Steckbrief

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Romain Grosjean

Rennfahrer

Vorname: Romain
Nachname: Grosjean
Spitzname: k.A.
Webseite: www.romaingrosjean.com
Twitter: RGrosjean
Nationalität: Frankreich
Geburtsdatum: 17.04.1986 in Genf, Schweiz (33 Jahre, 6 Monate und 30 Tage)
Familienstand: Verheiratet
Wohnort: Genf
Größe: 180 cm
Gewicht: 65 kg
Hobbys: Computer, Videospiele, mit Freunden abhängen
Lieblingssportart(en): Golf, Karting
Lieblingsstrecke: Sepang und Suzuka
Lieblingsspeise(n): Asiatisch
Lieblingsmusik: Rock

Romain Grosjean ist der Sohn eines Schweizers und der französischen Künstlerin Marie-Hélène Brandt, tritt im Rennsport aber unter französischer Flagge an, «weil ich einfach glaubte, als Franzose im internationalen Rennsport mehr Unterstützung zu erhalten denn als Schweizer». Sein Großvater väterlicherseits ist der Schweizer Skirennläufer Fernand Grosjean, der Vizeweltmeister im Riesenslalom von 1950.

Grosjean begann seine Rennsportkarriere 2000 im Kartsport und gewann 2001 die französische ICA-Kartmeisterschaft. 2003 wechselte er in die Schweizer Formel Renault 1600 und die Formel Lista junior, in denen er in seinem Debütjahr Meister wurde. 2004 ging die Reise weiter in die französische Formel Renault, in der er Siebter wurde und in den Formel Renault 2.0 Eurocup, in dem er sein erstes Jahr als 15. beendete. 2005 fuhr Grosjean weiter in beiden Rennserien und sicherte sich in der französischen Formel Renault mit 10 Siegen in 16 Rennen den Meistertitel. Daraufhin nahm ihn das Renault-Formel-1-Team in sein Förderprogramm auf.

2006 stieg Romain in die Formel-3-Euroserie auf und stand in Oschersleben als Dritter auf dem Podium. Außerdem absolvierte er zwei Gaststarts in der britischen Formel-3-Meisterschaft teil und gewann beide Male. 2007 wechselte Grosjean vom Rennstall Signature-Plus zu ASM Formule 3, dem Team, mit dem Jamie Green, Lewis Hamilton und Paul di Resta in den Vorjahren den Meistertitel geholt hatten. Und Romain Grosjean machte es ihnen nach. Mit sechs Siegen und elf Punkten Vorsprung auf den Zweitplatzierten Sébastien Buemi wurde Grosjean als erster Franzose Meister der Serie.

2008 wurde Romain Grosjean zum offiziellen Testfahrer des Renault-Formel-1-Teams ernannt und stieg gleichzeitig mit ART Grand Prix in die GP2-Serie auf. In der ersten Saison der GP2-Asia-Serie wurde er mit einem Vorsprung von 24 Punkten auf seinen ehemaligen Formel-3-Konkurrenten Buemi Meister. In der internationalen GP2 stand er insgesamt sechs Mal auf dem Podium und gewann zwei Rennen. Am Ende der Saison war er Vierter in der Gesamtwertung.

2009 blieb Romain Grosjean zwar in der G2, wechselte aber das Team und ging zu Barwa Addax. In Spanien stand er ein Mal als Sieger und ein Mal als Zweiter auf dem Podest, in Monaco überquerte er im Hauptrennen als Erster die Ziellinie. Nach einigen Rennen ohne Punkte fiel er in der Meisterschaft aber hinter Nico Hülkenberg zurück und wurde am Ende des Jahres Vierter in der Meisterschaft. Allerdings war er in den letzten acht Rennen gar nicht mehr am Start. Der Grund war einfach.

Nach der «Crashgate»-Affäre und der Entlassung von Nelson Piquet Jr. bei Renault fuhr Grosejan am 23. August 2009 in Valencia als neuer Teamkollege von Fernando Alonso nämlich sein erstes Formel-1-Rennen. Punkte blieben für Grosjean aber sowohl in Valencia als auch in den restlichen sieben Saisonrennen außer Reichweite und Ende des Jahres verkündete Renault Vitaly Petrow als neuen Piloten für 2010. Grosjean wirkte in der Formel 1 überfordert.

