Kevin Magnussen Steckbrief

Kevin Magnussen

Kevin Magnussen

Rennfahrer
  • Vorname: Kevin
  • Nachname: Magnussen
  • Spitzname: Kev
  • Webseite: www.kevinmagnussen.com
  • Twitter: @KevinMagnussen
  • Nationalität: Dänemark
  • Geburtsdatum: 05.10.1992 in Roskilde, Dänemark (31 Jahre, 6 Monate und 8 Tage)
  • Familienstand: Ledig
  • Wohnort: Woking
  • Größe: 174 cm
  • Gewicht: 68 kg
  • Hobbys: Musik, Karting, Golf
  • Lieblingssportart(en): Wassersport
  • Lieblingsstrecke: Suzuka
  • Lieblingsspeise(n): Indisch und eine gute Pizza
  • Lieblingsmusik: Pop und Rock

Kevin Magnussen begann seine Karriere im Kartsport und gewann unter anderem 2006 die NEZ-ICA-Juniorenkartmeisterschaft. 2008 schaffte er den Sprung in die dänische Formel Ford, die er mit elf Siegen in 15 Rennen auf Anhieb gewann. Außerdem startete er bei sechs Rennen der ADAC Formel Masters. 2009 folgte der nächste Schritt auf der Karriereleiter in die Formel Renault. Dort trat er mit dem deutschen Team Motopark Academy im Formel Renault 2.0 Eurocup und der nordeuropäischen Formel Renault an, in der er hinter António Félix da Costa Zweiter wurde.

2010 blieb Magnussen zwar bei Motopark Academy, wechselte aber in den Formel-3-Cup. Gleich beim ersten Rennen in Oschersleben stand er ganz oben auf dem Podium. Mit drei Saisonsiegen war er am Saisonende Dritter der Fahrerwertung und bester Rookie. In der Formel-3-Euroserie, in der er zwei Rennen bestritt, gewann er das zweites Rennen.

Mittlerweile war McLaren auf den schnellen Dänen aufmerksam geworden und nahm ihn in das Nachwuchsprogramm auf. 15 Jahre zuvor hatte übrigens sein Vater Jan Magnussen über das McLaren-Förderprogramm den Sprung in die Formel 1 geschafft.

2011 wechselte Kevin Magnussen in die britische Formel-3-Meisterschaft, die er mit sieben Siegen auf Platz 2 beendete. Insgesamt stand er neun Mal auf dem Podium, sechs Mal auf der Pole-Position und fuhr neun schnellste Rennrunden.

2012 folgte mit Carlin der Wechsel in die Formel Renault 3.5, die er mit einem Sieg in Spanien, zwei zweiten Plätzen und weiteren sechs Platzierungen in den Punkten auf Rang 7 beendete. Am 6. November desselben Jahres saß Kevin Magnussen beim Nachwuchsfahrertest im Abu Dhabi zum ersten Mal in einem Formel-1-McLaren, nachdem er sich schon zuvor im Simulator des Teams einen Eindruck des MP4-27 verschaffen konnte. Er fuhr die beste Zeit des dreitägigen Tests und legte genügend Kilometer zurück, um die FIA-Superlizenz zu bekommen.

2013 fuhr Kevin Magnussen ein weiteres Jahr in der Formel Renault 3.5 und gewann die Meisterschaft gegen seinen McLaren-Nachwuchskollegen Stoffel Vandoorne und Red-Bull-Junior António Félix da Costa. Mit fünf Siegen und acht weiteren Podiumsplatzierungen sicherte er sich vorzeitig den Titel. Sein erster Sieg in Le Castellet wurde ihm nachträglich aberkannt, weil das DRS-System des Autos bei der technischen Überprüfung nach dem Rennen durchfiel. Ohne die Disqualifikation hätte Kevin Magnussen in 17 Rennen 14 Mal auf dem Podium gestanden.

