Steckbrief

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Kevin Magnussen

Rennfahrer

Vorname: Kevin
Nachname: Magnussen
Spitzname: Kev
Webseite: www.kevinmagnussen.com
Twitter: @KevinMagnussen
Nationalität: Dänemark
Geburtsdatum: 05.10.1992 in Roskilde, Dänemark (27 Jahre, 1 Monat und 13 Tage)
Familienstand: Ledig
Wohnort: Woking
Größe: 174 cm
Gewicht: 68 kg
Hobbys: Musik, Karting, Golf
Lieblingssportart(en): Wassersport
Lieblingsstrecke: Suzuka
Lieblingsspeise(n): Indisch und eine gute Pizza
Lieblingsmusik: Pop und Rock

Kevin Magnussen begann seine Karriere im Kartsport und gewann unter anderem 2006 die NEZ-ICA-Juniorenkartmeisterschaft. 2008 schaffte er den Sprung in die dänische Formel Ford, die er mit elf Siegen in 15 Rennen auf Anhieb gewann. Außerdem startete er bei sechs Rennen der ADAC Formel Masters. 2009 folgte der nächste Schritt auf der Karriereleiter in die Formel Renault. Dort trat er mit dem deutschen Team Motopark Academy im Formel Renault 2.0 Eurocup und der nordeuropäischen Formel Renault an, in der er hinter António Félix da Costa Zweiter wurde.

2010 blieb Magnussen zwar bei Motopark Academy, wechselte aber in den Formel-3-Cup. Gleich beim ersten Rennen in Oschersleben stand er ganz oben auf dem Podium. Mit drei Saisonsiegen war er am Saisonende Dritter der Fahrerwertung und bester Rookie. In der Formel-3-Euroserie, in der er zwei Rennen bestritt, gewann er das zweites Rennen.

Mittlerweile war McLaren auf den schnellen Dänen aufmerksam geworden und nahm ihn in das Nachwuchsprogramm auf. 15 Jahre zuvor hatte übrigens sein Vater Jan Magnussen über das McLaren-Förderprogramm den Sprung in die Formel 1 geschafft.

2011 wechselte Kevin Magnussen in die britische Formel-3-Meisterschaft, die er mit sieben Siegen auf Platz 2 beendete. Insgesamt stand er neun Mal auf dem Podium, sechs Mal auf der Pole-Position und fuhr neun schnellste Rennrunden.

2012 folgte mit Carlin der Wechsel in die Formel Renault 3.5, die er mit einem Sieg in Spanien, zwei zweiten Plätzen und weiteren sechs Platzierungen in den Punkten auf Rang 7 beendete. Am 6. November desselben Jahres saß Kevin Magnussen beim Nachwuchsfahrertest im Abu Dhabi zum ersten Mal in einem Formel-1-McLaren, nachdem er sich schon zuvor im Simulator des Teams einen Eindruck des MP4-27 verschaffen konnte. Er fuhr die beste Zeit des dreitägigen Tests und legte genügend Kilometer zurück, um die FIA-Superlizenz zu bekommen.

2013 fuhr Kevin Magnussen ein weiteres Jahr in der Formel Renault 3.5 und gewann die Meisterschaft gegen seinen McLaren-Nachwuchskollegen Stoffel Vandoorne und Red-Bull-Junior António Félix da Costa. Mit fünf Siegen und acht weiteren Podiumsplatzierungen sicherte er sich vorzeitig den Titel. Sein erster Sieg in Le Castellet wurde ihm nachträglich aberkannt, weil das DRS-System des Autos bei der technischen Überprüfung nach dem Rennen durchfiel. Ohne die Disqualifikation hätte Kevin Magnussen in 17 Rennen 14 Mal auf dem Podium gestanden.

Außerdem durfte Kevin Magnussen beim Nachwuchsfahrertest in Silverstone weitere Erfahrungen im McLaren sammeln, und am 14. November 2013 verkündete das Traditionsteam, dass Magnussen 2014 Sergio Pérez ersetzen würde.

