Kimi Räikkönen Steckbrief

Rennfahrer
  • Vorname: Kimi Matias
  • Nachname: Räikkönen
  • Spitzname: Iceman
  • Webseite: www.kimiraikkonen.com
  • Nationalität: Finnland
  • Geburtsdatum: 17.10.1979 in Espoo, Finnland (41 Jahre, 1 Monat und 13 Tage)
  • Familienstand: Verheiratet
  • Wohnort: Baar
  • Größe: 175 cm
  • Größe: 70 kg
  • Hobbys: Snowboard, Eishockey, Motorradfahren, Rallyefahren, Jetskifahren, Snowmobilfahren
  • Lieblingssportart(en): Motocross
  • Lieblingsstrecke: Spa-Francorchamps
  • Lieblingsspeise(n): Lachs
  • Lieblingsmusik: Finnisches Radio

Kimi Räikkönen begann 1988 mit dem Motorsport und startete zunächst im Kartsport in den finnischen Junioren-Klassen, wo er einige Siege einfahren konnte. 1991 gewann er die Finnische Kartmeisterschaft der Minis, ein Jahr später gelang ihm dies in der Klasse Raket Junior. 1997 und 1998 gewann Räikkönen die finnische Kartmeisterschaft der Klasse A.

1999 wechselte er zum Formelsport und wurde auf Anhieb Gesamtdritter der nationalen Formel-Renault-Serie. Auch die Formel-Renault-Winterserie beendete der Finne als Erster. Im Jahr 2000 fuhr er in der britischen Formel Renault, die er ebenfalls für sich entschied. Im Winter 2000/2001 durfte Räikkönen in Mugello ein Formel-1-Fahrzeug von Sauber testen. Räikkönen zeigte großes Talent, vor allem in den schnellen Mutpassagen der Toskaner Rennstrecke, so dass Sauber kurz nach den Testfahrten die Verpflichtung Räikkönens für die Saison 2001 bekannt gab. Die FIA gestand dem jungen Finnen die Superlizenz zunächst nur für vier Rennen auf Probe zu, denn er hatte bis dato ganze 23 Autorennen bestritten.

Räikkönens Formel-1-Karriere begann damit beim Großen Preis von Australien 2001. Der Finne landete sofort in den Punkterängen. Auch in den nächsten Rennen zeigte er jeweils respektable Leistungen, sodass er seine Superlizenz endgültig bekam. Räikkönen beendete seine erste Formel-1-Saison als Zehnter der Gesamtwertung. Aber Sauber konnte das Supertalent nicht halten – McLaren kaufte den Finnen aus seinem Vertrag aus.

In seinem ersten Rennen für das McLaren-Team (Australien 2002) fuhr Räikkönen zum ersten Mal aufs Podest und drehte seine erste schnellste Rennrunde. Im weiteren Verlauf der Saison schied er häufig durch technische Defekte aus, in Frankreich konnte Räikkönen beinahe seinen ersten Grand Prix gewinnen. Kurz vor Schluss lag er vor Weltmeister Michael Schumacher in Führung. Ein Ölfleck verusachte jedoch einen Dreher, und Räikkönen musste Schumacher passieren lassen. Am Saisonende war er mit 24 Punkten Sechster der Fahrer-WM.

In der Saison 2003 sicherte sich Räikkönen beim zweiten Lauf in Malaysia seinen ersten Formel-1-Sieg. Auch beim chaotischen Regenrennen zwei Wochen später in Brasilien wurde Räikkönen nach dem Rennabbruch in der 54. Runde als Sieger gewertet. Später musste die Rennleitung Fehler eingestehen, und Räikkönen verlor seinen Sieg an den zunächst zweitplatzierten Giancarlo Fisichella. Die restliche Saison verlief nicht so gut für den wegen seiner kühlen Art längst «Iceman» getauften Finnen. Am Ende konnte Räikkönen zwar keinen weiteren Sieg einfahren, aber dennoch mit insgesamt zehn Podestplatzierungen und nur zwei Punkten Rückstand WM-Zweiter hinter Ferrari-Pilot Michael Schumacher werden.