Außerdem durfte Kevin Magnussen beim Nachwuchsfahrertest in Silverstone weitere Erfahrungen im McLaren sammeln, und am 14. November 2013 verkündete das Traditionsteam, dass Magnussen 2014 Sergio Pérez ersetzen würde.

Kevin Magnussen zeigte 2014 an der Seite von Jenson Button eine ansprechende Saison. Er wurde nach der Disqualifikation von Daniel Ricciardo in Australien sensationeller Zweiter und fuhr zwölf Mal in die Punkte. Aber das reichte nicht, um seinen Platz als Stammfahrer zu behalten. Bei der Diskussion Reife (Jenson Button) gegen Jugend (Kevin Magnussen) zog der Däne den Kürzeren. Er musste für 2015 ins zweite Glied rücken.

Magnussen hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er sich eine weitere Saison ohne Rennen nicht antun werde. Im Herbst 2015 eröffnete ihm McLaren-Teamchef Ron Dennis, dass sein Vertrag nicht verlängert würde. Magnussen schien ohne Auto dazustehen und testete einen Langstrecken-Porsche.

Dann aber geriet Pastor Maldonados Sponsor PDVSA in finanzielle Schräglage, und damit war der Venezolaner den Platz beim neuen Werksrennstall von Renault los. Renault zögerte nicht lange und verpflichtete mit einem Einjahresvertrag für die Saison 2016 Kevin Magnussen.

Der Däne wurde 2016 unter Wert geschlagen. Zwar lag er in den meisten Trainings und Rennen vor seinem Stallgefährten Jolyon Palmer, aber der neue Wagen war zu spät fertig geworden, um noch zu einem guten Mittelfeldauto zu werden. Zudem war das Fahrzeug ursprünglich auf einen Mercedes-Motor ausgelegt. Magnussen konnte nur zwei Mal in die Punkte fahren, als Siebter in Sotschi und als Zehnter in Singapur.

Als ihn Renault hinsichtlich 2017 eine Weile zappeln liess, handelte Kevin: Er hatte Angst, am Ende zwischen Stuhl und Bank zu fallen. Ein Angebot von Haas kam da wie gerufen: Der Däne unterzeichnete für 2017 und 2018.

Magnussen fuhr 2017 für Haas fünf Mal in die Punkte, Rang 7 in Baku war das Highlight. Endlich war Haas kein Einmann-Team mehr aus Romain Grosjean, denn Magnussen-Vorgänger Esteban Gutiérrez hatte versagt.

Kevin fiel auch durch einen, nennen wir es äusserst robusten Fahrstil auf. In Ungarn hatte Nico Hülkenberg über den Fahrstil von Kevin Magnussen geschimpft, in Belgien konnte Sergio Pérez nur schnaufen: «So unfair, dieser Magnussen!» Dies, nachdem ihn der Däne brutal zusammengeschnitten hatte. Sky-Formel-1-Experte Marc Surer sagt unverblümt: «Magnussen ist ein linker Hund.»

Kleiner Rückblick zum Hungaroring. «Leck meine Eier, Liebling», ist ein Satz, den wir im Rahmen einer Formel-1-TV-Übertragung eher selten hören. Genau das warf Kevin Magnussen dem Renault-Fahrer Nico Hülkenberg an den Kopf, als sich der Deutsche vor laufender Kamera zum Dänen begab, um ihm voll triefender Ironie zu gratulieren, «dass du der unsportlichste Fahrer im Feld bist».

Was war passiert? Renault-Fahrer Hülkenberg wollte in der 61. Runde des Ungarn-GP in Kurve 2 aussen am Haas-Piloten vorbei, der liess seinen Wagen sehr weit nach rechts tragen, worauf sich Hülkenberg neben der Bahn wiederfand. Dafür gab es von der FIA-Rennpolizei fünf Strafsekunden für Magnussen. Nach dem Rennen stellte Nico seinen Widersacher zur Rede, der gerade ein Interview fürs norwegische Fernsehen gab. Hülkenberg deponierte seine Kritik. Worauf Magnussen versetzte: «Leck meine Eier, Liebling.»

