Steckbrief

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Robert Kubica

Rennfahrer

Vorname: Robert
Nachname: Kubica
Spitzname: ---
Webseite: https://www.facebook.com/KubicaOfficial/
Twitter: R_Kubica
Nationalität: Polen
Geburtsdatum: 01.12.1984 in Krakau, Polen (35 Jahre, 2 Monate und 21 Tage)
Familienstand: Ledig
Wohnort: Hinwill
Größe: 184 cm
Gewicht: 73 kg
Hobbys: Bowling, Computerspiele, Poker, Snooker
Lieblingssportart(en): Kart
Lieblingsstrecke: Montreal
Lieblingsspeise(n): Pasta
Lieblingsmusik: Mainstream

Manchmal werden in der Formel 1 Märchen wahr: Der Krakauer Robert Kubica wird nach einer Pause von mehr als acht Jahren wieder zum Grand-Prix-Piloten – als Williams-Fahrer geht er beim Grossen Preis von Australien 2019 an den Start, nach 3046 Tagen Pause. So enorm ist der Abstand vom Sonntag des Grossen Preises von Abu Dhabi 2010 und dem Formel-1-WM-Auftakt 2019 in Melbourne. 2010 ging Kubica mit Rang 5 auf der Insel Yas in die Winterpause, fuhr im Testwinter 2010/2011 Spitzenzeiten, für 2012 besass er einen Ferrari-Vertrag. Fernando Alonso hält ihn noch heute für den begabtesten all seiner Gegner.
 
Dann brach für den Polen die Welt zusammen. Bei einer Rallye im Februar 2011 zog er sich schwerste Armverletzungen zu. Jahre hat es gedauert, bis Kubica seinen rechten Arm wieder so brauchen konnte, dass ein Einsatz im GP-Renner überhaupt möglich ist. Ein Test in Valencia im Sommer 2017 zeigte – das alte Feuer lodert noch.
 
Der Pole durfte für Renault in Le Castellet einen 2012er Lotus-Renault testen. Darauf folgte auf dem Hungaroring ein zweiter Test, dieses Mal im 2017er Renner. Letztlich entschied sich Renault weniger gegen Robert Kubica als vielmehr dafür, den glücklosen Jolyon Palmer auf die Schnelle durch Carlos Sainz zu ersetzen.
 
Kubica erhielt eine weitere Chance: Er rückte zunächst mit einem 2014er Auto von Williams aus, dann in Abu Dhabi mit einem 2017er Boliden. In Arabien konnte der Russe Sergey Sirotkin die Techniker von sich überzeugen; die Mitgift seiner russischen Sponsoren dürfte bei der Entscheidung der Team-Leitung keine geringe Rolle gespielt haben. Kubica erhielt für 2018 ebenfalls einen Vertrag – aber nur als Reservist, Freitagsfahrer und Simulations-Pilot.
 
Robert nahm Mitte Mai 2018 in Barcelona erstmals seit Ende 2010 an einem GP-Wochenende teil, als er am Freitagmorgen den Williams fuhr. Kubica war von der Anteilnahme der Fans immer tief bewegt. Selbst als der WM-Vierte von 2008 jahrelang Operation um Operation erdulden musste und den GP-Pisten fernblieb, waren entlang der Strecken immer wieder Fan-Banner für Kubica zu sehen. Kubica war verschwunden, aber nie vergessen.
 
Als Robert dann endlich wieder ein Grand-Prix-Auto bewegen konnte, erwarteten die Fans vielleicht zu viel, wie Kubica findet: «Die Leute dachten, dass ich ins Auto steige und der Robert Kubica der Saison 2010 bin. Mit dem 2012er Lotus wäre das in Ungarn vielleicht sogar gegangen. Weil dieses Auto meinem 2010 bewegten Renner noch am nächsten kommt. Aber dann kletterte ich in Ungarn in ein Auto der neuen Turbo-Generation. Ich konnte nichts von meiner Erfahrung übernehmen. Die Fans glaubten an etwas ganz Aussergewöhnliches, das nun auf dem Hungaroring passieren würde. In Wahrheit war ich ein blutiger Anfänger.»
 
«Vor allem mein Speed auf eine schnelle Runde liess am Anfang zu wünschen übrig, weil ich mit diesen Reifen null Erfahrung hatte. Mein Speed in den Dauerläufen hätte gereicht, um im Ungarn-GP zuvor für Renault in die Punkte zu fahren. Das freie Training im vergangenen Mai für Williams in Spanien war wichtig. Weil Geschichten kursierten, wonach ich in Abu Dhabi eine Sekunde langsamer gewesen war als Sirotkin. Aber das stimmt nicht.»
 