2004 fiel Räikkönen erneut häufig durch technische Probleme aus. Erst mit der verbesserten Version, dem McLaren MP4-19B, folgten weitere Podestplätze und der zweite Grand-Prix-Sieg, in Belgien. Räikkönen wurde Siebter der WM.

2005 zeigte sich McLaren stark verbessert. Räikkönen hatte mit seinem MP4-20 das schnellste Fahrzeug der Saison zur Verfügung. Gegen Fernando Alonso konnte sich Räikkönen trotzdem nicht durchsetzen. Räikkönen wurde in der Endabrechnung erneut Zweiter, mit 21 Punkten Rückstand auf Alonso. Höhepunkt der Saison: als Räikkönen in Japan von Startplatz 17 ins Rennen ging, Gegner wie Michael Schumacher und Fernando Alonso überholte und in der letzten Runde den bis dahin führenden Fisichella. Was für eine Siegesfahrt!

2006 kam er im McLaren oft unter die besten Acht, konnte aber kein Rennen gewinnen. Er wurde am Saisonende WM-Fünfter mit 65 Punkten. Beim Großen Preis von Italien in Monza 2006 wurde bekanntgegeben, dass Kimi Räikkönen in der Saison 2007 der Nachfolger von Michael Schumacher bei Ferrari werden soll. Kimi glaubte nach so vielen Defekten in aussichtsreicher Position nicht mehr daran, mit McLaren-Mercedes Weltmeister werden zu können.

Seinen ersten Sieg für Ferrari feierte Räikkönen gleich beim ersten Rennen 2007 in Australien, nachdem er im Qualifying die Pole-Position erreicht hatte. Er war der erste Ferrari-Fahrer seit Nigel Mansell 1989, der bei seinem ersten Rennen für die Scuderia gewann, und der erste Fahrer seit Juan Manuel Fangio im Jahr 1956, der dabei auch von der Pole gestartet war. Es folgten regelmässige Spitzenplatzierungen sowie Siege in Magny-Cours und Silverstone. Bei seinem ersten Italien-Grand-Prix für Ferrari wurde er Dritter, nachdem er im Qualifikationstraining einen Unfall mit 300 km/h unverletzt überstanden hatte und das Rennen mit dem Ersatzauto bestreiten musste. Da der WM-Führende Lewis Hamilton in China ausfiel, konnte Räikkönen seinen Punkterückstand bei noch einem ausstehenden Rennen auf sieben Punkte verkürzen. Die Chancen auf den Titelgewinn waren dennoch gering. Bei einem Sieg Räikkönens hätten ein fünfter Platz Hamiltons oder ein zweiter Platz Alonsos die Titelträume von Kimi zum Platzen gebracht. Nach einem Fahrfehler und einem technischen Problem erreichte Hamilton aber nur den siebten Platz, während Alonso hinter Felipe Massa lediglich den dritten Rang erreichte. Somit war Interlagos-Sieger Räikkönen zum ersten Mal Formel-1-Weltmeister, als lachender Dritter des saisonlangen Streits zwischen Hamilton und Alonso bei Kimis früherem Rennstall.

Neben dem WM-Titel gewann Räikkönen auch die «DHL Fastest Lap Trophy», einen 2007 erstmals vergebenen Preis des Logistik-Konzerns DHL für den Fahrer mit den meisten schnellsten Rennrunden in einer Saison.

Nach hervorragenden Testergebnissen von Ferrari im Winter ging Räikkönen als Titelfavorit in die Saison 2008. Beim ersten Rennen in Australien konnten er die Erwartungen nicht bestätigen. Räikkönen beendete ein turbulentes Rennen mit Safety-Car-Phasen, zwei Drehern und technischen Problemen als Achter. Beim zweiten Rennen in Malaysia feierte der Finne seinen ersten Saisonsieg und übernahm mit dem zweiten Platz in Bahrain die Führung in der Weltmeisterschaft. Nach dem Rennen in Großbritannien standen mit Lewis Hamilton und den beiden Ferrari-Piloten Massa und Räikkönen drei Fahrer punktgleich an der Spitze der WM. In den folgenden Rennen verlor Räikkönen allerdings Boden auf seine Konkurrenten. Am Ende der Saison wurde er Gesamtdritter hinter Hamilton und Massa.