Im Rückspiegel betrachtet kann Le-Mans-Sieger Nico Hülkenberg über den Ausbruch von Kevin Magnussen nur lachen. «Ich wünschte, es würden so viele Leute angeregt über das Rennen diskutieren wie über dieses kleine Scharmützel. Wir haben im Moment andere Herausforderungen in der Formel 1 als die Behandlung der Hoden eines Möchtegern-Verstappen. Mit ihm ist es wie mit einem kleinen Bruder: Man weiss, dass er sich nicht anders wehren kann und deshalb ist es leicht, es mit einem Lächeln hinzunehmen.»

Als sich Pérez in Spa-Francorchamps am Funk über Magnussen beschwerte, twitterte Mercedes-Benz mit einem Augenzwinkern: «Wir erkennen am Horizont eine Diskussion auftauchen, bei welcher es sich um Weichteile und Honig drehen könnte.»

An Haas-Fahrer Magnussen perlt Kritik ab wie der Regen an einer gut imprägnierten Pellerine eines Francorchamps-Besuchers: «Ich habe mir das nochmals in aller Ruhe angeschaut. Mein Fahrstil war hart», so Kevin in der dänischen Ekstra Bladet. «Aber die Leute müssen schon verstehen, dass ich das Beste versuche und dafür fahre ich eben hart. Manchmal bedeutet das auch, die Zitrone richtig auszuquetschen und einen Fuss über die Grenze hinaus zu setzen. Ich bin nicht in der Formel 1, um hier neue Freunde zu gewinnen, ich bin hier, um gute Ergebnisse einzufahren.»

Dann legte sich Magnussen mit Superstar Fernando Alonso an. Es war Runde 32 des Malaysia-GP, als Fernando seinen Angriff auf Kevin startete. Ende der Start-Ziel-Geraden kam er mit DRS-Überschuss am Dänen vorbei, der aber wiederum konterte, nachdem Alonso schlecht in die erste Kurve kam. Dabei geriet Alonso sehr weit nach aussen, fast über den Streckenrand hinaus. Der Spanier revanchierte sich und räumte Magnussen in Kurve 2 mit einem kleinen Stoß zur Seite. Ihm blieb durch seine schlechte Position auch nicht viel anderes übrig. Dadurch setzte sich Alonso durch.

«Was für ein Idiot, Hülkenberg hatte Recht!» schimpfte der Spanier in den Funk. Von Magnussen kam keinerlei Einsicht. Er wetterte: «Was macht dieser Typ da?»

Nach dem Rennen sagte Alonso: «Ein typisches Manöver, das keinem Fahrer etwas bringt. Zum Glück ist noch alles gut gegangen, aber wir haben drei bis vier Sekunden durch eine Aktion verloren, die am Ende nichts gebracht hat.»

Haas-Teamchef Günther Steiner musste mal wieder für seinen Fahrer in die Bresche springen. Auch nach Ungarn hatte Steiner Magnussen gegen Hülkenberg verteidigt. Diesmal nahm sich Steiner Alonso vor. «Alonso ist es offenbar gewohnt, dass jeder ihn vorbeilässt, weil er ein sehr charismatischer und harter Kerl ist. Wenn jemand sich ihm entgegenstellt, dann ist er irritiert. Beide Fahrer sind ans Limit gegangen, ohne eine Schwelle zu übertreten. Und das ist doch das, was die Leute sehen wollen», sagte Steiner. Und: «Wenn man immer nett auf die Seite fährt, erwarten es die Leute irgendwann von einem, dass man es immer macht.»

Magnussen denkt nicht daran, an seinem Fahrstil etwas zu ändern. «Ich geniesse die Rennfahrerei und ich liebe diese Kämpfe auf der Strecke. Und solange ich keine Strafe bekomme, ist auch alles in Ordnung. Es kümmert mich nicht, was die Anderen von mir denken. Ich muss immer alles geben, es ist nicht so, dass ich es locker in die Top-10 schaffe. Ich muss Risiken eingehen und hart fahren, um WM-Zähler zu holen. Und daran wird sich nichts ändern.»