Nachdem er in der Formel 1 kein Cockpit finden konnte, startete Romain Grosjean 2010 für den Schweizer Rennstall Matech Competitionin der neugegründeten FIA-GT1-Weltmeisterschaft. Gemeinsam mit seinem Teamkollegen Thomas Mutsch gewann er zwei Rennen und belegte am Ende des Jahres Platz 11 in der Fahrerwertung. Darüber hinaus gab er sein Debüt beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Außerdem startete er ab Saisonmitte für DAMS in der GP2 und der Auto GP, in der er sich zwei Rennen vor Saisonende bereits die Meisterschaft sicherte – obwohl er in den ersten beiden Saisonrennen nicht am Start war. 2011 blieb Romain Grosjean mit DAMS in der GP2 und wurde mit fünf Siegen und fünf dritten Plätzen Meister und war außerdem wieder Testfahrer beim Renault-Formel-1-Team.

2012 kehrte Romain Grosjean als Stammfahrer beim Lotus F1 Team, dem Nachfolger des Renault-Werksteams, als Teamkollege von Kimi Räikkönen in die Formel 1 zurück. Beim ersten Saisonrennen startete er als Dritter, kam aber nicht sehr weit. Nach einer Kollision mit Pastor Maldonado war sein Rennen schon nach einer Runde zu Ende. In Malaysia startete der Lotus-Pilot von Platz 7, kam nach einer Kollision mit Michael Schumacher und einem Dreher ins Kiesbett aber auch da nicht ins Ziel. Erst in China sah er als Sechster zum ersten Mal die Zielflagge und stand ein Rennen später, in Bahrain, als Dritter zum ersten Mal auf dem Podium. In Kanada gelang es ihm, dieses bisher beste Ergebnis sogar zu übertreffen: Platz 2 für den Formel-1-Rückkehrer. Die einzige weitere Podestplatzierung des Jahres folgte in Ungarn.

Dafür machte Grosjean aber umso mehr durch seine ungestüme Fahrweise auf sich aufmerksam. Beim Grand Prix von Belgien verursachte er eine Startkollision mit vier Autos. Als Strafe dafür musste er auf Anordnung der FIA beim nächsten Rennen in Monza zuschauen und eine Geldstrafe von 50.000 Euro bezahlen. Nach den Unfällen in den ersten beiden Saisonrennen, einem Unfall mit Fernando Alonso in Monaco und kleineren Scharmützeln in weiteren Rennen, war der Crash in Spa-Francorchamps Grosjeans siebter Zwischenfall im zwölften Rennen. Und der achte, für den er mit einer Stop-And-Go-Strafe belegt wurde, folgte in Japan beim Start. Am Ende des Jahres war Romain Grosjean Achter in der Fahrerwertung und als Crash-Kid verschrien.

Ab September 2012 ließ er sich von einer Psychologin mental betreuen, die unter anderem auch schon für die französische Olympiamannschaft gearbeitet hatte – und das Training zahlte sich aus. 2013 blieb Romain Grosjean neben Kimi Räikkönen bei Lotus und fuhr in den ersten drei Rennen in die Punkte. In Bahrain stand er als Dritter auf dem Podium. Nach einem technischen Ausfall in Spanien erinnerte Grosjean in Monaco wieder an das Crash-Kid des vergangenen Jahres. Ausgangs des Tunnels krachte er Daniel Ricciardo ins Heck und musste dafür in Kanada zehn Plätze weiter hinten starten.

In Deutschland, Südkorea, Japan und Indien wurde er Dritter, in Austin zum ersten Mal in der Saison Zweiter. Das teaminterne Duell gegen Kimi Räikkönen verlor er mit 132 zu 183 Punkten und wurde in der Fahrerwertung am Ende des Jahres Siebter.

Im Juni 2012 heiratete Romain Grosjean seine langjährige Freundin Marion Jollès, die für den französischen TV-Sender TF1 als Formel-1-Reporterin arbeitete. Die beiden haben inzwischen zwei Kinder.

Die Saison 2014 war für das gesamte Lotus-Team niederschmetternd. Das Auto mit seinen beiden unterschiedlich langen Nasenspitzen ein Flop, die neue Antriebseinheit von Renault schwachbrüstig und defektanfällig. Grosjean, in den Jahren zuvor als künftiger GP-Sieger gehandelt, rutschte auf den 14. WM-Rang ab. 2015 ging es mit Mercedes-Power zwar nach oben, aber nun wurde das Team durch die dürftige Finanzierung behindert. In Belgien klopfte der Gerichtsvollzieher an. Ausgerechnet in jenem Rennen wurde Grosjean fabelhafter Dritter.