Obwohl sein Vertrag bis einschliesslich 2010 lief, wurde die 2009 die vorerst letzte Saion des Finnen bei Ferrari. Der neue Bolide war nicht konkurrenzfähig, und es dauerte bis zum vierten GP des Jahres in Bahrain, dass Räikkönen als Sechster erste WM-Punkte einfahren konnte. Nachdem er in Ungarn Platz 2 einheimste und beim GP von Europa erneut Dritter wurde, gelang ihm in Spa-Francorchamps der erste und einzige Ferrari-Sieg jener Saison. Als WM-Sechster trennte sich Räikkönen einvernehmlich von Ferrari.

Der eigenwillige Finne wollte nun in der Rallye-WM von sich reden machen. Seine Starts mit Fiat und Citroen in den Saisons 2010 und 2011 waren von bescheidenem Erfolg gekrönt. Wohl auch deshalb entschied sich Räikkönen zur Rückkehr in die Formel 1. Zudem vermisste er den Rad-an-Rad-Wettbewerb.

Mit dem neuen Lotus-Team fand Räikkönen 2012 zurück zur Formel 1. Nach schwachem Saisonstart steigerte sich Team und Fahrer gleichermassen und holte beim vierten Rennen in Bahrain Platz 2. Es folgten weitere Podestplatzierungen, wodurch sich der Finne in der Gesamtwertung immer weiter nach vorne schieben konnte. Am Ende der Saison belegt er den dritten Rang – nach einem aufsehenerregenden Sieg in Abu Dhabi und insgesamt sieben Platzierungen auf dem Siegerpodest.

2013 startete Kimi erneut mit Lotus, galt dieses Mal aber nicht mehr als Aussenseiter. Prompt gewann er den Saisonauftakt in Australien, vor allem dank einer cleveren Rennstrategie. Zweite Plätze folgten in China, Bahrain, Spanien und Südkorea. In Singapur glänzte er als Dritter. Räikkönen klagte aber die gesamte Saison über Rückenschmerzen und entschied sich schliesslich vor Ablauf der Saison zur Operation. Das beendete seine Saison vorzeitig, er wurde WM-Fünfter.

2014 kehrt Räikkönen zu Ferrari zurück. Die Saison verlief enttäuschend: Kimi kam mit dem störrischen Ferrari viel weniger gut zurecht als Fernando Alonso, stand kein einziges Mal auf dem Siegerpodest und musste sich mit WM-Rang 12 begnügen. 2015, nun an der Seite seines Kumpels Sebastian Vettel, kam Räikkönen besser zurecht – WM-Rang 4. 2016 rückte Kimi seinem Stallgefährten noch näher, aber der Ferrari zu wenig konkurrenzfähig. Einem erneuten Sieg fährt er damit weiter hinterher.

Räikkönen ist über seine Rennfahrerkarriere hinaus Besitzer des Teams «Double R Racing». Sein Rennstall, den er mit seinem Manager Steve Robertson führt, ist in der britischen und europäischen Formel 3 aktiv gewesen. 2006 wurde mit Mike Conway der Titel in Grossbritannien erobert.

Kimi Räikkönen lebt mit der früheren Flugbegleiterin Minttu Virtanen zusammen, im Januar 2015 sind die beiden erstmals Eltern geworden, ein strammer Robin kam zur Welt. Im Sommer 2016 heirateten Kimi und Minttu in der Toskana. Im Mai 2017 kam Tochter Rianna auf die Welt.