Und so kam es, wie es kommen musste: Auch 2018 machte sich Kevin auf der Piste keine neuen Freunde. Aber Magnussen hat gelernt, sein Auto auf der Piste zu halten, auch wenn die Ellbogen weit ausgefahren sind. Als Ergebnis gab es für den Dänen die beste F1-Saison seiner GP-Karriere, mit WM-Rang 9. In Bahrain und Österreich wurde er jeweils Fünfter. Er war für Haas eine Punktegarantie, und so war es naheliegend, dass er auch für 2019 einen Vertrag erhielt.

Aber selbst dieser Mann mit dem riesigen Kämpferherzen konnte nicht mehr als WM-Schlussrang 16 herausfahren – zu gross waren die Probleme von Haas, die Pirelli-Reifen konstant zum Arbeiten zu bringen.

2020 sollte es aufwärts gehen, aber stattdessen kam Kevin vom Regen in die Traufe: nur eine Punktefahrt (Zehnter in Ungarn), WM-20. Im Rahmen des Ungarn-GP wurde bekannt – Haas stellt sich ab 2021 komplett neu auf, mit den jungen Mick Schumacher und Nikita Mazepin. Die Formel-1-Karriere von Kevin Magnussen schien beendet zu sein.

Im Februar 2021 verkündete Peugeot, dass Magnussen für die Langstrecken-WM 2022 verpflichtet worden sei. Der Däne hielt sich mit Einsätzen in der US-amerikanischen IMSA-Serie fit. An der Seite von Renger van der Zande und im Team von Chip Ganassi gewann Magnussen in Detroit. Er wurde Meisterschafts-Siebter.

Für 2022 war mit Ganassi und Peugeot alles klar, aber dann kam der grosse Knall: Haas beendete wegen des Einmarsches von Russland in die Ukraine das Sponsor-Abkommen mit Uralkali und die Zusammenarbeit mit dem Moskauer Nikita Mazepin. Teamchef Günther Steiner rief Kevin Magnussen an – und der Däne war wieder Formel-1-Fahrer!

Magnussen gelang ein Saisonauftakt nach Mass: Rang 5 in Bahrain, die Haas-Truppe war nach einer punktelosen Saison 2021 völlig aus dem Häuschen! In den ersten vier Rennen fuhr Kevin drei Mal in die Top-Ten – nach Bahrain auch in Dschidda und Imola (jeweils Neunter). Weitere Punktefahrten folgten in England, Österreich und Texas.

Und dann noch ein fettes Ausrufezeichen in Brasilien: Kevin fuhr bei kniffligen Pistenverhältnissen auf schmieriger Bahn Bestzeit und eroberte für den Sprint sensationell die Pole-Position!

Magnussen wurde WM-13., er stellte Mick Schumacher deutlich in den Schatten. Ergebnis: Der Deutsche erhielt Ende 2022 keinen Vertrag mehr und wurde ausgerechnet durch den früheren Magnussen-Erzrivalen Nico Hülkenberg ersetzt.

Aber der Reihe nach.

Zu seiner Rückkehr in die Formel 1 schmunzelt der WM-Neunte von 2018: «Günther Steiner hat alles ruiniert! Vor dem Sportwagenrennen in Sebring wollte ich mit meiner Familie Ferien machen, dann kam sein Anruf, ob ich nicht in die Königsklasse zurückkehren wolle. Ich flog dennoch nach Miami, weil ich nicht wusste, ob das was wird mit Haas, aber dann rief Günther nochmals an und sagte – lass uns das machen! Also nahm ich das nächste Flugzeug Richtung Bahrain.»

