Formel V-Pionier Günther Huber ist 80

Kolumne von Rainer Braun
In den ersten Formel V-Jahren war er einer der besten Piloten, nun wird der Niederösterreicher Günther Huber 80 Jahre alt. Wir gratulieren und reichen eine Entschuldigung hinterher.

Man mag’s kaum glauben – Günther Huber sieht mit 80 rein optisch noch genauso aus wie als junger Formel V-Pilot mit 24. «Der Huber wird aber irgendwie auch nicht älter», lauten denn auch gelegentlich fast neidvolle Kommentare seiner ehemaligen Kollegen.

Der Kfz.-Ingenieur und VW-Händlersohn aus St. Pölten in Niederösterreich gehörte zur Gruppe jener wilden und weltweit gefürchteten Österreicher, die den Erfolg der ersten Formel V-Jahre 1966–1969 entscheidend mitgeprägt haben. Während Hubers Landsleute in den starken Werksteams von Porsche-Salzburg (Austro V) und Bergmann (Kaimann) mehr im Kollektiv auftraten, entschied sich der stille und introvertierte junge Mann für die Rolle des Einzelkämpfers.

«Ich habe mich nur auf mich selbst verlassen und bin technisch meinen eigenen Weg gegangen», blickt Huber zurück. Seine Motoren hat er selbst vorbereitet und auch revidiert. Fahrwerks-Einstellungen mit dem idealen Stoßdämpfer wurden in enger Zusammenarbeit mit Bilstein in vielen Testfahrten aussortiert. «Damals waren alle noch ziemlich testfaul, was ich ausgenutzt und mit Hugo Emde von Bilstein die Entwicklung des Gasdruckdämpfers vorangetrieben habe. Die Zusammenarbeit mit diesem Mann war einfach toll.»

Schon bald war klar: Wer gewinnen wollte, musste den Bilstein-Dämpfer fahren. Als die große Formel V-Bewegung dann ab 1966 so richtig in Schwung kam, gehörte Huber sofort zu den Frontrunnern, siegte bei den EM-Läufen auf der Nordschleife im Regen und im Trockenen, triumphierte auch auf der Nürburgring-Südschleife, führte in Monaco mit Rekordvorsprung bis zum Ausfall wegen Bremstrommelbruchs.

Besonders stolz ist er darauf, dass er nie wegen eines technischen Vergehens disqualifiziert wurde. «Und ich sage dir», so Huber, «damals wurde gerade beim Motor beschissen, dass sich die Bäume bogen.»

Trotz heftigster Gegenwehr seiner Landsleute Marko, Peter, Pankl, Riedl, Quester & Co. holte sich der Kfz.-Ingenieur aus St. Pölten 1967 den begehrten EM-Titel.

Davon schwärmt Huber noch heute: «Das war damals für mich eine ungeheure Genugtuung, als Einzelkämpfer gegen den Rest der Welt anzutreten und alle abzuduschen.»

Beim entscheidenden Sieg auf der Nordschleife im Vorprogramm des deutschen Formel-1-GP 1967 überreichte ihm der damalige Verkehrsminister Georg Leber den mächtigen Lorbeerkranz samt Pokal. Den EM-Titel hätte sich Huber übrigens schon ein Jahr früher sichern können, wenn er sich nicht im Finalrennen in Wien-Aspern gedreht und unglücklicherweise vom Autor dieser Geschichte gerammt worden wäre …

Schon bald wurde Alpina-Chef Burkhard Bovensiepen auf den kampfstarken und zielstrebigen Österreicher aufmerksam und holte den jungen Mann mit dem braven Bubengesicht in sein Team. Fortan driftete Huber, dem wenig später auch seine Formel V-Kumpane Pankl und Marko zu Alpina nachfolgten, mit den orange-schwarzen BMW 2002 und 2800 CS-Coupes aus Buchloe bei den Topstars mit. «Wir Formel V-Piloten dachten damals, uns gehört die Welt, und so fuhren wir auch.»

Diesen Übermut musste Huber am Ring im Streckenabschnitt Wippermann denn auch mit seinem ersten und einzigen Mega-Crash bezahlen: Frontalaufprall ohne Gurte an einen Baum, drei Tage Adenauer Krankenhaus. Kaum wieder fit, holte er sich 1970 mit Helmut Kelleners im Alpina-CSL-Coupe den Gesamtsieg bei den 24 Stunden von Spa.

Einen schweren Schicksalsschlag musste Huber 2017 verkraften, als er nach fast 50 Jahren Ehe seine Frau durch Krankheit verlor. Hannelore Huber war eine geschätzte und sehr erfolgreiche Psychologin und Psychotherapeutin mit eigener Praxis. Seitdem kämpft er sich zusammen mit seinen zwei erwachsenen Söhnen Günther junior (46) und Markus (44) durch Leben. Beide sind wie der Vater Ingenieure, beide teilen auch die Liebe zur historischen Formel V und starten selbst bei den Classic-Events. Gerade sind die drei Hubers dabei, eine Halle für die Formel V-Exponate aus vergangener Zeit zu bauen.

Eine große Geburtstagsfeier wird es wegen Corona bei Hubers nicht geben. «Ich bin schon froh», so der Jubilar, «wenn wir ein geöffnetes Restaurant zum Essen finden.»

Happy Birthday, Günther. Danke für eine großartige gemeinsame Zeit auf und an der Rennstrecke. Und sorry, dass ich dir den ersten EM-Titel 1966 vermasselt habe.

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