Kevin Magnussen zeigte 2014 an der Seite von Jenson Button eine ansprechende Saison. Er wurde nach der Disqualifikation von Daniel Ricciardo in Australien sensationeller Zweiter und fuhr zwölf Mal in die Punkte. Aber das reichte nicht, um seinen Platz als Stammfahrer zu behalten. Bei der Diskussion Reife (Jenson Button) gegen Jugend (Kevin Magnussen) zog der Däne den Kürzeren. Er musste für 2015 ins zweite Glied rücken.

Magnussen hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er sich eine weitere Saison ohne Rennen nicht antun werde. Im Herbst 2015 eröffnete ihm McLaren-Teamchef Ron Dennis, dass sein Vertrag nicht verlängert würde. Magnussen schien ohne Auto dazustehen und testete einen Langstrecken-Porsche.

Dann aber geriet Pastor Maldonados Sponsor PDVSA in finanzielle Schräglage, und damit war der Venezolaner den Platz beim neuen Werksrennstall von Renault los. Renault zögerte nicht lange und verpflichtete mit einem Einjahresvertrag für die Saison 2016 Kevin Magnussen.

Der Däne wurde 2016 unter Wert geschlagen. Zwar lag er in den meisten Trainings und Rennen vor seinem Stallgefährten Jolyon Palmer, aber der neue Wagen war zu spät fertig geworden, um noch zu einem guten Mittelfeldauto zu werden. Zudem war das Fahrzeug ursprünglich auf einen Mercedes-Motor ausgelegt. Magnussen konnte nur zwei Mal in die Punkte fahren, als Siebter in Sotschi und als Zehnter in Singapur.

Als ihn Renault hinsichtlich 2017 eine Weile zappeln liess, handelte Kevin: Er hatte Angst, am Ende zwischen Stuhl und Bank zu fallen. Ein Angebot von Haas kam da wie gerufen: Der Däne unterzeichnete für 2017 und 2018.

Magnussen fuhr 2017 für Haas fünf Mal in die Punkte, Rang 7 in Baku war das Highlight. Endlich war Haas kein Einmann-Team mehr aus Romain Grosjean, denn Magnussen-Vorgänger Esteban Gutiérrez hatte versagt.

Kevin fiel auch durch einen, nennen wir es äusserst robusten Fahrstil auf. In Ungarn hatte Nico Hülkenberg über den Fahrstil von Kevin Magnussen geschimpft, in Belgien konnte Sergio Pérez nur schnaufen: «So unfair, dieser Magnussen!» Dies, nachdem ihn der Däne brutal zusammengeschnitten hatte. Sky-Formel-1-Experte Marc Surer sagt unverblümt: «Magnussen ist ein linker Hund.»

Kleiner Rückblick zum Hungaroring. «Leck meine Eier, Liebling», ist ein Satz, den wir im Rahmen einer Formel-1-TV-Übertragung eher selten hören. Genau das warf Kevin Magnussen dem Renault-Fahrer Nico Hülkenberg an den Kopf, als sich der Deutsche vor laufender Kamera zum Dänen begab, um ihm voll triefender Ironie zu gratulieren, «dass du der unsportlichste Fahrer im Feld bist».

Was war passiert? Renault-Fahrer Hülkenberg wollte in der 61. Runde des Ungarn-GP in Kurve 2 aussen am Haas-Piloten vorbei, der liess seinen Wagen sehr weit nach rechts tragen, worauf sich Hülkenberg neben der Bahn wiederfand. Dafür gab es von der FIA-Rennpolizei fünf Strafsekunden für Magnussen. Nach dem Rennen stellte Nico seinen Widersacher zur Rede, der gerade ein Interview fürs norwegische Fernsehen gab. Hülkenberg deponierte seine Kritik. Worauf Magnussen versetzte: «Leck meine Eier, Liebling.»

Im Rückspiegel betrachtet kann Le-Mans-Sieger Nico Hülkenberg über den Ausbruch von Kevin Magnussen nur lachen. «Ich wünschte, es würden so viele Leute angeregt über das Rennen diskutieren wie über dieses kleine Scharmützel. Wir haben im Moment andere Herausforderungen in der Formel 1 als die Behandlung der Hoden eines Möchtegern-Verstappen. Mit ihm ist es wie mit einem kleinen Bruder: Man weiss, dass er sich nicht anders wehren kann und deshalb ist es leicht, es mit einem Lächeln hinzunehmen.»

