Wildes Sechstett: Die Lage in der Moto2-WM vor dem Schlussspurt 2026
Die Motorrad-Weltmeisterschaft geht mit dem Japan-GP in Motegi in die entscheidende Phase. Mit Blick auf den Titelkampf gibt es Parallelen zur Königsklasse. Zwei Dreier-Packs haben die besten Karten.
Betrachtet man die Gemengelage in der Moto2-WM, so gibt es mehr als nur eine Gemeinsamkeit zur Königsklasse des Fahrerlagers. Die offensichtliche – und hier muss auch der Moto3-Unterbau noch hinzugenommen werden – Spaniens Rennfahrer geben den Ton an. Während in der MotoGP die Italiener Marco Bezzecchi und Fabio Di Giannantonio auf den Rängen 3 und 4 noch Kontakt ganz nach vorne haben, ist die mittlere Klasse aktuell ausschließlich in spanischer Hand.
Manuel Gonzalez, Frontmann der deutschen Intact-GP-Struktur, führt die WM-Tabelle seit dem Auftaktrennen in Thailand an. Neunmal schaffte es der Madrilene in der bitterharten Konkurrenz aufs Podium, fünfmal stand er bei der Siegerehrung ganz oben. Erstaunlich: In allen Rennen 2026 holte Gonzalez bislang Punkte.
Doch auch die Bilanz des ersten Verfolgers ist erstaunlich. Izan Guvara gelang es neben Gonzalez als einzigem Piloten in den Top-10 ebenfalls immer, das Konto anzufüllen. Dank zweier Siege und einer steigenden Leistung über die Saison hält sich der Rückstand entsprechend in Grenzen – vor dem Japan-GP hat Guevara 35,5 Rückstand. Bei offiziell noch sieben Rennen und 175 offenen Punkten hat der Pramac-Pilot also noch realistische Chancen, als Champion bei Yamaha in der MotoGP zu starten.
Bei den Teams heißt es Deutschland gegen Spanien
Dazu kommt der psychologische Vorteil des Verfolgers – und die Extra-Motivation der Moto2-Abteilung bei Pramac. Denn nachdem die Elite-Mannschaft in der MotoGP nach dem Zusammenschluss mit Yamaha vom Weltmeister zum Hinterbänkler degradiert wurde, will das Team um Gino Borsoi alles für den Titel in der mittleren Klasse tun – dass sich Intact GP nicht weniger einsetzen wird, um dagegenzuhalten, ist selbstredend.
Nicht abzuschreiben ist auch der dritte Spanier mit Namen Ivan Ortola. In seinem zweiten Moto2-Jahr hat der MSi-Pilot enorm zugelegt. Nach einer unauffälligen ersten Saisonhälfte trumpfte Ortola auf. Zwischen Brünn und San Marino holte kein anderer Athlet mehr Punkte. Mit 77 Punkten im Minus (Bezzecchi als Drittem in der MotoGP 42 Zähler) bleibt Ivan Ortola, der wie WM-Leader Gonzalez auch 2027 in der Moto2 fahren wird, die Rolle des hochklassigen Außenseiters.
Der Kampf um WM-Position 3 in der mittleren Kategorie ist wie bei den Kollegen der MotoGP dagegen noch völlig offen. Lange sah Senna Agius als Mann für ganz vorne aus, doch zuletzt spielte alles gegen den zukünftigen KTM-Tech3-MotoGP-Piloten. In Misano wurde der Aussie von Angel Piqueras umgesäbelt, in Österreich gab es einen Crash in der Qualifikation und wieder ein Null-Punkte-Rennen. Damit fiel Senna Agius zügig von Rang 3 auf 5 ab. Zu Teamkollege Gonzalez fehlen schon 96,5 Punkte. Auf seinen Vordermann, Aspar-Pilot David Alonso, aber nur 6.
Alonso, wie Agius, Guevara und Teamkollege Holgado 2027 in der MotoGP gesetzt, fährt eine außergewöhnliche Saison. Einem Sieg in Assen und drei weiteren Podestplätzen stehen gleich vier Nullnummern gegenüber. Mit 90,5 Punkten Rückstand auf die Spitze stehen die Chancen hoch, dass David Alonso anders als bei seinem Moto3-Durchmarsch 2024 nun nicht als Titelträger aufsteigt.
Ebenfalls gute Möglichkeiten, sich noch in der Endabrechnung in die Top-3 der Liga zu fahren, hat Dani Holgado. Dem Sieger des Brasilien-GP fehlen nur drei Punkte auf Agius und 22,5 auf den WM-Dritten Ortola.
Wenig zu diskutieren gibt es dagegen in der Hersteller- und Team-WM. Kalex ist mit über 120 Punkten Vorsprung auf Italiens Boscoscuro ebenso klar auf Titelkurs wie Liqui Moly Dynavolt Intact GP in der Mannschafts-WM. Die Memminger halten das CF Moto-Team von Jorge «Aspar» Martinez aktuell mit 93,5 Punkten Vorsprung in Schach. In der Moto2-WM wäre es der größte Erfolg des einzigen deutschen Teams im GP-Fahrerlager.
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