2017 hätte Kimi Räikkönen eigentlich seinen 21. Grand-Prix-Sieg erobern müssen, aber Ferrari wählte Rennstrategien, die WM-Anwärter Sebastian Vettel in Monaco und Ungarn begünstigten. Kimi zeigt mit der Pole-Position in Monte Carlo, dass er noch immer schnell ist. Im Sommer erhielt Räikkönen von Ferrari einen weiteren Einjahresvertrag, die WM schloss «Iceman» auf dem vierten Schlussrang ab.

2018 bedankte er sich mit WM-Schlussrang 3 und einem grandiosen Sieg in Austin (Texas), mehr als fünf Jahre nach seinem zuvor letzten Erfolg in Melbourne 2013! Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die Fans von «Iceman» halbwegs von ihrem Schock erholt.

Die Anhänger von Räikkönen wussten Anfang September 2018 nicht, ob sie nun lachen oder weinen sollten. Ihr Idol 2019 nicht mehr im Ferrari, dafür bleibt «Iceman» der Formel 1 erhalten – der Finne kehrte zu jenem Rennstall zurück, wo 2001 seine GP-Karriere begonnen hat, zu Sauber. Das ist nur eine der Knallermeldungen dieses heissen Transfersommers. Jetzt mal Hand aufs Herz: Wer hätte im vergangenen Juli schon erwartet, dass Daniel Ricciardo 2019 in einem Renault sitzen würde oder dass Kimi noch zwei Jahre lang Formel 1 fährt, aber nicht für Ferrari?

Sportwagen-Weltmeister Martin Brundle: «Die Tatsache, dass sich Kimi zwei Jahre lang bindet, die beweist mir, wie lichterloh das Feuer noch in ihm brennt.» Es gab aber auch kritische Stimmen. Wenn Räikkönen schon bei zweiten und dritten Rängen mit Ferrari die Nase rümpft, was will er dann sagen, wenn er in einem Sauber mit Ach und Krach in die Top-Ten vordringt? Anders gefragt: Wieso tut sich der Weltmeister von 2007 das an?

Kimi im Fahrerlager von Singapur 2018: «Was wollt ihr denn noch wissen? Es ist doch alles klar. Ich habe schon ein paar Mal gesagt – Ferrari ist nicht meine Entscheidung. Alles was über Ferrari hinaus passiert, ist meine Entscheidung. Wieso Sauber? Warum nicht? Klar gibt es viele Unterschiede zwischen Ferrari und Sauber. Aber die Autos sind nun mal nicht gleich. Das war immer schon so. Wir werden dann sehen, wie stark wir im kommenden Jahr sein werden. Wieso macht ihr alle so kompliziert? Ich wollte zu Sauber und fertig. Wie gut wir sein werden, ich habe keine Ahnung. Ich glaube an dieses Team, ich bin happy mit dieser Entscheidung, das reicht mir.»

Auf die Frage, ob er also noch volle Leidenschaft für den Sport spüre, antwortete Kimi ironisch: «Nein, das sind alles nur Psychospielchen, die ich mit euch mache. Mit bedeutet das alles nichts, aber ich fand es lustig, wenn ich euch ein wenig ärgern kann und noch zwei Jahre bleibe.»

Übersetzung aus dem Räikkönen’schen: Ja, natürlich glüht die Passion. Bei früherer Gelegenheit hat Kimi gesagt: «Das Fahren und die Zweikämpfe sind so toll wie immer. Auf den ganzen Rest könnte ich verzichten, wie etwa auf die Medienarbeit.»

Dann wurde Kimi wieder ernst: «Die Gespräche haben in Monza angefangen, ich habe einen guten Draht zu Sauber behalten, die ganzen Jahre über. Aber ich hatte nicht im Kopf, eines Tages wieder zu Sauber zurückzugehen. Es ist so entstanden, und ich bin damit zufrieden.»

Und wie ist das nun mit dem Gewinnenwollen? «Mein Ziel bleibt das gleiche. Wenn das nicht realistisch ist, dann will ich das bestmögliche Ergebnis.»

Auf die Frage, ob Kimi seine Karriere bei Sauber beenden werde, grinste Räikkönen: «Die Chance dazu ist gross.» Neben ihm lachte Lewis Hamilton: «Du kannst ja den Rekord des ältesten GP-Piloten brechen.» Kimi: «Äh, dazu müsste ich noch sehr viel länger fahren.»