«Da ich beim Arm eingeschränkt bin, reicht es nicht, das Gleiche zu tun wie andere Fahrer. Ich muss mehr machen. Mehr machen kann ich aber nur, wenn ich häufiger im Wagen sitze. Daher war es für mich vor dem Unterzeichnen des Williams-Vertrags so wichtig festzulegen, dass ich auch zum Fahren komme. Die Leute vergessen oft, dass auch im Motorsport die Übung den Meister macht. Fahren muss so natürlich für dich sein, wie ein Glas Wasser zu trinken.»
 
Der 6. Februar 2011 veränderte alles. Robert Kubica erlitt bei der «Ronde di Andora Rallye» in Ligurien lebensbedrohliche Verletzungen. Es dauerte eine Stunde, um ihn aus dem Wagen zu holen. Die erste von insgesamt 18 Operationen dauerte sieben Stunden. «Die Leute reden immer von meinem Arm, weil er mein grösstes Handicap ist. Fakt ist: Ich musste um mein Leben kämpfen», sagt Kubica. «Ich hatte Knochenbrüche auf der ganzen rechten Seite, vom Fuss bis hoch zur Schulter. Die vielen Brüche waren der Grund, wieso ich so lange brauchte, um mich zu erholen. Obschon der Arm am schlimmsten in Mitleideschaft gezogen wurde.»
 
«Die ersten beiden Monate waren wirklich schwierig. Ich kann von Glück reden, dass ich Formel-1-Fahrer und damit Athlet bin. Das ist vielleicht der Grund, warum wir den Arm überhaupt retten konnten.»
 
Eineinhalb Jahre nach dem Unfall sass Kubica wieder in einem Rallye-Auto. «Ich wollte zuerst am Morgen glücklich aufwachen, bevor ich wieder ein Rennfahrer sein wollte. Ich brauchte zwei Jahre, um auf ein halbwegs normales Niveau zu gelangen. Ein Jahr lang hatte ich nur Schmerzen. Meine Leidenschaft für den Sport ging nie verloren, mein Leben hat sich einfach komplett umgekrempelt.»
 
Im Jahr 2013 sah sich Kubica so weit erholt, dass er im Rennsimulator von Mercedes arbeitete. Damals konnte er aber das rechte Handgelenk nicht genug drehen, die Bewegung kam vielmehr aus dem Ellbogen heraus. Das ging im Rallye-Auto, nicht aber im engen Formel-1-Cockpit. Weitere Operationen folgten.
 
Ende 2015 begann Kubica, sein Training zu intensivieren. «Damals wog ich zehn oder fünfzehn Kilo mehr als heute.» Kubica probierte systematisch verschiedene Rennfahrzeug aus – Einsitzer, Tourenwagen, Sportwagen. Bei einem Besuch in der Dallara-Fabrik kristallisierte sich heraus, dass Robert genügend Bewegungsfähigkeit zurückerlangt hatte, um wieder an die Formel 1 zu denken.
 
Der Kontakt zwischen Robert Kubica und einer Kerngruppe von Fachleuten in Enstone (Renault, zwischendurch Lotus) war nie abgerissen. Sie waren es, die einen Test im 2012er Lotus E20-Renault vorschlugen. Kubica bedankte sich in Valencia 2017 mit einer Zeit, die schneller war als jene des damaligen Renault-Reservisten Sergey Sirotkin, ironischerweise später sein Rivalen um den Platz bei Williams.
 
Robert Kubica sagt: «Der Weg zurück in die Formel 1 war sehr lang, aber die wahre Herausforderung beginnt jetzt. Was fast unmöglich schien, wird nun wahr. Ich bin sehr stolz, dass ich einer von nur 20 Grand-Prix-Fahrern sein werde. Mein Jahr mit Williams war wichtig. Ich habe hinter den Kulissen viel gearbeitet, es gab viel Druck. Ich habe mein Wissen als Formel-1-Fahrer vertieft.»
 
«Es war nicht leicht. Viele Menschen haben nicht an mich geglaubt. Du bekommst von den Menschen ein Etikett verpasst. Man sagt dir, dass Dinge unmöglich seien. Aber ich denke lieber: Ja, ich kann das! Wieder am Rennlenkrad zu sitzen, war für mich das beste Training.»
 
Das Märchen Kubica hatte jedoch kein Happy-End: Am Singapur-GP-Wochenende Mitte September 2019 neigte sich ein Formel-1-Märchen dem Ende: Robert Kubica bestätigte am Marina Bay Circuit von Singapur, dass er 2020 nicht in einem Williams-Rennwagen sitzen wird. Damit zeichnete sich ab – die GP-Karriere des Krakauers würde in Abu Dhabi mit dem 97. Formel-1-WM-Lauf zu Ende gehen.

«Ich suche nach neuen Gelegenheiten 2020», sagte der WM-Vierte von 2008 in der Nacht von Singapur. «Um die in aller Gründlichkeit ausloten zu können, verkünde ich heute – ich habe die Entscheidung getroffen, über diese Saison hinaus mit Williams nicht weitermachen. Ich habe sehr viel Energie darin investiert, in die Formel 1 zurück zu kommen. Klar würde ich gerne bleiben. Aber nicht um jeden Preis. Ich will auch wieder Freude am Rennsport haben. Diese Saison war sehr schwierig.»

