Von der MotoGP auf die Straße: Wie Rennsport Motorradfahrer schützt
Airbag-Kombis, Hightech-Helme und elektronische Helfer: Technologien aus dem Rennsport erhöhen längst auch die Sicherheit auf der Straße. Zwei MotoGP-Teammanager erklären den Transfer.
Die MotoGP dient den Motorradherstellern nicht nur als Marketing-Bühne für sportliche Erfolge. Die Königsklasse ist gleichzeitig ein Entwicklungslabor, dessen Erkenntnisse später in Serienmotorräder und die Ausrüstung von Straßenfahrern einfließen. LCR-Teamchef Lucio Cecchinello und VR46-Teammanager Pablo Nieto sehen darin einen wichtigen Beitrag des Rennsports zur Sicherheit von Motorradfahrern.
Besonders offensichtlich ist der Technologie-Transfer bei der Schutzkleidung. Die Ausrüstung der MotoGP-Piloten muss extremen Belastungen standhalten und wird kontinuierlich weiterentwickelt. Erkenntnisse daraus gelangen anschließend in Produkte, die jeder Motorradfahrer erwerben kann.
«Wir nutzen in der MotoGP zahlreiche Technologien. Ich denke da an die Helme und die Airbag-Pflicht in den Lederkombis», erklärte Nieto in einer Talkrunde von MotoGP.com. «Die Dinge, die wir hier im Rennsport nutzen, werden in den folgenden Jahren in den Straßenverkehr gebracht.»
Enge Verbindung von Rennstrecke und Serie
Dabei sind die Verbindungen zwischen Rennstrecke und Straße inzwischen besonders eng. Fans können nicht nur Produkte erwerben, die optisch an die Ausrüstung ihrer Idole angelehnt sind. Teilweise handelt es sich um die gleiche hochwertige Schutzausrüstung. «Man kann exakt den gleichen Helm kaufen, den der Lieblingsfahrer verwendet. Man kann auch die exakt gleiche Lederkombi für die Straße kaufen», betonte Nieto. Für den VR46-Teammanager ist diese Nähe zwischen Profi- und Breitensport eine Besonderheit: «Das ist nicht in vielen Sportarten so.»
Der Einfluss des Rennsports beschränkt sich jedoch nicht auf die persönliche Schutzausrüstung. Auch elektronische Assistenzsysteme, die heute bei Straßenmotorrädern selbstverständlich erscheinen, wurden durch die Entwicklung im Wettbewerb entscheidend vorangetrieben.
«Wir liefern einen wirklich großen Beitrag für die Motorradindustrie», ist Cecchinello überzeugt. Als Beispiel nennt der ehemalige Grand-Prix-Pilot die Traktionskontrolle. «Im Rennsport wurde die Traktionskontrolle für die Straßenmotorräder entwickelt. Das ist eine riesige Hilfe, um Stürze zu verhindern.»
Moderne Straßenmotorräder verfügen mittlerweile über eine Vielzahl elektronischer Sicherheitssysteme. Traktionskontrollen greifen abhängig von Schräglage und Fahrzustand ein, während immer ausgefeiltere Assistenzsysteme den Fahrer unterstützen. Die Rennstrecke bietet den Herstellern dabei ein extremes Umfeld, um neue Technologien zu entwickeln und Erfahrungen zu sammeln.
MotoGP-Piloten sollen Straßenfahrer sensibilisieren
Cecchinello sieht die Verantwortung der MotoGP allerdings nicht allein in der technischen Entwicklung. Der LCR-Teamchef ist überzeugt, dass die enorme Reichweite der Weltmeisterschaft noch stärker genutzt werden könnte, um Motorradfahrer für das Thema Verkehrssicherheit zu sensibilisieren.
«Wir können Millionen von Fahrern inspirieren und beeinflussen», betonte der Italiener. Dabei nimmt er auch die Verantwortlichen innerhalb des Fahrerlagers in die Pflicht: «Ich spreche von uns Teammanagern und Teammitgliedern. Doch wir sollten die Fahrer noch stärker als Repräsentanten für das Thema Sicherheit im Straßenverkehr nutzen.»
Die MotoGP-Piloten könnten damit neben ihrer Rolle als sportliche Vorbilder auch als Botschafter für einen verantwortungsvollen Umgang mit Motorrädern auftreten. Schließlich zeigt der Technologie-Transfer bereits, dass Rennsport und Sicherheit kein Widerspruch sein müssen: Was unter extremen Bedingungen auf der Rennstrecke entwickelt und erprobt wird, kann Jahre später dazu beitragen, Motorradfahrer auf öffentlichen Straßen besser zu schützen.
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