Es war auch davon die Rede, dass Kimi nach Abschluss seiner Fahrerkarriere eine Management-Rolle bei Sauber übernehmen würde. Räikkönen: «Darüber hat es null Gespräche gegeben.»

Nur wenige Menschen kennen Kimi besser als Steve Robertson. Zusammen mit seinem Vater David überredete er damals Peter Sauber, den jungen Kimi mal Formel 1 fahren zu lassen, obschon Räikkönen erst Formel-Renault-Fahrer war. Der Rest ist ein Stück Motorsporthistorie. Kimi hat seinen neuen Sauber-Vertrag weitgehend alleine ausgehandelt, Robertson ist aber enger Vertrauter geblieben, der dann einschreitet, wenn Vertragsverhandlungen in die entscheidende Phase kommen.

Steve Robertson sagte: «Kimi will Formel 1 fahren, weil er das liebt. Die meisten Leute gingen davon aus – wenn er nicht mehr Ferrari fahren kann, dann hockt er sich auf eine Yacht und geniesst das Leben. Aber diese Menschen unterschätzen die tiefe Leidenschaft Kimis für den Rennsport. Als klarwurde, dass bei Ferrari kein Platz mehr ist, haben wir uns eine Alternative angeschaut. Sauber kam schnell aufs Tapet. Dort hat sich Vieles verändert. Das Team ist finanziell wieder gesund aufgestellt und wird stärker. Vor mehr als zwei Jahren standen sie kurz vor dem Kollaps, sie hätten sich einen Fahrer wie Kimi nie leisten können.»

«Nun aber haben sie einen absoluten Top-Piloten verpflichtet, einen Weltmeister, das zeigt, wo Hinwil hinwill. Sie hätten durchaus einen Bezahlfahrer verpflichten können. Aber sie wollen sportlichen Erfolg.»

Gerüchte über Sauber und Kimi tauchten schon im Frühsommer auf. Aber Robertson meint: «Ich habe davon gelesen, aber wir haben das nicht diskutiert. Zu diesem Zeitpunkt konzentrierten wir uns ganz darauf, einen neuen Vertrag bei Ferrari zu erhalten.»

«Kimi müsste überhaupt nichts tun. Er hat sich für zwei Jahre verpflichtet, weil er glaubt, dass er den Rennstall nach vorne bringen kann. Ich glaube, das würde ihn stolz machen. Er weiss, dass er in aller Wahrscheinlichkeit keine Siegchance haben wird, ausser, wir erleben einen komplett verrückten Grand Prix. Aber er kann in Sache Entwicklung viel bieten. Seine Erfahrung bei der Entwicklung war ein wichtiger Grund, warum ihm Ferrari so viele Jahre die Stange gehalten hat.»

2019 lieferte Kimi Räikkönen exakt, was sich Teamchef Fred Vasseur von ihm erwartet hatte: Wenn der Wagen punktefähig war, dann holte der Finne WM-Zähler. Leider war das nicht in jedem Rennen der Fall. Kimi begann stark, mit vier Punktefahrten in Folge (darunter Rang 7 in Bahrain), dann folgte eine Baisse von drei Rennen ohne Zähler, danach drei Mal Top-Ten-Platzierungen in vier Rennen. Aber nicht alle Entwicklungen am Alfa Romeo-Sauber schlugen ein, die zweite Saisonhälfte war weitgehend schwach. Highlight der Saison: Rang 4 in Brasilien.

Dass Kimi Räikkönen nicht viel auf Statistiken und Zahlen gibt, machte der wortkarge Finne bei allen möglichen Meilensteinen seiner Karriere klar. So hat es den «Iceman» auch ziemlich kalt gelassen, dass er beim WM-Finale von Abu Dhabi seinen 312. GP-Einsatz bestritten hat – damit ist er in der ewigen Rangliste der Formel-1-WM in Sachen Teilnahmen Zweiter.