Kevin Magnussen hatte für 2022 zwei Verträge unterzeichnet: einen bei Chip Ganassi, um in der IMSA-Serie zu fahren; einen bei Peugeot für das Hypercar-Projekt der Franzosen. Magnussen: «Wir mussten da Einiges aussortieren, aber ich bin Chip und Peugeot für ihr Entgegenkommen sehr dankbar. Ohne Haas würde ich nicht zum Bahrain-GP antreten, sondern zum Sportwagenklassiker in Sebring.»

«Es gab keine Formel-1-Klausel in meinen Verträgen. Es ist alleine dem guten Willen von Ganassi und Peugeot zu danken, dass ich wieder Grands Prix fahren kann. Sie haben keine Freude daran, mich ziehen zu lassen, aber sie wissen, was das für mich bedeutet.»

Magnussen setzte sich in den für ihn fremden 2022er Haas-Rennwagen, der bei den Wintertests von Spanien noch von Nikita Mazepin bewegt worden war, und am Freitagabend steht der Name Magnussen auf der Zeitenliste ganz oben: Bestzeit am zweiten Wintertesttag in Bahrain – pure Magie!

 
Niemand würde nun glauben, dass Haas mit dem neuen Auto den Stein der Weisen gefunden hätte. Magnussen machte einfach aus den kühlen Abendbedingungen und den C4-Reifen das Beste, und randvoll dürfte der Tank des US-amerikanischen Rennwagens jetzt auch nicht gewesen sein. Aber egal.

Kevin sagte: «Es fühlt sich fabelhaft an, wieder in der Formel 1 und bei Haas zu sein. Das ist wirklich prima gelaufen heute. Ich brauchte ein wenig Zeit, um wieder auf Formel-1-Speed zu kommen. Aber abgesehen davon fühlte es sich an, als wäre ich nie weg gewesen. Aus Sicht meines Nackens jedoch würde ich sagen – ich bin total erledigt. Das war nach längerer Zeit ohne diese extremen Belastungen in der Formel 1 zu erwarten.»

Kevin Magnussen errang bei seiner Formel-1-Rückkehr einen sensationellen fünften Platz, sein bestes Ergebnis mit Haas seit dem Grossen Preis von Österreich 2018. Auf einen Schlag hatte in einem Rennen drei Mal so viele Punkte eingefahren als Haas in den vergangenen zwei Jahren zusammen!

Der Däne war ausser sich vor Freude, nachdem er über die Ziellinie gefahren war: «Das war verdammt noch mal perfekt, Jungs! Was für ein Job! Danke an alle im Team.» Dann musste Kevin am Funk kichern, als sich Haas-Teamchef Günther Steiner meldete und sagt: «Wir haben unseren Wikinger wieder!» Magnussen: «Danke, Mann.»

Kevin später: «Ich hatte nach der Qualifikation und Startplatz 7 gesagt, wie verrückt das alles ist, und so wie es aussieht, geht der Wahnsinn munter weiter! Wir hatten ein wirklich gutes Rennen, der Wagen lag das ganze Rennen über prima. Wir hatten etwas mehr Reifenabbau mit dem ersten Satz als erhofft. Dann hatte ich einige Leute um mich herum in deutlich schnelleren Autos, also war mir nicht ganz klar, ob ich die hinter mir halten oder mein eigenes Rennen fahren soll.»

«Wegen des Reifenabbaus kam ich etwas früher an die Box als geplant, also machten wir einen längeren zweiten Rennteil. Die Safety-Car-Phase zum Schluss erzeugte einen Sprint ins Ziel. Klar war dann das Pech von Red Bull Racing mein Glück, aber das gehört zum Sport dazu.»

Im Laufe der Saison konnte Magnussen nocht so oft punkten, wie es ihm lieb gewesen wäre. Die Regelhüter holten ihn drei Mal mit der schwarzen Flagge mit orangenem Punkt von der Bahn, weil Frontflügel-Endplatten an seinem Auto nach Feindkontakt schräg standen. Auch vom Ferrari-Motor wurde Kevin einige Male im Stich gelassen. Fazit: Magnussen hätte in die Top-Ten der WM fahren können, wäre alles so ideal gelaufen wie in Brasilien.