Als sich Pérez in Spa-Francorchamps am Funk über Magnussen beschwerte, twitterte Mercedes-Benz mit einem Augenzwinkern: «Wir erkennen am Horizont eine Diskussion auftauchen, bei welcher es sich um Weichteile und Honig drehen könnte.»

An Haas-Fahrer Magnussen perlt Kritik ab wie der Regen an einer gut imprägnierten Pellerine eines Francorchamps-Besuchers: «Ich habe mir das nochmals in aller Ruhe angeschaut. Mein Fahrstil war hart», so Kevin in der dänischen Ekstra Bladet. «Aber die Leute müssen schon verstehen, dass ich das Beste versuche und dafür fahre ich eben hart. Manchmal bedeutet das auch, die Zitrone richtig auszuquetschen und einen Fuss über die Grenze hinaus zu setzen. Ich bin nicht in der Formel 1, um hier neue Freunde zu gewinnen, ich bin hier, um gute Ergebnisse einzufahren.»

Dann legte sich Magnussen mit Superstar Fernando Alonso an. Es war Runde 32 des Malaysia-GP, als Fernando seinen Angriff auf Kevin startete. Ende der Start-Ziel-Geraden kam er mit DRS-Überschuss am Dänen vorbei, der aber wiederum konterte, nachdem Alonso schlecht in die erste Kurve kam. Dabei geriet Alonso sehr weit nach aussen, fast über den Streckenrand hinaus. Der Spanier revanchierte sich und räumte Magnussen in Kurve 2 mit einem kleinen Stoß zur Seite. Ihm blieb durch seine schlechte Position auch nicht viel anderes übrig. Dadurch setzte sich Alonso durch.

«Was für ein Idiot, Hülkenberg hatte Recht!» schimpfte der Spanier in den Funk. Von Magnussen kam keinerlei Einsicht. Er wetterte: «Was macht dieser Typ da?»

Nach dem Rennen sagte Alonso: «Ein typisches Manöver, das keinem Fahrer etwas bringt. Zum Glück ist noch alles gut gegangen, aber wir haben drei bis vier Sekunden durch eine Aktion verloren, die am Ende nichts gebracht hat.»

Haas-Teamchef Günther Steiner musste mal wieder für seinen Fahrer in die Bresche springen. Auch nach Ungarn hatte Steiner Magnussen gegen Hülkenberg verteidigt. Diesmal nahm sich Steiner Alonso vor. «Alonso ist es offenbar gewohnt, dass jeder ihn vorbeilässt, weil er ein sehr charismatischer und harter Kerl ist. Wenn jemand sich ihm entgegenstellt, dann ist er irritiert. Beide Fahrer sind ans Limit gegangen, ohne eine Schwelle zu übertreten. Und das ist doch das, was die Leute sehen wollen», sagte Steiner. Und: «Wenn man immer nett auf die Seite fährt, erwarten es die Leute irgendwann von einem, dass man es immer macht.»

Magnussen denkt nicht daran, an seinem Fahrstil etwas zu ändern. «Ich geniesse die Rennfahrerei und ich liebe diese Kämpfe auf der Strecke. Und solange ich keine Strafe bekomme, ist auch alles in Ordnung. Es kümmert mich nicht, was die Anderen von mir denken. Ich muss immer alles geben, es ist nicht so, dass ich es locker in die Top-10 schaffe. Ich muss Risiken eingehen und hart fahren, um WM-Zähler zu holen. Und daran wird sich nichts ändern.»

Und so kam es, wie es kommen musste: Auch 2018 machte sich Kevin auf der Piste keine neuen Freunde. Aber Magnussen hat gelernt, sein Auto auf der Piste zu halten, auch wenn die Ellbogen weit ausgefahren sind. Als Ergebnis gab es für den Dänen die beste F1-Saison seiner GP-Karriere, mit WM-Rang 9. In Bahrain und Österreich wurde er jeweils Fünfter. Er war für Haas eine Punktegarantie, und so war es naheliegend, dass er auch für 2019 einen Vertrag erhielt.

Kevin Magnussen © LAT Kevin Magnussen

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