Weshalb Danilo Petrucci am BMW-Erbe von Toprak Razgatlioglu verzweifelt
Während Miguel Oliveira bei seinem Heimrennen in Estoril in der Superbike-WM zweimal in Podestnähe kam, gab es für ROKiT-BMW-Teamkollege Danilo Petrucci nicht einmal Punkte. Was den Italiener quält.
Die vierten Plätze von Miguel Oliveira im
«Estoril war ziemlich schwierig. Ich hatte nicht erwartet, dass wir in den Rennen so große Probleme haben würden», räumte Petrucci im Gespräch mit SPEEDWEEK.com ein. «Das Qualifying war gar nicht so schlecht, wir waren recht nah an den Top-10. Weil wir nichts zu verlieren hatten, haben wir am Samstag einige Sachen probiert. Ich kann das Motorrad nicht wie gewünscht verzögern und es mangelt an Turning. Bin ich gut auf der Bremse, habe ich kein Turning – oder andersherum. Leider haben einige Änderungen nicht wie geplant funktioniert, wir fanden aber heraus, dass wir während der Saison einen Weg eingeschlagen haben, der das Gegenteil dessen ist, was Toprak im letzten Jahr verwendet hat. Toprak tendierte extrem in eine Richtung, um das Bike bestmöglich verzögern zu können. Das entspricht aber nicht meinem Fahrstil, ich mag es flüssiger und schneller in den Kurven. Mit diesem Motorrad kannst du nur eines haben: Gute Verzögerung oder gute Kurvengeschwindigkeit – ich habe über die Saison beides verloren.»
Toprak fuhr auf der BMW einmalig
Toprak Razgatlioglu hat auf der BMW herausragende Leistungen gezeigt, in seinen 66 Rennen für den deutschen Hersteller stand er 58 Mal auf dem Podium, 39 Mal als Sieger. Den Verantwortlichen aus München ist schon länger klar, dass sie ein Motorrad brauchen, mit dem alle Fahrer schnell sein können und nicht nur Toprak. Das ist ihnen auch immerhin so weit gelungen, dass Oliveira auf einigen Strecken sowohl im Qualifying als auch über die Renndistanz besser war als der Türke im Vorjahr.
Petrucci hingegen bringt es nicht hin, ihm wurde «seit dem ersten Tag» gesagt, er müsse mehr wie Toprak fahren. Der Routinier hat erfreut zur Kenntnis genommen, dass auch Oliveira mit seinem Stil schnell ist. «Und er orientiert sich kein Stück an Topraks Fahrweise», beschrieb der Italiener, der aber auch festhielt, dass Toprak in Estoril schneller war als Oliveira. Danilo grübelte: «Vielleicht gibt es nur einen Weg, dieses Motorrad schnell zu fahren, in dem man es abbremst, während man noch aufrecht fährt. Das ist der Moment, in dem bei Toprak das Hinterrad in die Höhe stieg. Ich bin gut auf der Bremse, vor allem beim Einbiegen in die Kurve, in diesem Bereich war ich in der Vergangenheit sehr schnell. Manchmal war ich so schnell, dass ich das Motorrad nach dem Scheitel nicht rechtzeitig aufrichten konnte und deshalb an Speed verlor.»
Wenn du einem seine Spezialwaffe wegnimmst, dann wird er zu einem normalen Fahrer.danilo petrucci über toprak
«Mit meiner Größe und meinem Gewicht kann ich das Motorrad beim Geradeausfahren nicht komplett abbremsen, weil der Gewichtstransfer so hoch ist», ging Danilo weiter in die Tiefe. «Toprak hat Fähigkeiten auf der Bremse, die sich sehr von meinem Fahrstil unterscheiden. Und er konnte sich hervorragend an die Pirelli-Reifen anpassen, die sofort viel Traktion bieten. Wie wir jetzt in der MotoGP sehen, geht das dort nicht auf und er ist in Schwierigkeiten. Was wir von ihm sehen, entspricht nicht seinen wahren Fähigkeiten, er kann viel viel mehr. Aber wenn du einem Fahrer seine Spezialwaffe wegnimmst, dann wird er zu einem normalen, nicht so schnellen Fahrer. Ich war gut am Kurveneingang und im -scheitel, aber nicht beim Bremsen mit aufrechtem Bike. Daraus ergaben sich für mich in diesem Jahr zu viele Schwierigkeiten.»
Petrucci hat drei Möglichkeiten für 2027
Bezüglich seiner Zukunft ist noch keine Entscheidung gefallen.
«Das war ein hartes Jahr war für mich», gab der BMW-Werksfahrer unumwunden zu. «Angesichts der vielen schlechten Ergebnisse, trotz meines Einsatzes, beginnst du automatisch darüber nachzudenken, ob es nicht mehr reicht, ob ich nicht mehr gut genug bin. Ich muss mir intensiv überlegen, ob ich weiterhin in der Superbike-WM Rennen fahren möchte.»
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