Formel E als Leuchtturm-Format? BMW hat Zweifel

Von Andreas Reiners
Formel E als Leuchtturm-Format? BMW hat Zweifel

Formel E als Leuchtturm-Format? BMW hat Zweifel

ES sind ungewohnt ehrliche Worte, die BMW-Entwicklungschef Klaus Fröhlich zur Formel E findet. Als neue Königsklasse würde er sie nicht bezeichnen.

Die Formel E erhält durch den DTM-Ausstieg von Audi mal wieder einen Schub, denn die Ingolstädter konzentrieren sich in Zukunft vor allem auf die Elektrorennserie. Die Formel E ist immer noch eine heiße Wette auf die Zukunft, was aber längst nicht so viele so euphorisch sehen wie andere.

BMW ist auch in der Formel E engagiert, seit der Saison 5 (2018/19) sind die Münchner werksseitig dabei. In der derzeit unterbrochenen Saison belegen Alexander Sims und Maximilian Günther die Plätze drei und vier, in der Teamwertung belegt BMW Rang zwei. Eine Menge Grund für Euphorie also.

Doch die Formel E als neue Königsklasse? Nein, soweit würde Entwicklungschef Klaus Fröhlich dann doch nicht gehen.

«Die Formel E ist uns wichtig und ein interessantes Format, das wir von Anfang an unterstützt haben. Aber es ist kein klassischer Rennsport, sondern an die urbane, nicht per se motorsportaffine Bevölkerung gerichtet», sagte er in der Süddeutschen Zeitung.

Ob die Formel E sich letztlich als Leuchtturm-Format durchsetzen wird? «Da habe ich doch Zweifel. Jetzt gehen alle Hersteller in den Formel-E-Hype rein, alle wollen gewinnen, der Weltverband FIA will die technischen Aufwände höher ziehen, es wird teurer. Gleichzeitig diskutieren Städte, die Rennen aus den Innenstädten heraus zu verlagern auf eine stationäre Strecke. Dann ist das Format vom Spirit her tot.»

Hinzu kommt: «Die Formel E ist de facto ein Formel-Format mit identischen Silhouetten. Und wir haben schon in der Formel 1 die Erfahrung gemacht, dass es relativ schwierig ist, die Brücke von einem Formel-Auto zum Realprodukt zu schlagen. Das ist bei einem BMW M4, wie er in der DTM startet, schlüssiger für Kunden und aus unserer Sicht tragfähiger.»

Deshalb kritisiert Fröhlich die Audi-Entscheidung, nach der Saison 2020 aus der DTM auszusteigen. «Ob es nachhaltig war, das Standbein DTM abzuschneiden, und ob die Formel E langfristig tragfähiger ist, um Elektromobilität zu kommunizieren - da setze ich ein Fragezeichen dahinter», sagte Fröhlich.

Und aus den genannten Gründen ist auch die Formel 1 nicht mehr interessant für BMW. «Der Markenbeitrag ist gering, die Investments sind gigantisch hoch. Wir haben den Ausstieg nicht bereut. Außerdem tut sich die Formel 1 gerade sehr schwer mit einem Wandel.»

Fröhlich weiter: «Es ist nicht so, dass wir irgendeinen Formel-1-Leuchtturm bauen müssen, weil wir langweilige Durchschnittsautos bauen. Wir brauchen die Königsklasse nicht, damit deren Glanz auf die Marke insgesamt abstrahlt. So ist das ja bei manchem Massenvolumen-Hersteller. Wir hingegen suchen Formate, die zu unserer Produktstrategie passen und sowohl verbrenner- als auch elektroorientiert sind.»


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