Längst stand sein Entschluss fest: Ein Tapetenwechsel musste her. «Ich bin in der Formel 1, damit ich eines Tages um die WM mitfahren kann. Und deshalb glaube ich, dass der Wechsel zu Haas der beste Weg ist, um dieses Ziel in naher Zukunft zu erreichen. Ich denke, meine besten Jahre liegen noch vor mir.»

«Man ist seines eigenen Glückes Schmied. Man versucht, die bestmöglichen Voraussetzungen zu schaffen und ein bisschen Glück ist natürlich auch dabei. Je mehr Möglichkeiten du schaffst, desto besser ist es. In den nächsten Jahren ein Ferrari-Cockpit zu bekommen, ist mein Traum. Ob es zwei, drei oder vier Jahre dauert, weiss ich nicht. Aber ich würde sehr gerne für Ferrari fahren, bevor ich meinen Rennhelm an den Nagel hänge.»

Grosjean verschaffte Haas ein schlichtweg sensationelles Debüt in der Formel 1: Drei Punktefahrten in den ersten vier Rennen, auf Rang 6 in Australien liess der Genfer Platz 5 in Bahrain folgen. Haas trat auf, als wären die US-Amerikaner schon immer da gewesen. Die Probleme kamen später: Der Rennstall hatte Mühe, das eigene Auto zu verstehen, die Interaktion zwischen Chassis und Reifen war oft ein Rätsel.

Nach dem tollen Frühling musste Grosjean hartes Brot essen: Nach Rang 8 in Sotschi kamen an 17 Rennwochenenden nur noch zwei Punktefahrten zustande – als Siebter in Österreich und als Zehnter beim Heimrennen von Haas in Texas. Romain Grosjean: «Wir wussten immer, dass es nicht so weitergehen konnte wie zu Beginn der Saison. Lehrgeld hatte ich einkalkuliert. Bei den meisten Rennen hatten wir null Erfahrungswerte. Die werden wir aber 2017 haben.»

Grosjean wurde am Ende WM-Dreizehnter mit 29 Punkten. Für 2017 visierte der Genfer eine Leistungssteigerung an. Aber erneut sprang der dreizehnte Schlussrang heraus, mit einem Punkt weniger als im Vorjahr.

Als Romain Grosjean für Formel-1-Neuling Gene Haas unterzeichnete, glaubten viele: Der Doppelbürger spekuliert darauf, über diesen Umweg bei den US-Amerikanern bei Ferrari anzudocken. Der in Genf geborene Romain hat das immer dementiert: «Ferrari war nicht der vorrangige Aspekt, wieso ich bei Haas unterzeichnet habe. Es ist mehr das grosse Ganze, das mir gefällt. Die Art und Weise, wie das Projekt aufgegleist worden ist, der Wille, es zum Erfolg zu führen, die amerikanische Mentalität – da arbeiten Racer, keine Politiker, das gefällt mir. Aber natürlich ist es auch schön zu wissen, auf einen Partner wie Ferrari zählen zu können.»

«Ich gebe zu: Alle von träumen von Ferrari– Ingenieure, Mechaniker, Fahrer. Ferrari ist kein Rennstall wie jeder andere, Ferrari ist ein Mythos, also wieso nicht davon träumen, eines Tages Werkspilot von Ferrari zu sein? Aber genau so gut darf ich davon träumen, eines Tages zu Renault zurückzukehren und zu versuchen, als Franzose mit einem französischen Team Weltmeister zu werden. Alles ist offen. Klar erhalten die Ingenieure von Ferrari alle Daten der Haas-Fahrer. Aber es stimmt einfach nicht, dass ich nur wegen Ferrari zu Haas gegangen bin.»

Tatsächlich weiss Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene genau, was Grosjean kann. Doch im Ferrari wird auch 2018 Kimi Räikkönen sitzen. Der Anruf aus Maranello kam nicht.

Grosjean bleibt gelassen. «Ich habe mich von Anfang an darauf eingerichtet, drei Jahre lang Haas-Fahrer zu sein. Ich will mithelfen, wie das Team wächst und gedeiht. Wenn ich aber eines Tages die Chance erhalten sollte, Rennen und den Titel zu gewinnen, dann wäre das fabelhaft.»

