeinsame Spitzenreiter. Ducati war damit erstmals im Hintertreffen – und das seit der Saison 2020. Sechs Titel in der Konstrukteurs-WM in Serie erhoben das Team um Mastermind Gigi Dall’Igna in eine Sonderstellung – die sich nun begann aufzulösen.
Ab dem zweiten Event in Brasilien übernahm Aprilia die Führungsrolle – und das erstmals seit Bestehen des Projekts in Noale. Mit Bezzecchi in Bestform gelang es, die Führung auszubauen. Dazu kamen gleich mehrere Helfer. Denn erstmals überhaupt fuhren alle vier Piloten der Aprilia RS-GP in der Elite und füllten das WM-Punktekonto. Trackhouse Racing hat sich mit Ogura und Fernandez zum wertvollen Kundenteam entwickelt.
Bei Ducati hingegen hängt nahezu alles an Champion Marquez. Als der sich in Le Mans den Fuß brach, wuchs der Rückstand auch in der Hersteller-WM. Die weiteren fünf Ducati-Piloten sorgen wenn überhaupt immer nur für punktuelle Unterstützung, wie etwa Di Giannantonio beim Chaos-GP in Barcelona.
Doch als sich «MM93» in Ungarn mit einem Pauken-Doppelschlag zurückmeldete, setzte die Gegenbewegung ein. Mit dem Aus von Bezzecchi nach dessen spektakulären Abflügen in Assen und auf dem Sachsenring nahm die Aufholjagd weiter an Fahrt auf. Nach dem Deutschland-GP und einem weiteren Marquez-Doppel hatten sich Ducati Corse bereits wieder auf 11 Punkte herangefahren.
Ducati: Alles hängt an Marc Marquez
Nach Rennen in Silverstone und Aragon auf Augenhöhe folgte die Aprilia-Katastrophe ausgerechnet beim zweiten Heimspiel. Mit den Marquez-Brüdern ganz oben, Bezzecchi im Kies, einem fehlenden Ai Ogura und dem von Krämpfen geplagten Jorge Martin feierte nun wieder Bologna. Und zwar doppelt: Marc Marquez hatte sich an die Spitze der Fahrer-WM gesetzt und dabei einen Rekord-Rückstand von 102 Zählern überwunden – und Ducati wieder an die Spitze der Werke gebracht.
Doch gleich eine Woche später zeigte sich die Sonderstellung der 2026er-Kampagne. Denn auf dem Red Bull Ring, einer jahrelangen Siegstätte der Ducati-Asse, waren die Desmo-Piloten nun sogar nur dritte Kraft. Hinter KTM-Held Acosta holten Jorge Martin und Marco Bezzecchi plus Ai Ogura so viele Punkte, dass nun Martin und Aprilia wieder auf Position 1 der Tabellen sprangen. Beinahe verrückt: Sogar Rückkehrer Ogura landete in Spielberg vor dem zuletzt so auftrumpfenden Marc Marquez.
Italo-Showdown zum Ende der 1000er-Ära
Mit noch sieben Veranstaltungen, die Chance, dass es mit dem möglichen Aus des Katar-GP nur sechs werden, ist hoch, geht es auf der Zielgeraden der 1000er-Ära als weit mehr als um die Frage nach dem besten Athleten. Die Technik-Teams in Bologna und Noale setzten derzeit alles daran, mit erlaubten Chassis-, Aero- und Detail-Updates den entscheidenden Vorteil herauszuarbeiten. Ducati Corse und Aprilia Racing – beide Werke wollen unbedingt als letzter Titelträger der stärksten MotoGP-Ära in die Rennsportgeschichte eingehen.
Hinter dem harten Zweikampf der italienischen Werke geht es ruhiger zu. KTM hat sich als dritte Kraft etabliert, Honda und Yamaha scheinen sich im Finale der 1000er-Ära mit den Rängen 4 und 5 arrangiert zu haben. Hier fließen bereits alle Bemühungen für einen erfolgreichen Neustart mit den 850er-Prototypen.
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