An der Spitze dieser Statistik steht Rubens Barrichello mit 322 Rennteilnahmen – kein anderer GP-Pilot in der Geschichte des Sports gab bei so vielen WM-Läufen Gas wie «Rubinho». Räikkönen wird diesen Rekord im nächsten Jahr brechen können, schliesslich wird der 40-Jährige auch 2020 für Alfa Romeo Racing auf Punktejagd gehen. Sollte er bis zum Österreich-GP 2020 keinen Grand Prix verpassen, überholt er Barrichello mit dem Rennen auf dem Red Bull Ring (elfter Lauf zur WM).
Kimi sagt: «Hätte mir jemand in meinen frühen Tagen gesagt, dass ich noch mit 40 in der Formel 1 fahren würde, dann hätte ich das nicht geglaubt. Ich hatte 2001 bei Sauber einen Vertrag über drei Jahre, zwei Jahre plus eine weitere Saison als Option, aber meine Karriere war noch jung und das Ziel bestand darin, eine gute Leistung zu zeigen und zu schauen, was dann passiert. Aber selbst mit 27 oder 28 Jahren hätte ich kein Geld darauf verwettet, mit 40 noch dabei zu sein.»

Dass er heute für Alfa Romeo Racing ins Steuer greift, liegt nicht zuletzt an seiner zweijährigen Pause, die er 2010 und 2011 einlegte, um sich die Zeit mit Rallye-WM-Einsätzen zu vertreiben. «Wenn ich damals nicht gegangen wäre, dann wäre ich heute nicht mehr hier, denn ich hatte damals die Nase voll. Nicht vom Rennfahren, aber von den politischen Spielchen und dem ganzen Unsinn.»

Die Freude an der Rennfahrerei ist noch da – und auch 2020 wird Kimi für den von Peter Sauber gegründeten Rennstall auf Hinwil auf WM-Punktejagd gehen. Was danach geschieht, steht noch in den Sternen, denn der Weltmeister von 2007 plant nicht so weit voraus. Auf die Frage, ob er auch nach der Regeländerung auf die Saison 2021 hin dabei sein wird, winkt er ab: «Das ist noch so weit weg. Ich hoffe, dass die neuen Regeln funktionieren, und zwar nicht nur für die Fahrer, sondern für alle. Was mich betrifft: Ich weiss nicht, ob ich dann noch dabei sein werde, denn meine Pläne gehen nie über das nächste Jahr hinaus. Mal schauen.»

Kimi ist bei Alfa Romeo-Sauber lockerer geworden, es tut dem Finnen sichtlich gut, dass er nicht mehr so im Mittelpunkt steht wie zu den Zeiten als Ferrari-Fahrer. Aber Räikkönen findet: «Ob ich nun für Ferrari oder Alfa Romeo-Sauber fahre – der Druck ist der gleiche. Du willst für beide Teams so gut wie möglich abschneiden. Druck machst du dir als Racer selber. Und die Arbeit an sich hat sich auch nicht geändert. Die Besprechungen verlaufen ungefähr gleich, ich fahre ungefähr gleich, die Rennen verlaufen ähnlich.»

Der WM-Zwölfte von 2019 weiter: «Was sich hingegen massiv geändert hat, das ist die Zeit abseits der Rennstrecken. Ich habe jetzt viel mehr Freiraum und weniger Verpflichtungen wie etwa Auftritte für Sponsoren. Dazu kommt, dass das Sauber-Werk nur eine halbe Stunde von meinem Zuhause entfernt liegt, das hilft bei der Arbeit sehr und ermöglicht mir ebenfalls, mehr Zeit mit der Familie verbringen zu können. Idealer geht es nicht.»

Lewis Hamilton: Hunger auf mehr als Formel 1

Mathias Brunner
​Lewis Hamilton ist nach 2008, 2014, 2015, 2017, 2018 und 2019 zum siebten Mal Formel-1-Weltmeister. Doch sein Erbe besteht nicht aus Bestmarken, die er reihenweise niederreisst. Sein Erbe reicht erheblich weiter.
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