Brasilien also: Haas-Teamchef Günther Steiner brachte den verrückten Freitag von Interlagos schön auf den Punkt: «Wenn es Suppe regnet, dann musst du mit dem Löffel bereit stehen.»

Am offiziellen Beginn des Faschings (11.11.) eröffnete sich für den Rennstall des US-amerikanischen Werkzeugmaschinen-Herstellers Gene Haas eine Gelegenheit, und Kevin Magnussen packte zu.

Welche schöne Zufälle: Am 12. November, als ein Haas-Renner von Pole-Position in den Sprint von Brasilien ging, wurde Rennstallbesitzer Gene Haas 70 Jahre alt. Ein schöneres Geschenk konnte es nicht geben. Und – dies war auch noch das 100. GP-Wochenende von Magnussen für Haas!

Auch Stunden nach dem Coup konnte der 30-Jährige aus Roskilde sein Glück noch nicht fassen: «Zuerst war es Ungläubigkeit, ich dachte – passierte das wirklich? Die nächste Emotion war überschäumende Freude. Und nun spüre ich tiefe Dankbarkeit. Gene und Günther haben mich im vergangenen Winter zurückgeholt, und ich freue mich wahnsinnig, dass ich mich auf diese Weise für ihr Vertrauen bedanken kann.»

Was war gemäss des WM-Neunten von 2018 der entscheidende Schachzug in diesem Quali-Krimi? Kevin sagt: «Das Team hat mich für Q3 als ersten Wagen in die Boxengasse gestellt. Das hat alles verändert. Ich konnte von den besten Pistenverhältnissen profitieren, diese Pole-Position ist das Ergebnis. Ich versuchte, im Auto ruhig zu bleiben, denn ich merkte, dass sich da eine gewaltige Möglichkeit eröffnet.»

Aber die erste Pole von Kevin im 140. Anlauf ist nicht nur ein Kind des Glücks: Magnussen war Siebtschnellster im ersten Quali-Segment und ebenfalls Siebtschnellster im zweiten. Sky-GP-Experte Martin Brundle: «Kevin hat schon vor Q3 tollen Speed gezeigt und fühlte sich offenbar bei diesen Verhältnissen pudelwohl.»

Kevin Magnussen ist der erste Däne, der in der Formel 1 eine Pole-Position erringen konnte. Er ist der 106. Fahrer in der Königsklasse, dem das gelungen ist, der vierte neue Pole-Mann in dieser Saison (nach Sergio Pérez in Dschidda, Carlos Sainz in Silverstone und George Russell auf dem Hungaroring). Magnussen stand in der Formel 1 noch nie in der ersten Startreihe, in Melbourne und Hockenheim 2014 sowie in Imola 2022 war er in der Quali jeweils Vierter geworden.

Es ist die erste Pole für den Haas-Rennstall im 143. Anlauf, kein Formel-1-Team musste länger auf die erste Pole warten (bei British American Racing dauerte es 87 Läufe). Haas ist der erste US-Rennstall seit 1975 (Tom Pryce in Silverstone mit Shadow), dem eine Formel-1-Pole gelungen ist.

Am anderen Ende der Wohlfühl-Skala bei Haas: Mick Schumacher. Er war in der Brasilien-Quali Letzter geworden, weil er seine Reifen zu wenig forsch aufgewärmt hatte. Magnussen hatte sich immer wieder für Mick eingesetzt, umsonst.

Zur Trennung von Schumacher und zum Engagement ausgerechnet jenes Hülkenberg, mit dem er vor Jahren auf und neben den Rennstrecken gestritten hatte, sagte Kevin: «Für Mick Schumacher ist es traurig, für Nico Hülkenberg ist es aufregend. Ich mag Mick, und wir arbeiten gut zusammen. Ich bin der Ansicht, dass er unter dem Strich einen guten Job gemacht hat.»