Kubica tat sich die ganze Saison über schon schwer bei Williams, die es geschafft haben, das zweite Jahr in Folge das schlechteste Auto zu bauen. Meist hatte Kubica gegen seinen jungen Stallgefährten George Russell das Nachsehen – im Quali-Duell setzte es mit 0:21 Punkten eine krachende Niederlage. Robert konnte nur im Chaos-GP von Hockenheim punkten, als Zehnter. Nur durch den kuriosen Rennverlauf beendete er die WM vor Russell, auf dem zweitletzten Platz.

Kubica war klar, dass Nicholas Latifi für 2020 mit üppig Sponsorgeld vor der Williams-Tür steht, in Abu Dhabi wurde der Kanadier als neuer Stallgefährte von Russell bestätigt.

Das Jahr 2020 begann mit einer Sensation: Robert Kubica (35) kehrt zu jenem Team zurück, das ihn 2006 in die Formel 1 brachte, zu Sauber. Kubica arbeitet 2020 als dritter Mann neben Kimi Räikkönen und Antonio Giovinazzi bei Alfa Romeo-Sauber.

Lange hatten die Verhandlungen mit Haas gedauert, aber am Schluss dockt Robert Kubica ganz woanders an – der 35jährige Pole hat Ende Dezember 2019 als dritter Mann bei Alfa Romeo-Sauber unterschrieben und unterstützt damit 2020 die Stammpiloten Kimi Räikkönen und Antonio Giovinazzi. Er nimmt den Adler seines Geldgebers PKN Orlen mit, der polnische Mineralölveredeler und Tankstellenbetreiber wird Co-Titelsponsor des Rennstalls aus dem Zürcher Oberland. Es wurde ein mehrjähriges Abkommen unterzeichnet.

Bei Alfa Romeo Orlen-Sauber wird der Krakauer Kubica Reservepilot und Simulationsfahrer. Teamchef Fred Vasseur sagt: «Das ist ein weiterer Schritt für uns Richtung Spitze. Wir sind überglücklich, dass wir Robert Kubica verpflichten konnte, wir können es gar nicht erwarten, mit ihm zu arbeiten. Er ist einer der herausragenden Fahrer seiner Generation. Er hat alle durch seine Entschlossenheit beeindruckt, dank welcher er nach all diesen Jahren ein Formel-1-Comeback feiern konnte.»

Robert Kubica sagt: «Ich bin sehr happy, dass ich dieses neue Kapitel einer Karriere beginnen kann. Sauber war für mich immer ein ganz besondes Team, und ich habe mich gefreut, in Hinwil noch viele bekannte Gesichter zu sehen. Die Zeiten haben sich geändert, aber unser Wille zum Erfolg nicht.»

Ausgerechnet der ausrangierte Kubica war es, der 2019 den einzigen WM-Punkte von Williams an Land zog – als er im Chaos-GP von Hockenheim die Nerven behielt und Zehnter wurde. Der Pole: «Ich denke, unsere Leistung war durch die Schwierigkeiten, die wir in diesem Jahr durchstehen mussten, nicht wirklich erkennbar. Vieles hat tatsächlich meine Möglichkeiten negativ beeinflusst. Allerdings habe ich auch viele Berichte gelesen, in denen prophezeit wurde, ich würde in der ersten Kurve nicht richtig reagieren können, dabei war die erste Rennrunde einer jener Bereiche, die ich gut im Griff hatte.»

«Dann hiess es wieder, ich würde wegen der eingeschränkten Bewegungsfreiheit meines Arms in Monaco nicht um die Ecken kommen. Tatsächlich gehörte der GP in Monte Carlo zu meinen besten Rennen in diesem Jahr – auch wenn ich natürlich weit zurücklag, so war mein Gefühl dort positiv», fügte Kubica trotzig an. Und er fasste zusammen: «Natürlich bin ich nicht glücklich mit meiner Performance insgesamt, aber ich bin ziemlich zufrieden mit meinem Körper, Geist und Hirn und wie ich auf die Herausforderung reagiert habe.»

Eine gute Note stellt Kubica der Williams-Mannschaft aus: «Die Jungs an der Strecke haben das Beste aus der Situation gemacht. Speziell zu Saisonbeginn war es nicht einfach, trotzdem blieb die Mannschaft stark und vereint, was in einer so schwierigen Phase sehr gut ist. Klar, ich werde nicht mehr dabei sein, da ich das Team nach dieser Saison verlassen werde. Aber ich finde, die Jungs haben es verdient, dass bald bessere Zeiten für Williams kommen werden.»


Robert Kubica © Orlen Robert Kubica

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