Auf die Frage, welche Farbe dieses Auto haben sollte, meint Romain: «Eine andere als mein jetziges. Das Leben steckt voller Überraschungen. Schau dir an, wie sich das Schicksal von Valtteri Bottas gewendet hat in der ersten Dezember-Woche 2016. Solche Dinge passieren.»

Aber ist Renault an Romain Grosjean herangetreten? Der WM-Siebte von 2013 – damals mit jenem Rennstall, der heute die Renault-Werkstruppe ist – gibt zu: «Nein, es gab keine Gespräche mit Renault. Es wäre entzückend, eines Tages zu Renault zurückzukehren, aber es sollte in einer Phase sein, wenn wir gemeinsam Weltmeister werden können. Ich habe mein grosses Ziel noch nicht aufgegeben. Deshalb fahre ich Rennen. Und deshalb bin ich frustriert. Ich kann es kaum fassen, dass mein letzter Rennsieg auf das Jahr 2011 zurückgeht. Das schmerzt. Aber seither hatte ich auch nie ein siegfähiges Auto.»

Dass sich Romain Grosjean oft und gerne am Funk beschwert, dürfte mittlerweile jeder Formel-1-Fan mitbekommen haben. Der Haas-Pilot klagt etwa über die Fahreigenschaften seines Dienstwagens – speziell über das Bremsverhalten – aber auch über allfällige Strafen, die er aufgebrummt bekommt, oder den Zustand seiner Reifen. Letzteres führte im US-GP 2017 zu einer Szene, die für Schlagzeilen sorgte.

Denn Grosjean schimpfte in den letzten Runden, dass sein linker Vorderreifen durch sei und er lieber die Box ansteuern würde. Das Klagelied des Genfers sorgte schliesslich dafür, dass bei Teamchef Günther Steiner die Sicherung durchbrannte. «Halt die Klappe», entfuhr es dem Südtiroler, der sich schliesslich durchsetzte: Grosjean kam schliesslich mit einer Runde Rückstand auf Rennsieger Lewis Hamilton auf Position 14 ins Ziel.

Hinterher gab sich der GP-Star wortkarg: «Das ist eine interne Angelegenheit, über die ich lieber nicht sprechen würde», erklärte er vor laufender Kamera. Sehr viel gesprächiger präsentierte sich Günther Steiner: «Ja, Romain kam hinterher zu mir, um mit mir zu sprechen. Es dauerte aber nicht lange, bis wir das geklärt hatten, alles ist wieder gut. Ich hatte, was ich einen Romain-Grosjean-Moment nenne. Ich habe einfach kurz die Fassung verloren, das darf auch ein Mal im Jahr passieren. Er kann sich das einige Male erlauben, ich darf das nur einmal im Jahr. Manchmal muss man Romain aufmuntern und manchmal kann er sich halt nicht beherrschen, weil die Emotionen überborden. Wenn er dann wenige Minuten später aus dem Cockpit steigt, hat er sich wieder beruhigt. Das ist auch kein Problem, wir alle haben unsere Höhen und Tiefen, die Stimmung im Team ist also ungetrübt.»

Grosjean fuhr für Haas 2017 acht Mal in die Punkte (2016 waren es fünf Mal), aber Rang 6 in Österreich war das höchste der Gefühle, ein Highlight wie Rang 5 in Bahrain 2016 gab es keines.

Dafür gab es abseits der Rennstrecke Grund zur Freude: Hobbykoch Grosjean hat mit seiner Marion 2017 das erste gemeinsame Kochbuch veröffentlicht. Und püntklich zum Jahreswechsel, am 31. Dezember, schenkte Marion ihrem Gatten nach den Buben Sacha und Simon das erste Mädchen, die kleine Camille.

2018 leistete sich Romain Grosjean so viele Fahrfehler, dass im Sommer offen darüber spekuliert wurde, ob der Genfer nicht von Haas gefeuert werde. Dann konnte sich der Routinier aber fangen. Am Ende wurde er WM-14., mit Platz 4 in Österreich als Highlight. Rennstallbesitzer Gene Haas und Teamchef Günther Steiner sprachen ihm für 2019 das Vertrauen aus.

Romain Grosjean © LAT Romain Grosjean

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