Estoril-Drama in der MotoGP-Saison 2006: Ein schwarzer Tag für Repsol Honda
Beim MotoGP-Event in Estoril 2006 räumte Dani Pedrosa Teamkollege Nicky Hayden ab und riss den Titelkampf wieder auf. Der US-Amerikaner war wütend, schützte den Spanier aber vor Anschuldigungen.
Es war die fünfte Runde im Grand Prix von Portugal in der Saison 2006. Nicky Hayden lag auf Platz 3 – dort, wo der WM-Leader sein musste. Dann tauchte in einer Linkskurve innen plötzlich sein eigener Teamkollege auf: Dani Pedrosa, der Rookie im Repsol-Honda-Werksteam, verlor beim Anbremsen das Vorderrad und rutschte in Hayden hinein. Beide Honda flogen ins Kiesbett. Der US-Amerikaner, der die WM seit dem dritten Saisonlauf angeführt hatte, kniete fassungslos im Kiesbett und schlug mit der Faust auf den Boden ein.
Heute, 20 Jahre später, ist dieser Moment nur noch eine Randnotiz in der Geschichte. Damals schlug er gewaltige Wellen. Ein Werksfahrer, der im Titelkampf seinen eigenen Markenkollegen abräumt – die Szene schaffte es bis in die Nachrichten außerhalb des Sports, wurde als «Titel-Selbstmord» tituliert und beschäftigte das Fahrerlager bis Valencia.
Dabei war Pedrosa alles andere als ein Rüpel. Der Spanier galt über seine gesamte Laufbahn als Gentleman des Sports: Still, hochprofessionell, dreifacher WM-Zweiter, 31 GP-Siege, in all den Jahren kaum in eine Kontroverse verwickelt. Estoril war die große Ausnahme, ein Panik-Manöver in seinem ersten Königsklassen-Jahr.
Hayden, der zuvor in dieser Saison noch nie gestürzt war und jedes andere Rennen beendet hatte, machte aus seinem Frust keinen Hehl. «Ich weiß nicht, was ich sagen soll, es tut einfach weh», sagte er. Vor allem die fehlende Absprache unter den Honda-Piloten wurmte ihn: «Wir hätten einen Plan haben müssen. Fünfzehn Rennen gefahren, ein WM-Titel auf dem Spiel und sieben weitere Honda auf der Strecke.»
Nicky Hayden über Dani Pedrosa: «Ich weiß, dass er sich mies fühlen muss»
Und doch zeigte Hayden im Moment größter Enttäuschung Größe. Er weigerte sich, mit dem Finger auf Pedrosa zu zeigen. «Ich unterschreibe seine Gehaltschecks nicht, also kann ich ihm nicht vorschreiben, was er zu tun hat», sagte er nach dem Rennen und schob nach: «Ich weiß, dass er sich mies fühlen muss.» Pedrosa kam nach dem Rennen zu Haydens Motorhome, die beiden gaben sich die Hand. Der Amerikaner wusste, dass keine Absicht dahintersteckte.
Der sportliche Schaden war enorm. Weil vorne Toni Elias gewann, blieben Rossi als Zweitem die vollen Punkte verwehrt – doch es reichte, um erstmals in der Saison die WM-Führung zu übernehmen. Aus Haydens komfortablem Polster war ein Rückstand geworden.
Vor dem Saisonfinale in Valencia – was wieder seine eigene Geschichte schrieb – war der Titelkampf wieder offen: Rossi führte mit 244 Punkten, Hayden folgte mit 236. «Kentucky Kid» brauchte nun Schützenhilfe und ein starkes, eigenes Rennen – oder das Nervenflattern des damaligen Dominators. Am Ende wurde Nicky Hayden 2006 doch noch MotoGP-Weltmeister.
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