Trackhouse-Manager Franceso Guidotti: «Als wäre ich keinen Tag weg gewesen»
Die MotoGP-Einheit Trackhouse Racing des Amerikaners Justin Marks hat sich in der Königsklasse etabliert. Seit Sommer 2026 ist Francesco Guidotti mit an Bord. Der Italiener über sein Andockmanöver.
Als der US-Rennsportunternehmer Justin Marks im Sommer 2023 den Vertrag mit dem Management der Dorna für einen Einstieg in die MotoGP 2024 unterschrieb (um die ins wirtschaftliche Aus gerutschte RNF-Mannschaft zu ersetzen), da hatte Francesco Guidotti bereits ein Vierteljahrhundert Grand-Prix-Fahrerlager in den Knochen. Aprilia, KTM, Pramac Racing, wieder KTM – so die wesentlichen Stationen des Italieners.
Ende 2024 endete die Karriere Guidottis im Fahrerlager der MotoGP vorerst. Sowohl KTM Factory Racing als auch Guidotti vertraten die Sicht einer friedlichen Vertragsaufhebung – die Rolle des Teammanagers für die Piloten Acosta und Binder übernahm der nicht minder erfahrene Aki Ajo. Francesco Guidotti nutzte das Aus zum Kräftesammeln und ließ sein Wissen beim Sportsender Sky Italia einfließen; bei ausgewählten MotoGP-Events trat der heute 53-Jährige als Experte in Erscheinung.
Im Frühjahr der laufenden Saison wurden schließlich die Weichen für ein Comeback Guidottis in tragender Rolle bei einem MotoGP-Projekt gestellt. Auslöser war die Botschaft von Trackhouse-Teamchef Davide Brivio, nach der Saison 2026 nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Brivio hatte sich entschieden, im Spätherbst einer Karriere noch einmal mit einem Werksteam durchzustarten. 2027 wird der GP-Veteran in Honda-Farben zu sehen sein.
Zeitweise sah es so aus, dass sich die Wege von Trackhouse Racing und Davide Brivio vorzeitig trennen. Denn mit dem Brünn-GP im vergangenen Juni wurde Francesco Guidotti als Neuzugang der zu diesem Zeitpunkt auf Rang 2 der Team-WM rangierenden sportlichen Heimat von Ai Ogura und Raul Fernandez bestätigt. Doch statt einem fliegenden Wechsel operieren Brivio und Guidotti seitdem als Duo.
So funktioniert die Rollenverteilung
Francesco Guidotti erklärte dazu im Gespräch mit SPEEDWEEK.com: «Zum einen unterscheiden sich die Rollen. Während Davide als Teamchef auch mit Themen außerhalb der Box zu tun hat und viel mit den USA kommuniziert, schaue ich als Teammanager jetzt vor allem auf die Abläufe in der Box. Sicher gibt es auch Überschneidungen, aber das funktioniert gut, auch weil wir beide viel Erfahrung mit den Abläufen haben.»
Guidotti zum entscheidenden Punkt: «Dazu kommt – als sich die Veränderungen im Teammanagement ergeben haben, da hatte sich Ai (Ogura) bereits als Spitzenmann etabliert, der im Sommer auch Chancen auf den Titel hatte. In dieser Konstellation eine grobe Veränderung innerhalb des Teams vorzunehmen, das wollte niemand. Und da Davide ja auch einen Vertrag bis Ende des Jahres hat, blieb er – und wir arbeiten als Team.»
Auf die Frage, wie sich die Rückkehr nach 18 Monaten in die Rolle des Teammanagers gestaltete, musste Guidotti grinsen: «Es war ein bisschen verrückt – es ist, als wäre ich keinen Tag weg gewesen. Bei Trackhouse sind aktuell Kollegen, mit denen ich schon vor Jahrzehnten bei Aprilia gearbeitet habe. Natürlich bleibt die Zeit nicht stehen in keinem Aspekt, aber insgesamt hat es mir das Team sehr leicht gemacht – es ist eine große Freude, hier zu arbeiten.»
Das Ducati-Werksteam im Visier des Aprilia-Kundenteams
Die Herausforderung: Bei noch sieben ausstehenden MotoGP-Events könnte man sich wieder auf Platz 2 der Team-WM fahren. Der Gegner ist kein Geringerer als Ducati Lenovo, es fehlen überschaubare 25 Punkte. In der Fahrer-WM scheint der Zug für Ai Ogura nach der Verletzungspause abgefahren. 84 Punkte fehlen dem Japaner und nächstjährigen Yamaha-Fahrer als Sechstem auf WM-Leader und Markenkollegen Jorge Martin. Trackhouse-Pilot Raul Fernandez hält WM-Rang 7.
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