«Ich wünsche Mick für die Zukunft alles Gute, und keiner weiss besser als ich – es gibt einen Weg zurück. Ich bin letztlich in Sachen Emotionen ein wenig hin- und hergerissen, denn auf der anderen Seite freue ich mich auf die Arbeit mit Hülkenberg. Jeder weiss, wie erfahren Nico ist, und ich bin davon überzeugt, dass er für den Haas-Rennstall eine grosse Bereicherung ist.»

Moment mal, Nico Hülkenberg und Kevin Magnussen – da war doch was. Dazu eine kleine Rückblende. Unvergessen, wie Nico nach dem Ungarn-GP 2017 Magnussen auf die Schulter klopfte und sagte: «Einmal mehr der unsportlichste Fahrer im Feld.» Kevin, ohne mit der Wimper zu zucken: «Leck meine Eier, Schätzchen!»

Diese paar Sekunden gingen um die Welt und betonierten den Eindruck: Da sind zwei Fahrer, die sich abgrundtief verabscheuen.

Kevin sagte später darüber: «Ach was, das wurde total aufgebauscht, ich bin es fast ein wenig leid, darüber zu sprechen. Eigentlich hatten Nico und ich nur einmal wirklich Zoff, das war eben damals auf dem Hungaroring. Ich finde es unglaublich, dass wir noch immer davon sprechen.»

Über Bahrain 2022 sagt Nico: «Ich ersetzte beim WM-Auftakt ja Sebastian Vettel bei Aston Martin. Also bin ich dort zu Kevin hingegangen und habe gesagt – Leck meine Eier, Schätzchen! Wortwörtlich. Ich dachte, das wäre lustig. Kevin hat sich gekugelt, offenbar fand er das auch.»

«Es ist ja nicht so, dass ich Kevin nicht mag, aber es stimmt, dass wir seit damals nicht miteinander geredet haben. Ich fand in Ungarn einfach, sein Manöver war jenseits der Grenze. Doch letztlich ist es normal, wenn Rennfahrer über ein Duell nicht immer gleicher Meinung sind. Das liegt alles hinter uns.»

Auch Kevin ist ganz gelassen: «Es gibt kein böses Blut zwischen mir und Nico. Wir haben uns über damals ausgesprochen und fanden in Bahrain beide – schon seltsam, wie das Leben spielt, dass wir nun wieder gemeinsam Formel 1 fahren. Vieles zwischen Nico und mir wurde von den Medien dramatisiert, so wie auch zwischen mir und Romain Grosjean. Was mich angeht, so habe ich für Nico den grössten Respekt. Was in der Formel 1 wirklich Sache ist und wie die Formel 1 von aussen dargestellt und gesehen wird, das sind eben oft zwei verschiedene Paar Schuhe.»

«Ich bin sicher, alles wird gut sein. Anfang 2022 haben wir uns am Flughafen getroffen und erstmals seit Jahren richtig miteinander geredet. Dieses Gespräch haben wir dann während der Fahrerparade vor dem Bahrain-GP fortgesetzt. Und wir haben beide gemerkt, dass wir über unseren Streit von damals herzlich lachen können. Wir finden es ziemlich lustig, dass die Leute noch heute darüber reden. Wir sind beide älter und reifer geworden, und was damals gewesen ist, steht uns 2023 nicht im Weg.»

Lebenslauf

Von Bis Art Serie Unternehmen

Meisterschafts Gewinne

Serie Saison Punkte

Artikel zum Fahrer

Datum Artikel

Ergebnisse

Serie Saison Veranstaltung Pos Team Fahrzeug Runden

Nachbehandlung mit dem Doktor: Japan

Dr. Helmut Marko
Exklusiv auf SPEEDWEEK.com: Dr. Helmut Marko, Motorsport-Berater von Red Bull, analysiert den jüngsten Grand Prix. Diesmal: Suzuka, ein fast perfektes Rennen, und warum wir keinen Stress haben.
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